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Willicher Wirtschaftsfrühling: Auf dem grünen Teppich

Willicher Wirtschaftsfrühling: Auf dem grünen Teppich

Können Firmen etwas gegen Terrorismus tun? Dieser Frage ging Elmar Theveßen nach.

Willich. Nicht der rote, sondern der quietschgrüne Teppich war vor dem Hauptportal des Virmondschen Schlosses auslegt worden. Auf ihm gelangten die Gäste zur Kultur-Etage, auf der diesmal der 9. Willicher Wirtschaftsfrühling stattfand.

„Mit Mut und Fantasie heraus aus der Angst — Wie ein anderes Denken den Terror überwinden lässt“ lautete das Thema. Es hat auf den ersten Blick wenig mit dem alltäglichen Geschäft der Banker, Wirtschaftsförderer, Maschinenbauer oder Vertreter von Arbeitsagenturen zu tun. Aber diese Sichtweise sollte sich im Laufe des Abends noch ändern.

Der Referent, Fernseh-Journalist Elmar Theveßen, hatte ein Foto mitgebracht, auf dem auf einer gedeckten Tafel ein zubereiteter exotischer Fisch zu sehen war. Was es damit auf sich hat, erklärte er wie folgt: „Stellen Sie sich einmal vor, die EU-Fangflotte sei irgendwo auf Beutezug gegangen und hätte dafür gesorgt, dass vielen dörflichen Fischern ihre Lebensgrundlage entzogen worden sei.“

Eine Konsequenz daraus könne sein, dass die Fischer sich zur Wehr setzen — einige auch mit Waffengewalt.

Für den Terror-Experten steht fest: Es sind keine religiösen Vernichtungsfeldzüge, die die meisten Terroristen zu Bomben greifen lassen, sondern zunächst einmal fehlende persönliche oder berufliche Perspektiven.

Er belegte dies mit Beispielen. So mit einem jungen Mann aus der sogenannten „Sauerland-Zelle“, den der Alkoholismus und die Scheidung seiner Eltern aus der Bahn geworfen habe.

Den Unternehmern riet Theveßen, in den ärmeren Ländern zu investieren oder ihnen durch Hilfen zur Selbsthilfe bessere Perspektiven zu geben.

Dass heimische Firmen durch Anti-Terror-Gesetze in ihren Geschäften beeinträchtigt werden, erklärte der Geschäftsführer von „Alimex“, Martin Hartz. Die Firma in Münchheide beliefert den asiatischen Raum im Maschinen- und Anlagenbau per Luftfracht mit Gussplatten aus Aluminium.

„Obwohl wir vom Luftfahrt-Bundesamt als ,Bekannter Versender’ eingestuft sind, haben wir eine Fülle von Auflagen zu erfüllen. Zum Beispiel muss für alle Beschäftigten in der Produktion ein polizeiliches Führungszeugnis vorgelegt werden. Und wir brauchen einen speziellen Sicherheits-Beauftragten“, erläuterte Martin Hartz.

In den vergangenen zwei Jahren habe Alimex für die vermeintlich höheren Sicherheitsstandards (Hartz: „Der Aufwand steht in keinem Verhältnis zum Nutzen“) Kosten von rund 45 000 Euro aufbringen müssen — bauliche Maßnahmen gar nicht mitgerechnet.

„Es wird daher für uns immer schwieriger, Gelder für unser soziales Engagement auszugeben“, so Hartz. Noch 2010 habe das Unternehmen mit für den Aufbau einer Schule in Ghana gesorgt . . .