Willicher Kantorei führt das Joshua-Oratorium auf

Kultur : Willicher Kantorei wagt sich an Händel-Klassiker

Das Oratorium „Joshua“ wird in Kürze zweimal aufgeführt – zunächst in Anrath, danach in Krefeld.

Im 19. Jahrhundert war eine Aufführung von Georg Friedrich Händels Oratorium „Joshua“ ein bisschen wie ein Konzert des Popstars Ed Sheeran heute: sehr beliebt und ratzfatz ausverkauft. Die Größen Mendelssohn Bartholdy und Robert Schumann brachten das Werk unter anderem auf die Bühne. In der Zwischenzeit ist die Komposition ein bisschen in Vergessenheit geraten. Kreiskantor Klaus-Peter Pfeifer glaubt dennoch an den weiteren Erfolg des Klassikers und bringt ihn in den nächsten Tagen zwei Mal zur Aufführung – am 16. November in der Kirche St. Johannes in Anrath und am 18. November in der Friedenskirche Krefeld.

Seit Januar probt die über Jahre bewährte Kombination aus Emmaus-Kantorei der Evangelischen Gemeinde in Willich, dem Willicher Musikprojekt und der Camerata Louis Spohr Düsseldorf. „Etwa 100 Sängerinnen und Sänger sind dabei“, sagt Pfeifer – Laien im Chor und Berufsmusiker als Solisten und im Orchester. Eine tolle Kombination, findet der musikalische Leiter. „Für den Chor ist es toll, mit Profis zusammenzuarbeiten“, sagt Pfeifer. Derweil sind große Aufführungen für die Hobby-Musiker noch etwas Besonders. „Die stecken auch die erfahrenen Leute mit ihrer Begeisterung, ihrem Feuer an“, sagt Pfeifer.

Die Auswahl des jährlichen Stücks ist für Pfeifer eine Herausforderung. Man wolle sich ja nicht wiederholen. Also entschied er sich zu Händels „Joshua“ in der englischen Originalfassung. Eine Herausforderung für den ein oder anderen Rheinländer – doch letztlich seien alle zurechtgekommen, lobt Klaus-Peter Pfeifer.

Bei der Vorstellung des Stücks ist ihm seine Vorfreude anzumerken. Rasch stimmt er einen ersten Part an, nämlich das bekannte Adventslied „Tochter Zion“. Im Oratorium erklingt es noch mit anderem Text. „Bei Joshua handelt es sich um einen der spektakulärsten Helden des Alten Testaments, den Nachfolger von Moses“, sagt Pfeifer und stellt vielfältige Klänge in Aussicht. „Joshua“ vereinigt die Themen Krieg und Liebe. Händel habe sämtlich  Register seiner Kunst gezogen, sagt Pfeifer: „Die Pracht von Pauken- und Trompetenklängen, Freuden-, Jubel- und Trauerchöre, virtuose Arien, anrührende Liebesduette.“

Angesprochen auf seine Solisten gerät der Musiker ins Schwärmen – besonders bei Mark Vargin. Der erst Elfjährige übernimmt als Knabensopran die Rolle des Engels. „Wie er das Werk in seinem Alter beherrscht, beeindruckt mich“, sagt Pfeifer.

Damit die Aufführung stattfinden kann, sind seine Musiker auf Unterstützung angewiesen. Der Förderverein Willicher Musikprojekt hilft seit dem Jahr 2004 mit Geld seiner aktuell 130 Mitglieder und weiterer Sponsoren. Auch der Landesmusikrat NRW, eine wichtige Initiative für Laienmusik im Bundesland,  trägt zum Gelingen bei. „Das ist natürlich eine große Anerkennung“, sagt Jürgen Loeschert, der den Förderverein leitet.

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