Willich: Zusammen mit seinem Cousin hat Patrick Duy Dang bei „Jugend musiziert“ teilgenommen

Jugend musiziert : 13-jähriger Willicher beim Bundesentscheid

Zusammen mit seinem Cousin hat Patrick Duy Dang bei „Jugend musiziert“ teilgenommen.

„Patrick ist mein deutscher und Duy mein vietnamesischer Vorname“, erklärt der 13-jährige Schüler aus Willich. Im Wohnzimmer der Familie Dang lehnt seine Gitarre an der Musikanlage. Auf den Musikboxen in der Ecke stehen mehrere glänzende Pokale. Patrick ist nämlich nicht nur ein hervorragender Musiker, der es gerade bis in den Bundeswettbewerb von „Jugend musiziert“ geschafft hat, sondern auch ein toller Sportler. „Die Pokale sind vom Badminton“, erklärt er. Für diesen Sport trainiert er drei Nachmittage in der Woche beim DJK/VfL Willich. Und nimmt einen beachtlichen 13. Platz in der Rangliste NRW ein.

Der Sport sei sein liebstes Hobby, wie er offen sagt. „Das Training ist für ihn keine Arbeit“, sagt Mama Dung Tra. Das ist bei der Musik schon ein bisschen anders. Da ist das Training, sprich das ständige Üben, schon manchmal mühsamer. Obwohl Patrick auch hierbei noch sehr entspannt und unverkrampft wirkt. „Wenn ich keine Wettbewerbe habe, übe ich so zweimal in der Woche“, sagt er. Im Moment ist es jedoch deutlich mehr. Gemeinsam mit seinem Cousin Vincent Vinh Thai (13) aus Viersen probt er mindestens dreimal in der Woche. Hinzu kommen noch die eigenen Übungseinheiten.

Patrick und sein Cousin haben bei Georg Cremer von der Kreismusikschule Viersen Unterricht und treten in diesem Jahr als Gitarrenduo auf. Sechs Stücke für Konzertgitarre spielen die beiden. Musik des 17. Jahrhunderts bis in die Moderne. 20 Minuten allerhöchste Konzentration.

Nur rund zehn Prozent aller Teilnehmer schaffen es bis in die „Königsklasse“, den Bundeswettbewerb. Patrick nimmt die Gitarre in die Hand, setzt sich auf einen quadratischen Sitzhocker und stellt das linke Bein auf einen kleinen Fußschemel. Er spielt ein Stück des Komponisten Johann Kaspar Mertz (1806-1856), das „Unruhe“ heißt, aber seltsamerweise beruhigend wirkt. Patrick spielt sicher und konzentriert, absolviert das schwierige Stück mit Leichtigkeit und Bravour. Es macht Spaß, ihm zuzuhören. Ein Routinier ist er. „Ich hatte schon viele Auftritte“, sagt er. Und dass er, außer bei großen Wettbewerben, auch nicht besonders nervös sei. Bei den Wettbewerben begleitet ihn die ganze Familie zum Daumendrücken. Seine Mutter Dung Tra, sein Vater Tan und seine kleine Schwester Minh-Thy (11). Die ist ebenfalls musikalisch sehr begabt und erreichte am Klavier bei „Jugend musiziert“ in diesem Jahr den Landeswettbewerb.

Musikschullehrer Gerhard Hiller ist bei allen großen Auftritten dabei

Patrick hat seit sieben Jahren Unterricht. Die Grundlagen legt sein Lehrer Gerhard Hiller von der Kreismusikschule Viersen, der ihn bis zu seiner Pensionierung im Herbst 2017 unterrichtet und bis heute bei allen großen Auftritten dabei ist. Was er mal beruflich machen will, das weiß Patrick im Moment noch nicht. „Musik finde ich wichtig, auch für später. Als Ausgleich im Berufsleben“, sagt seine Mutter. Vor 30 Jahren kam die Familie aus Vietnam nach Deutschland. Die Kinder wurden hier geboren. „Ich verstehe noch Vietnamesisch“, sagt Patrick, „sprechen kann ich es jedoch nicht viel.“ Patrick geht in die siebte Klasse des Lise-Meitner-Gymnasiums in Anrath. Dort spielt er in der Schulband Popmusik. Die sei ihm eh am liebsten, wie er verrät. „Ich möchte demnächst einen Youtube-Kanal machen“,
erzählt er.

In der Schule wissen natürlich alle, wie gut er Gitarre spielt. Sogar der Sportlehrer meidet vor großen Wettbewerben Sportarten, bei denen die Hände und die Fingernägel Schaden nehmen könnten. „Wir spielen dann halt keinen Volleyball“, erzählt Patrick.

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