Willich: Ziegenhaar für neue Türen

Willich: Ziegenhaar für neue Türen

Der Tabernakel von St. Katharina in Willich wurde restauriert – und könnte in Zukunft nur noch mit feinem Pinsel entstaubt werden.

Willich. Die Innenseiten bekommt der normale Gottesdienstbesucher kaum zu sehen. Denn die Türen des Tabernakels lassen sich nur um 90 Grad öffnen. Das passiert etwa dann, wenn Hostien für die Kommunion herausgeholt werden.

Schade, dass man sie nur selten sieht, denn die Innenseiten der Tabernakeltüren von St. Katharina in Willich sind sehenswert: scheinendes Gold, auf dem bunte Engel schweben. Aber auch die Gemälde außen sind schön anzusehen: Maria Verkündigung mit Engel, Lilie und Heiligem Geist. "Eine Kopie der Verkündigungsszene auf dem Lochneraltar im Kölner Dom", sagt Paul Schrömbges, Kirchenvorstand und Mitglied im Vorstand der Stiftung St. Katharina.

Anlässlich der Renovierung der Kirche hat der Stiftungsvorstand beschlossen, auch die Tabernakeltüren restaurieren zu lassen. 5100 Euro hat das gekostet. Beauftragt war damit Renate Grimm, die ihr Atelier in Schiefbahn hat. Seit Ostern war sie damit beschäftigt, hat rund 70 Stunden Arbeit investiert. "Man braucht viel Zeit, in denen die Farben trocknen müssen", erklärt die Fachfrau.

Wo die Gemälde an die Innenkanten der Türen reichen, sah man vor der Restaurierung deutlich, wo sie angefasst wurden. Deswegen will Pastor Jürgen Lenzen die Kommunionhelfer in Zukunft dazu anhalten, pfleglich mit den Türen umzugehen. "Baumwollhandschuhe anziehen", ist der Rat von Renate Grimm. Schrömbges: "Damit kann man dann schlecht die Kommunion austeilen."

Wahrscheinlich haben auch Putzfrauen versucht, die Griffspuren zu beseitigen, "und dabei die Farbe zerstört", sagt Grimm und empfiehlt, in Zukunft mit Ziegenhaar-Pinseln abzustauben.

Zwar waren die Lilie und die Taube der Verkündigungsszene noch erhalten, aber es gab viele Flächen, an denen nichts mehr von den Ornamenten des Hintergrundes zu sehen war. "Fehlflächen", wie sie im Jargon der Restauratorin heißen. Die hat sie mit einem feinen Pinsel ergänzt. Sie hat 23,5-karätiges Blattgold verwendet und 24-karätiges Pudergold.

Mit der Renovierung erhält der Tabernakel auch noch eine neue Innenausstattung. "Er wird mit bestickter Seide ausgelegt", sagt Schrömbges. "Das entspricht dem historischen Vorbild." In dieser Zeit sei es üblich gewesen, den Tabernakel (lat. tabernaculum: Hütte, Zelt) als Wohnstätte Gottes in der Kirche schön auszuschmücken. "Die Spiritualität hatte eine sehr sinnliche Dimension", sagt Pastor Jürgen Lenzen.

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