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Willich: Willy Kerbuschs Abschiedsetat wiegt schwer

Stadt Willich : Willy Kerbuschs Abschiedsetat wiegt schwer

Der Kämmerer legt den Haushaltsplanentwurf für 2021 vor: Die Corona-Krise wirkt sich aus, trotzdem wird in der Stadt Willich kräftig investiert.

Scharfsinnig, schlitzohrig, streitbar und erfahren (besser passt wohl: „mit allen Wassern gewaschen“). Dabei fördernd und fordernd, zuweilen bärbeißig – in jedem Fall ein Bollwerk als Kämmerer, der vor allem eines ist: erfolgreich.

Es ist noch nicht an der Zeit, Willichs Kämmerer Willy Kerbusch einen Abschiedsbrief zu schreiben. Bis Ende Mai 2021 ist er schließlich noch im Amt. Genauer gesagt bis zur Rechtskraft des Haushalts für das Nach-Corona-Jahr 2021. Soweit jedenfalls die Vorgabe auf der Zeitschiene des Noch-Kämmerers.

Willy Kerbusch hat allerdings mit seiner Rede, mit der er am Mittwochabend den Haushaltsplanentwurf 2021 vorgelegt hat, seinen Abschiedsbrief an Politik und Verwaltung formuliert.

Ausgedruckt und gebunden ist der Etat „to go“ mit dem implantieren Herzschrittmacher „Willicher Konjunkturprogramm“ über 1,7 Kilogramm schwer. Es ist nicht nur ein Zahlenwerk über 687 Seiten, vorgelegt von Kerbusch, Simone Küppers (Geschäftsbereich Zentrale Finanzen) und Beatrix Mai (Stadtkasse und Buchhaltung). Es ist Mahnung, Planung, Voraussicht, Vorsicht, aber vor allem Mutmacher für Willichs Lenker und Denker in diesem problematischen Jahr und den Coronakrisen-Folgejahren.

Bund der Steuerzahler findet lobende Worte für Willich

Willichs Langzeit-Erfolg bescheinigt aktuell sogar der Bund der Steuerzahler, eine Institution, der Kämmerer Kerbusch nicht immer unkritisch gegenüber steht. Im Falle des dokumentierten Erfolgs legt er aber die Auszeichnung der Presse gerne vor: Es handelt sich um eine Karte, die alle 396 Gemeinden des Landes Nordrhein-Westfalen zeigt. Es geht um die Betrachtung des Haushaltsausgleichs in den Jahren 2010 bis 2020 und darum, wer regelmäßig ausgeglichen war (Note 1, dunkelgrün eingefärbt) bis hin zu Note 6 = nie ausgeglichen, Tendenz problematisch (dunkelrot).

Die NRW-Karte sieht zu großen Teilen aus wie die aktuelle Dürresommer-Bilanz der Meteorologen: Viel Rot. Viel Orange. Willich sticht als eine von nur zehn Vorzeigestädten dunkelgrün hervor. Die Farblegende meint zwar nicht gleich dauerhaften Geldregen, aber Willich stehe, so der Bund der Steuerzahler, „ausgesprochen gut da“. Man musste zwar auch mal an die Rücklagen, hatte aber „regelmäßig ausgeglichene Haushalte“.

„Generationengerechte Haushaltswirtschaft“

Das Lob für diese Finanzsolidität und für die generationengerechte Haushaltswirtschaft mit Außenwirkung gefällt Kerbusch. Er will nun der Corona-Krise und dem zu erwartenden Minus in zweistelliger Millionen-Höhe die Stirn bieten, indem er für 2021 „antizyklisch“ agiert: „Wir schaffen es nicht, gegen die Krise anzusparen“, so der Kämmerer, „wir investieren in der Krise“. Das halte er für den richtigen Weg, „nicht wahllos“, sondern gezielt soll das passieren. So soll in Willich bis 2022 weiter in die Schulen (allein 14 Millionen) investiert werden, in Kindertagesstätten, OGS und Straßen (15,7 Millionen).

Willich stattet ihre freiwillige Feuerwehr weiter aus

12,4 Millionen fließen in die „Weiterentwicklung unserer Freiwilligen Feuerwehr (...) Der Neu- und Ausbau der Feuerwehrstandorte in Willich und Neersen steht deshalb ganz oben in unserer Prioritätenliste“, so Kerbusch. Eine Freiwillige Feuerwehr sei wirtschaftlicher als die kleinste Einheit einer hauptamtlichen Wehr. „Wir wollen daher unsere freiwillige Feuerwehr behalten, da gehört die Ausstattung zum Geschäft.“

Die Digitalisierung müsse, so der Kämmerer, zu einem Schlüsselprojekt des neuen Bürgermeisters Christian Pakusch und des neuen Stadtrates werden. Die Weichen hat Kerbusch gestellt. Er vertraut einem „jungen, hungrigen Team in der Verwaltung“. Es sind Investionen in das Personal, die erst einmal finanziert werden müssten, „aber die Ernte wird dann hoffentlich auf lange Sicht eingefahren werden“.

Wo er Probleme sieht, wo er verhalten optimistisch bleibt, verschweigt Willy Kerbusch in der Vorstellung des Hauhaltsplanentwurfs nicht. Widrige Zeiten hat er bereits erlebt. Die Finanzkrise und ihre Folgen, an denen Willich zwischen 2010 und 2013 schwer zu tragen hatte. Die Bewältigung der Flüchtlingsintegration und -versorgung seit 2015. Und nun die Corona-Krise, die sich wegen der Abfederung des Landes dank des haushaltärischen Tricks, die Begleichung der Schulden über zwei Generationen zu strecken, noch nicht in aller Härte zeigt. Erwartet werden aber weniger Gewerbesteuer- und Einkommenssteuer-Einnahmen.

Kerbusch hofft, nein, er verlangt daher Entlastung im Sozialen durch andere. „Ich gehe davon aus, dass der Kreis seine dauerhaften Entlastungen bei den Kosten der Unterkunft (bis zu zwölf Millionen Euro) zur Reduzierung der Kreisumlage verwenden wird“, schickt er eine Note an Landrat Coenen.

Kerbusch sieht Kreis und Land NRW in der Pflicht

Das Land Nordrhein-Westfalen sei beispielsweise in der Flüchtlingsfinanzierung in der Pflicht. Kommunen würden im Regen stehen gelassen. „Nicht nur, dass wir für die Asylbewerberinnen und Asylbewerber seit Jahren einen viel zu niedrigen Erstattungssatz erhalten: Viel schlimmer ist, dass wir uns um die Dublin-Fälle kümmern müssen, für die das Land vollständig in der Verantwortung stehen müsste.“

Willich zeigt Klima-Verantwortung. Ökologische Weiterentwicklung spiegelt sich im Haushalt wider. Man will die Hausaufgaben als global nachhaltige Kommune machen.

Stadt Willich soll attraktiver Arbeitgeber bleiben

Auch mit Blick auf die personelle Ausstattung agiert Willich nachhaltig. Die Kosten für die Personalaufwendungen sind seit 2016 stetig gestiegen. Für 2021 werden sie bei 41 Millionen Euro liegen, 2024 bei 43,4 Millionen Euro. „Der Fachkräftemangel wird sich erheblich verstärken“, ist Kerbusch überzeugt. Daher arbeiteten Verwaltung und Rat an der Attraktivität der Stadt als Arbeitgeber.

Ab Januar 2021 sollen die Teilpläne des Etatentwurfs in den Fachausschüssen beraten werden. Ende März könnte der Rat den Haushalt beschließen.

Auch dann wird Kämmerer Willy Kerbusch das mit einem lachenden udn einem weinenden Auge begleiten, „weil wir eine Menge erreicht haben, aber eben auch noch viel zu tun bleibt“. Wie viel auf seinen Nachfolger Raimund Berg zukommen wird, kann Kerbusch nur erahnen. Auch, ob die stolze Ausgleichsrücklage, die Willich ein gutes Polster ist, reichen wird. Aber Kerbusch hat Berg dazu am Abend die Glaskugel zurückgeschenkt, die die Grünen ihm vor Jahren einmal überreicht hatten. Kerbusch kommentierte, sie habe sich als nicht wirklich klarsichtig erwiesen, vielleicht habe ja der Nachfolger mit grünem politischen Hintergrund mehr Durchblick und Erfolg. Er, so Willy Kerbusch, habe es „leider nicht geschafft, sie in Betrieb zu setzen“. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.