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Willich: Vortrag - Islam gegen Ehrenmord

Willich: Vortrag - Islam gegen Ehrenmord

Cemile Giousouf referiert über Ehrenmorde. Diese seien kein türkisches Phänomen.

Willich. Ehrenmorde sind im Islam weder erwünscht noch erlaubt. Das machte Cemile Giousouf, Referentin im Laschet-Ministerium, bei ihrem Vortrag bei der Deutsch-Türkischen Union in Willich klar.

"Als moderne Religion enthält er ein generelles Tötungsverbot", sagt sie. Zwar sei das Thema meist im Zusammenhang mit türkisch-stämmigen Migranten in der deutschen Presse, doch die meisten Morde dieser Kategorie passieren in Pakistan und keinesfalls in der Türkei.

5000 sind es jährlich weltweit, sie geschehen auch in Südamerika, in Italien und Spanien. Giousouf macht dafür den Ehrbegriff der Menschen verantwortlich: "Die stammen in der Regel aus bildungsfernen Schichten und sind patriarchalisch organisiert." Meist sind Frauen die Opfer, die sich in sexueller Hinsicht nicht moralisch einwandfrei verhalten.

In der Türkei würden Ehrenmorde inzwischen strafrechtlich genauso gehandhabt wie in Deutschland. Der Beweggrund werde als nieder eingestuft und zieht ein besonders hohes Strafmaß nach sich. "Und die Anstifter werden genauso hart bestraft wie der Mörder." Meist werden minderjährige Familienangehörige mit der Bürde belegt, die Tat auszuführen, damit sie noch nach Jugendstrafrecht verurteilt werden.

Dass in der Moschee nicht nur traditionelle Werte vermittelt werden, sondern das, was der Koran wirklich von den Gläubigen verlangt, dafür macht sich die Islamische Gemeinde in Willich stark. "Wir haben vor zwei Jahren für die Unterweisung der jungen Männer einen sehr fortschrittlichen Mann gefunden", berichtet Hatice Kösele, die ehemalige Vorsitzende der Islamischen Frauengemeinde, die für ihr couragiertes Auftreten in Willich bekannt ist.

"Heute gehen junge Männer schon mal dazwischen, wenn der Vater die Mutter schlägt", berichtet sie vom Wandel. Sie schätzt, dass rund die Hälfte der Türken in Willich die Moschee besucht. Giousouf berichtet, dass das Thema auch in den Schulen aufgearbeitet werden soll und die Medien eingebunden werden sollen, die von den Türken in Deutschland genutzt werden: "Fernsehen und Zeitung."