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Willich: Upcycling-Aktion mit jungen Künstlern

Umweltschutz in Willich : „Euer Müll ist zum Kotzen“

Die Aktiven von Fridays for Future in Willich haben Abfall aufgesammelt und daraus Skulpturen geschaffen. Nun gibt es neue Termine.

Upcycling liegt im Trend. Aus alten Paletten werden Regale gebaut, gelesene Zeitungen werden zur Tapete. Aus Altem wird Neues. Diesen Trend haben die Teilnehmer von Fridays for Future in Willich aufgreifen wollen und etwas aus dem von ihnen nach den Demos gesammelten Müll  erschaffen. „Sie sind damals zu uns gekommen und haben gefragt, wie sich dieses Projekt verwirklichen lässt“, berichtete Beate Krempe, die zusammen mit Waleed Ibrahim die Art 101 Gallery in Willich betreibt. Der Workshop „Die Erde ist (k)eine Müllhalde“ mit jungen Leuten sei so erfolgreich gewesen, dass er nun wiederholt werden soll.

Drei Termine sind für den Februar-Workshop anberaumt (Kasten). Dieses Mal soll jedoch mit Verpackungs- und Restmüll gearbeitet werden, der im Haushalt abfällt. Eine konkrete Skulptur ist schon in Planung, für die zwei anderen sollen die Teilnehmer selbst Ideen einbringen. „Wir helfen dann bei der Umsetzung“, so Krempe. Es wird es auf jeden Fall ein Bienenhotel aus Dosen geben. Die Dosen werden der Unterbau für die Hotels sein. Krempe: „So wird Abfall sinnvoll eingesetzt. Und mit dem Endprodukt noch etwas für die Umwelt getan. Also genau das erreicht, wofür sich ,Fridays for Future’ einsetzt.“

Eine Skulptur nimmt Plastik
im Meer in den Fokus

Die Willicher Künstlerin und Waleed Ibrahim waren von der Kreativität der jungen Leuten beim letztjährigen Workshop begeistert. Die drei Skulpturen „Selbstvergiftung“, „Weniger ist Meer“ und „Euer Müll ist zum Kotzen“ wurden allein aus dem gesammelten Müll geschaffen. „Natürlich wurde Verderbliches entsorgt“, sagt Krempe im WZ-Gespräch. Aber Zigarettenkippen zum Beispiel waren Bestandteil der Selbstvergiftung-Skulptur. Die Kippen sollten aus einem Wasserhahn kommen, weil sie das Trinkwasser vergifteten. „Wir wurden gefragt, wie man das umsetzen kann“, sagt die Künstlerin. Der Tipp: Die Glimmstängelreste auf dünnes Plastik kleben und davon mehrere Stränge machen. Kippen wurden aber auch auf Bindfäden gezogen und mit in der Skulptur „Weniger ist Meer“ verwendet. „Dabei stand Plastikmüll im Fokus, der in Form von Mikroplastik für Meerestiere todbringend ist“, so Krempe. Ebenfalls plakativ ist „Euer Müll ist zum Kotzen“. Bei dieser Skulptur erbricht die Erde einen Schwall Abfall.

Skulpturen werden auch
öffentlich ausgestellt

Etwa 20 Teilnehmer waren 2019 bei dem Workshop dabei. Krempe hofft, dass es in diesem Jahr wieder so viele sein werden. Denn es sollen nicht nur die Skulpturen entstehen. Es werden auch Erklärtexte zu ihnen zusammengestellt und eventuell Vitrinen gebaut. „Die waren im vergangenen Jahr nötig“, erläutert Krempe. Denn die Skulpturen sollen so nicht nur geschützt werden, sie sollen auch die Betrachter schützen. Krempe: „Zum Beispiel die Werke mit den Zigarettenstummeln sind nicht ungefährlich, vor allem, wenn Kinder im Spiel sind.“ Außerdem sollen die drei Skulpturen auch öffentlich ausgestellt werden können. Die Künstlerin denkt da unter anderem an Schulen. Zurzeit sind sie in der Galerie an der Peterstraße 35 zu sehen.

Wie im vergangenen Jahr ist der Workshop kostenlos. „Als Sponsoren konnten wir die LAG, die Landesarbeitsgemeinschaft, das Familienministerium und Lepsy’s Fischrestaurant gewinnen“, sagt Beate Krempe. Peter Lepsy habe im vergangenen Jahr zum Thema Müll und Meere seine Sicht eingebracht und sei sehr vom Engagement der jungen Leute angetan gewesen.