Brauchtum in Willich Neersener Sebastianer feiern mit König Kevin Esser

Neersen · Die St.-Sebastianus-Bruderschaft Neersen feierte am Wochenende mit König Kevin Esser und seiner Königin Steffi ein rauschendes Schützenfest. Stolz sind die Brauchtumsfreunde auch auf den Nachwuchs.

 Ein sehenswertes Spektakel bot sich den Zuschauern am Sonntag bei der Parade.

Ein sehenswertes Spektakel bot sich den Zuschauern am Sonntag bei der Parade.

Foto: Norbert Prümen

Das Schützenfest der St.-Sebastianus-Bruderschaft Neersen begann quasi mit der Regentschaft von zwei Königen: Der eine heißt Kevin Esser, der andere ist König Fußball. Letzterem wurde die traditionelle Schlossserenade am Freitag um 19 Uhr geopfert. Stattdessen gab es im Wahlefeldsaal ein Public-Viewing-Angebot, das unerwartet gut angenommen wurde.

Mit der Niederlage der deutschen Nationalmannschaft war das Thema Fußball abgehakt. Schlechte Stimmung kam zum Glück nicht auf. Für einen Stimmungskiller gab es auch keinen Grund: Die Deutschen waren nach einer solide Leistung ausgeschieden, und das war‘s dann auch.

Der Sonntagsparade
schlossen sich 500 Menschen an

Die Neersener Sebastianer können wieder mal stolz auf sich sein: Mit rund 200 aktiven Schützen handelt es sich zwar um eine vergleichsweise kleine Schützenbruderschaft, aber bei der Sonntagsparade machten einschließlich Gastvereinen und Musikkorps rund 500 Menschen mit, was einen stattlichen Zug bedeutete. Corona hat die Schützen nicht umhauen können.

Der Freitag war bereits sehr erfolgreich. Schon einige hundert Meter vom Festzelt entfernt waren die Wilden Engel zu hören. Das Ungewöhnliche: Sie waren jetzt zum zweiten Mal in Folge aus dem Schwarzwald angereist, um in Neersen für Stimmung zu sorgen. Und sie machten einen guten Job im ausverkauften Zelt. Presse-Schütze Robert Brintrup drückte es so aus: „Sie können gerne nächstes Jahr wiederkommen.“

Was er besonders toll findet: „Die Jugendabteilung Schützenstrolche umfasst mittlerweile mehr als 50 Kinder und Jugendliche im Alter von sechs bis elf Jahren, und wir erreichen auch Kinder, die mit ihren Eltern nach Neersen gezogen sind.“ Jetzt gilt es nur noch, auch ihre Väter zum Mitmachen zu animieren.

Schriftführerin Henriette Hellwig-Stieger bedauerte folgendes: „Das große Kinderkarussell ist dieses Jahr nicht da, weil es kaputt sein soll.“ Zum Glück gab es Entenangeln, Pfeilewerfen und einiges mehr für die Kleinen, die die Schützen von morgen sein können. Am Samstag und Sonntag spielte die Formation Sound Convoy auf – früher eine Art Sahnehäubchen auf vielen Schützenfesten, kommt die Band langsam, aber sicher wieder aus der Versenkung.

„Hier herrscht absolutes Rauchverbot.“ Dieses Verbotsschild im Festzelt hängt schon seit Jahren dort, es hat aber Gesellschaft bekommen, hängt da nicht mehr so alleine rum: Gleich links daneben steht auf einem zweiten Schild „Cannabis-Konsum verboten“. Zum Glück ist das Biertrinken erlaubt – und die Schützen machten gerne von diesem Recht Gebrauch.

Was jetzt besonders auffiel: In der Neersener Bruderschaft mischen mittlerweile viele Mädchen und Frauen mit. Bei der Parade waren sowohl die „Wilde Mädels“ als auch „Die Kessen“ zu bewundern. Präsident André Schäfer war schon ein bisschen stolz, und das aus zwei Gründen: Erstens verkörpert das Kinderkönigshaus, das am Samstagmorgen eigene Orden verlieh, geballte Frauenpower. Außerdem sind die Kinderkönigin Aurelia und die Ritterin Paulina seine Töchter. Darüber hinaus mit dabei: die Ritterinnen Pia Will und Theresa Beck.

Der Vater des Schützenkönigs, Eckard Esser, ist der beste Beweis dafür, dass der Apfel nicht weit vom Stamm fällt: Er selber war dreimal Schützenkönig und darf sich deshalb Kaiser nennen. König Kevin Esser mit seiner Königin Steffi begann seine Schützenlaufbahn jetzt als König.

Kein Schützenfest ohne Auszeichnungen: Sandra Klein wurde mit dem Silbernen Verdienstkreuz ausgezeichnet, der Hohe Bruderschaftsorden ging an Jan Hellwig. Wie kann aber auch sowas machen? Das musste Konsequenzen haben: Willi Faßbender stand am Freitag im Freizeitlook an der Straße – den Weg zum Friedhof in der Schützenuniform hatte er sich erspart. Die Quittung kam am Sonntag: Da bekam er das Zugschwein verliehen. Und es geschah noch etwas, was sehr selten vorkommt: Mit Robert Vollberg und Rudolf (Rudi) Minkenberg wurden gleich zwei Schützen mit der Ehrenmitgliedschaft ausgezeichnet.