Lange Lieferzeiten Leere Lager in den Fahrradläden

Anrath/St. Hubert · Die Lager der Fachhändler sind leer, die Lieferzeiten derzeit lang.

 Fahrradhändler Jürgen Wingerath (r.) im Gespräch mit einem Kunden. Die Auswahl ist derzeit nicht so groß wie üblich. 

Fahrradhändler Jürgen Wingerath (r.) im Gespräch mit einem Kunden. Die Auswahl ist derzeit nicht so groß wie üblich. 

Foto: Lübke, Kurt (kul)

Die Nachfrage nach Fahrrädern ist zurzeit riesengroß. Das spürt auch Jürgen Wingerath von Zweirad Wingerath an der Jakob-Krebs-Straße in Anrath. „Wir haben jetzt schon wesentlich mehr Räder verkauft als das gesamte vergangene Jahr.“ Und eigentlich könnte er sich darüber freuen, wenn da nicht ein Problem wäre: „Es gibt riesige Lieferschwierigkeiten. Ein Rad zu bekommen, ist gerade nicht einfach“, so Wingerath.

In der Corona-Zeit hätten Hersteller ihre Schichten geteilt und so weitaus weniger Räder produzieren können. Zudem hake es bei den Lieferanten der Zubehörteile. Weil Schaltungen und andere Teile oft nur von wenigen Herstellern zur Verfügung gestellt werden, treffen die Lieferschwierigkeiten alle Fahrradhersteller durch die Bank. Das gelte auch für Sporträder, wie Mountainbikes, oder die unterschiedlichen Formen von E-Bikes.

„Ich habe Kunden, die warten schon seit Januar auf ihr Fahrrad“, ärgert sich Wingerath. Gazelle spreche bei Lieferungen von Januar/Februar 2021. Auch wenn es für ihn nicht gerade vorteilhaft ist, rät Wingerath jedem, der in diesem Jahr noch ein neues Rad haben möchte, sofort zuzuschlagen, wenn er irgendwo eines sehe.

Auch das Lager bei Zweiradtec Kempen von Stefan Grothe an der Hauptstraße in St. Hubert ist leer. „Wenn ich gewusst hätte, wie groß die Nachfrage ist, hätte ich im vergangen Jahr die dreifache Menge an Fahrrädern bestellt“, sagt Stefan Grothe. Neben E-Bikes seien auch normale Touren- und Cityräder gefragt. Die riesige Nachfrage in Kombination mit den Produktionsschwierigkeiten sei besonders für die kleinen Händler mit kleinem Lager bedauerlich. Selbst wenn er jetzt etwas bestellen würde, würden die 2020er Modelle erst 2021 geliefert, die dann vergünstigt verkauft würden. Nun wartet er also auf die neue Saison, für die die Modelle erfahrungsgemäß im September/Oktober vorgestellt werden. Ob das in diesem ungewöhnlichen Fahrrad-Jahr auch so sein wird, kann er noch nicht sagen.

Von der Corona-Krise haben die Fahrradhändler auf jeden Fall profitiert. In der Zeit des Lockdowns konnten die Menschen in Sachen Sport und Freizeit nicht viel machen – außer Fahrradfahren. Jetzt, da bei vielen auch der Urlaub ausfällt, haben die Menschen zudem Geld übrig, um sich ein neues Rad zu gönnen.

Im Lockdown waren aber nicht nur Neuräder gefragt. Auch in den Werkstätten war viel zu tun. Der Andrang war so groß, dass die Räder nicht mehr in den Hof passten. „Da musste ich schon Leute wegschicken, die Namen notieren und diese dann später abarbeiten“, so Grothe.

Wochenlange Wartezeiten, wie er sie von Kollegen vernimmt, habe er aber nicht gehabt. Mittlerweile normalisiere sich die Situation aber – auch wohl mit Blick auf das Wetter. Bei anderen Zweiradmechanikern hört man aber immer noch von hohen Auslastungen. „Ich habe im Moment zwei Wochen Vorlauf in der Werkstatt“, sagt zum Beispiel Jürgen Wingerath.

Ersatzteile wie Sättel, Ketten oder Pedale sind zwar für die Zweiradmechaniker zurzeit ebenfalls erschwert zu bekommen. Aber da gebe es genug verschiedene Anbieter, dass man ausweichen könne, erklärt Stefan Grothe.

Übrigens ist die Nachfrage nach E-Bikes ungebrochen. Weiterhin seien rund 80 Prozent der verkaufen Räder mit elektrischer Unterstützung. „Ich glaube, dass in der Zielgruppe in kurzer Zeit jeder zweite so ein Rad hat“, so Wingerath. Die Zielgruppe ist dabei aber nicht durch das Alter definiert. „Ab 16 Jahren aufwärts. Es kommen zum Beispiel Jugendliche, die längere Wege zur Schule oder zur Ausbildungsstelle mit dem E-Bike zurücklegen“, erzählt Jürgen Wingerath. Früher sei diese Altersklasse dann mit dem Roller gefahren. Ein Fahrrad sei aber wesentlich flexibler. Man könne Fahrradwege nutzen und Abkürzungen durch den Park, brauche keine Versicherung und keinen Helm.

Apropos Helm: Immer mehr Radler nutzten den Kopfschutz. Besonders Fahrer der schnelleren E-Bikes. Weil die Nachfrage immer weiter steigt, gibt es auch da bereits Lieferengpässe. Selbst bei Fahrradtaschen wird es an manchen Stellen schon knapp.

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