Willich: Kandidaten im Kreuzfeuer

Willich: Kandidaten im Kreuzfeuer

Am WZ-Bus trafen Josef Heyes und Herausforderer Alexander Oerschkesaufeinander.

Willich. Das war eine muntere Runde, die sich um die beiden Bürgermeister-Kandidaten geschart hatte. Erstmals im Wahlkampf trafen Amtsinhaber Josef Heyes (CDU) und Herausforderer Alexander Oerschkes (SPD) aufeinander. Schauplatz war der WZ-Umfragebus auf dem Wochenmarkt im Schatten der Pfarrkirche St. Katharina.

Der Baumarkt im Willicher Norden, die Sauberkeit in der Stadt, die Arbeit mit der Jugend - die Willicher waren nicht um Themen verlegen. Sie sparten aber auch nicht mit genereller Kritik. Kritik übt Bäckermeister Oerschkes eingangs daran, dass es immer mehr leere Ladenlokale in den Ortskernen gebe.

"Die Wirtschaftsförderung muss sich darum kümmern. Herr Heyes geht doch zu jeder Firmeneröffnung in Münchheide. Warum nicht auch zur Eröffnung einer Metzgerei? Ich fordere einen Runden Tisch, an dem auch die Werbegemeinschaften sitzen." Josef Heyes verweist darauf, dass die Stadt sich um ein attraktives Umfeld bemühe: "Am Kaiserplatz ist das schon beschlossen. An anderer Stelle, etwa im Anrather Ortskern, fehlten noch die notwendigen Zuschüsse."

"Die Wirtschaftsförderung muss sich um die Ortskerne kümmern." Alexander Oerschkes "Die CDU ist mir zu stark. Jetzt müsste mal eine Koalition her", fordert Josef Lamers und begründet so, dass er den Amtsinhaber nicht wählen wolle.

Vielleicht müsse die FDP ins Boot. "Die Farbe allein macht es nicht", kontert Josef Heyes. Er habe schließlich zehn Jahre lang gute Arbeit abgeliefert. Über das Lob von Herbert Baack, er sei mit der Arbeit zufrieden, freut sich der 60-Jährige. Auch über das Bekenntnis von Leo Hückels, er sei zufrieden, auch wenn Heyes schon mal Dinge abgelehnt habe. Die mangelnde Sauberkeit in der Stadt ist immer wieder Thema.

Und Schuldige auch gleich ausgemacht: die Jugendlichen. "Der Park sieht aus wie S . . .", ärgert sich Herbert Scheel. "Da feiern junge Leute samstags und am Donnerstag liegt immer noch Dreck rum. Und: Das Unkraut wuchert." "Wir haben ja schon Arbeitslose in die Säuberungsarbeit eingebunden", wehrt sich der Bürgermeister.

Und Alexander Oerschkes verweist darauf, dass seine Fraktion das Ganze mitgetragen habe. Der Adenauer-Park zieht noch aus anderer Sicht Kritik an: "Da werden doch Enten gefüttert ohne Ende. Der See ist völlig verdreckt", sagt Bernhard Schwerdtner. Aber auch die Bahnstraße sei ein Beispiel für Schmutz. "Was tun Sie eigentlich für Jugendliche?", will Angela Kruse wissen. Nur das Angebot für Kinder sei gut. "Wir können nicht für jeden das passende Zimmer finden", erklärt Heyes und verweist auf die Angebote der Jugendheime. Aber viele wollten sich halt auch außerhalb treffen.

Deshalb sei die Arbeit der Streetworkerinnen so wichtig. "Wir müssen auf die Jugend zugehen, mit ihr reden", fordert der SPD-Bewerber. "Viele haben keine Heimat, wollen auch nicht in die Vereine. Trotzdem müssen wir uns um sie kümmern." Ein Ansatz: "Wenn die Alleeschule in Anrath nicht mehr gebraucht wird, könnte man dort ein Bürgerhaus einrichten."

"Die Stadtbücherei hat nicht mehr die Medien, die die jungen Leute möchten. Meine Schüler fahren deshalb nach Krefeld", kritisiert Bernd-Dieter Röhrscheid, Fraktionschef der SPD im Stadtrat. Willich brauche ein eigenes Medienzentrum. "Die Änderung des Medienangebots ist doch im Gange", sagt Josef Heyes in verärgertem Tonfall. Und schiebt hinterher: "Jeder soll halt seine Illusionen haben." Stattdessen müsse es darum gehen, ein ortsnahes Angebot zu erhalten. Und da sei man mit der Zusammenarbeit der verschiedenen Büchereien auf gutem Weg.

"Wenn alles zu teuer ist, warum sprechen wir nicht über Sponsoren?", will Klemens Bongartz wissen. Heftige Attacke aus der Bevölkerung, als das Thema "Baumarkt" im Willicher Norden aufs Tapet kommt. "Seit wann interessiert Ihr Euch für das Wohl der Bürger?", klagt Heike Jens. Und schiebt hinterher: "Ihr wolltet das alle. Wundert Euch deshalb nicht bei der Wahl." "Alle Parteien haben das befürwortet", bestätigt Oerschkes. Die Politik falle jetzt nicht um. "Wir wollen Kaufkraft im Ort halten", pflichtet Heyes bei. Und verrät: "Wir haben einen Investor und einen potenziellen Betreiber."

Im Moment sehe es so aus, als könne man dort auch ein Küchenstudio etablieren. Und er wirft noch ein überraschendes Argument in den Raum: Durch die vielen Kunden, die dort zu Fuß unterwegs seien, entstünde im Bereich der Gesamtschule eine "soziale Kontrolle" gegen den dort grassierenden Vandalismus.

Aktuell seien dort Schäden für 60 000 Euro festgestellt worden. "Sie müssen nicht nur die Sportvereine fördern. Ich könnte mir für junge Leute auch Dinge wie einen Computer-Club vorstellen", sagt Felicitas Lynen. "Es wird immer Leute geben, die durchs Raster fallen", sagt Oerschkes. "Wir müssen uns mit ihnen beschäftigen."

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