Willich: Die 15-jährige Luisa Sendrowski gab einen Kursus in Sachen 3D-Druck im Begegnungszentrum Krumm

Begegnungszentrum Krumm : Mit 15 Jahren schon 3D-Druck-Expertin

Luisa Sendrowski zeigte im Krumm anderen Kindern und Jugendlichen den richtigen Umgang mit der Technik.

Auf den Tischen im Gruppenraum des Willicher Begegnungszentrums Krumm stehen sechs Laptops. Fünf Augenpaare sind voller Konzentration auf die Bildschirme gerichtet, auf denen sich die unterschiedlichsten Formen in einer dreidimensionalen Darstellung bewegen. Hände huschen über die Tasten, geben Kommandos ein und verändern so die Formen auf den Bildschirmen. „Denkt daran: Ihr könnt alles immer verkleinern oder vergrößern“, sagt Luisa Sendrowski, die ebenfalls vor einem Laptop sitzt, in dessen unmittelbarer Nähe ein 3D-Drucker steht. „Können wir meinen Tannenbaum noch ausdrucken?“, möchte Lasse wissen. Ein Nicken von Luisa. Sekunden später hält die 15-Jährige eine Speicherkarte in den Händen. Eine kurze Überprüfung an ihrem Computer, ob ihr Kursteilnehmer alles ordnungsgemäß programmiert hat, dann setzt sie das Speichermedium in den Drucker ein und stellt den Drucker an.

Ein leises Surren ist zu hören. An einem Arm fährt ein kleiner schwarzer Kasten vor, aus dessen Düse rotes 3D-Druckfilament kommt. Es handelt sich um das thermoplastische Ausgangsmaterial für 3D-Drucker. Auf der Platte des Druckers wächst langsam, aber sicher ein Tannenbaum aus dem 1,75 Millimeter starken Faden, der oberhalb des Druckers von einer Rolle abläuft. Voller Spannung verfolgt Lasse, wie das, was er gerade am Computer konstruiert hat, Form annimmt. „Es macht mir riesig Spaß, mich mit dem 3D-Druck zu beschäftigen“, erzählt der Elfjährige. Er ist einer der fünf Teilnehmer, die im Krumm eine Premiere mitmachen.

Der 3D-Druck hilft auch,
Quark frisch zu halten

Im Begegnungszentrum läuft erstmals ein Kurs mit dem Titel „3D-Druck und Design“ für Kinder und Jugendliche. Das Besondere: Kursleiterin ist die 15-jährige Luisa Sendrowski. Die Gesamtschülerin beschäftigt sich seit drei Jahren mit dem 3D-Druck. Den Wunsch, das Wissen weiter zu vermitteln, gab es schon länger, zumal auch ihr Vater Michael Sendrowski bereits einen Kurs für Erwachsene im Krumm anbietet. Es entstand die Idee, einen Kurs für Kinder und Jugendliche anzubieten, wobei Luisa von ihrer Mutter Eva Sendrowski begleitet wird, da sie noch nicht volljährig ist.

„Luisa erklärt total gut. Ich habe vorher noch nie mit dem 3D-Drucker gearbeitet, und jetzt habe ich sogar schon einen Stiftehalter entworfen und ausgedruckt“, berichtet der elfjährige Leonard. Der ein Jahr jüngere Simon ist nicht minder begeistert. „Ich finde Programmieren genial und möchte gerne noch mehr darüber lernen“, sagt er. Einen Kurs für Fortgeschrittene zusammen mit ihrer Kursleiterin Luisa könnten sich alle fünf Teilnehmer bestens vorstellen. Luisa hat das Unterrichten viel Spaß gemacht. „Am Anfang war ich noch etwas unsicher. Aber das hat sich schnell gelegt. Ich freue mich, dass ich mein Wissen weitergeben konnte“, sagt die junge Fachfrau.

Inzwischen ist der Tannenbaum fertig und wird vorsichtig mit dem Spachtel von der Platte gelöst. Lasse ist vom Ergebnis begeistert. „Ich weiß, was ich mir zu Weihnachten wünsche“, erzählt er mit einem verschmitzten Lächeln. Der 3D-Drucker steht aber nicht nur bei ihm ganz oben auf der Wunschliste. Während Luisa ihre jungen Teilnehmer unterrichtet, vermittelt ihr Vater einen Raum weiter ebenfalls Programmierwissen für den 3D-Druck, wobei die Erwachsenen nicht minder begeistert sind. Franz Vogel hat so ein langjähriges Problem seiner Frau gelöst. Er hat nämlich einen Deckel für Quark-Verpackungen konstruiert, der auf die Verpackung aufgeschoben wird. „Jeder kennt das Problem: Man reißt den Quark-Deckel auf und bekommt das Paket nicht mehr richtig geschlossen. Meine Frau meinte, wenn ich mich schon mit dem 3D-Druck-beschäftige, könnte ich etwas Nützliches erfinden“, erzählt Franz Vogel. Neben dem hervorragend funktionierenden Quark-Deckel hat er zudem eine für ihn zugeschnittene Pillendose konstruiert und ausgedruckt.

Kursteilnehmer Peter hat indes eine Halterung für eine Kameralinse geschaffen, und Jan entwickelte Hüllen für Mini-Computer. Es wird klar: Mittels 3D-Druck können individuelle Lösungen geschaffen werden. Man muss nur wissen, wie das Programmieren funktioniert.

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