Willich: Dank Homeoffice kann Silvia Köppen-Caternberg nach Unfall weiterarbeiten

Gesundheitsmanagement : Homeoffice hilft Mitarbeiterin und Unternehmen

Die Firma Fahrzeugbau Osterath in Willich ermöglichte es Silvia Köppen-Caternberg, nach ihrem Unfall weiterzuarbeiten.

Betriebliches Gesundheitsmanagement hat sich das Fahrzeugunternehmen Osterath auf seinen Fahnen geschrieben. Es wird mit Leben gefüllt, und dazu gehört seit über einem Jahr sogar ein Homeoffice-Arbeitsplatz. Silvia Köppen-Caternberg könnte ihrer Arbeit in dem Willicher Unternehmen nicht mehr nachgehen, wenn sich ihr Chef Thomas Osterath nicht dazu entschlossen hätte, einen Arbeitsplatz außerhalb der betriebseigenen Büroräume zu realisieren – bei Köppen-Caternberg zu Hause. „Geänderte Rahmenbedingungen bedürfen optimaler Lösungen für alle beteiligten Parteien. Der Homeoffice-Arbeitsplatz ist ein gutes Beispiel dafür. Wir wollten unsere langjährige Mitarbeiterin und ihr Fachwissen nicht verlieren und haben entsprechend ihrer gesundheitlichen Einschränkungen reagiert“, sagt der Geschäftsführer.

1992 stieg Silvia Köppen-Caternberg als Bilanzbuchhalterin bei Fahrzeugbau Osterath ein. Sie entwickelte sich zu einer mehr als wertvollen Mitarbeiterin für die Firma. Im August 2016 geschah ein folgenschwerer Unfall, der die Rheindahlenerin letztlich in den Rollstuhl zwang: Auf dem Weg zur Arbeit stürzte sie so unglücklich, dass sie sich einen komplizierten Beinbruch zuzog. Dabei war es das linke Bein, das durch eine Nervenschädigung bereits vorgeschädigt war. „Ich habe zehn Monate gebraucht, dann konnte ich wieder an meinen Arbeitsplatz zurückkehren“, erinnert sie sich. Sie benötigte zwar einen Rollstuhl, schaffte es aber, kurze Strecken auf eigenen Beinen zurückzulegen, sodass Gänge wie der zur Toilette möglich waren. Rückenschmerzen, die immer schlimmer wurden, führten sie wieder ins Krankenhaus. Dort stellte man verspätet fest, dass aufgrund des Unfalls auch zwei Rückenwirbel gebrochen waren. Es folgten mehrere Operationen. Dann war klar: Köppen-Caternberg war komplett auf den Rollstuhl angewiesen.

Selbstständig stehen und einige Schritte gehen waren nicht mehr möglich. „Für mich brach eine Welt zusammen. Es war klar, dass ich an meinen Arbeitsplatz nicht mehr zurückkehren konnte. Ich habe meine Arbeit immer gern gemacht. Dazu kamen die sozialen Kontakte auf der Arbeit. Ich hatte Angst, völlig aus dem Leben gerissen zu werden“, erzählt die 58-Jährige. In Gesprächen mit der Familie Osterath entstand die Idee, einen Homeoffice-Arbeitsplatz einzurichten. Für die Bilanzbuchhalterin, die nach ihrem schweren Unfall mit einer reduzierten Arbeitsstundenzahl arbeitet, sei das die optimale Lösung.

Physiotermine lassen sich so
mit der Arbeit in Einklang bringen

Das eigene Daheim, in dem alles auf ein Leben mit dem Rollstuhl eingerichtet ist – wozu auch die barrierefreie Toilette gehört–, und die Tatsache, dass sich Köppen-Caternberg ihre Arbeit und die Pausen, in denen sie ihren Rücken durch eine liegende Position entlastet, selbst einteilen und auch ihre mehrmaligen Physiotermine in der Woche problemlos in ihren Alltag integrieren kann, sprechen fürs Homeoffice-Prinzip. Wurden die Belege anfänglich noch von Kollegen hin- und her gefahren, so hat die Digitalisierung, auf die Fahrzeug Osterath setzt, dem ein Ende gesetzt. Die Rheindahlenerin kann vollkommen autark von daheim aus arbeiten. Dank der Vernetzung steht sie dabei im engen Kontakt mit ihrer Kollegin Nadine Wheeler. „Das klappt alles hervorragend“, sagt Wheeler. Die Entfernung zwischen Willich und Rheindahlen spiele keine Rolle mehr bei der täglichen Arbeit.

„Viele Unternehmen scheuen sich davor, einen solchen Arbeitsplatz außerhalb der eigenen Büroräume einzurichten. Wir können nur sagen: Unsere Erfahrungen sind sehr gut“, sagt Thomas Osterath. Beide Seiten seien glücklich. Das Unternehmen könne weiterhin auf eine wertvolle Mitarbeiterin zählen, und Köppen-Caternberg steht trotz ihrer Behinderung mitten im Berufsleben.

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