Willich 2025: Neue Ziele für die Stadtplaner

Willich 2025: Neue Ziele für die Stadtplaner

Die Zeiten stetigen Wachstums in Willich sind vorbei. Nun werden Ortskerne gefördert.

Willich. Kühne Visionen hatten sie ja, die Willicher Stadtplaner der frühen 70er Jahre: Der städtische Flächennutzungsplan von 1974 gab nicht weniger als 140 000 Einwohner als Ziel vor. Ein neues Zentrum mit Hochhaus-Blöcken und Hochbahn sollte etwa dort entstehen, wo sich heute Wekeln befindet.

Die Planungsträume von damals landeten im Mülleimer der Geschichte. Eine Vision der 90er Jahre ist aber Realität geworden: Auch Wekeln selbst war für die kleine Stadt Willich ein kühner Entwurf, immerhin ist hier ein neuer Stadtteil mit mehr als 6000 Einwohnern entstanden. „Ein Projekt in dieser Größenordnung werden wir sicher kein zweites Mal verwirklichen“, sagt dazu Stadtplaner Thomas Scholemann. Nur unter großen Anstrengungen sei es damals gelungen, die starke Nachfrage erfüllen zu können.

Etwa ab dem Jahr 2002, so der 57-Jährige, habe der Run nach Baugrundstücken wieder abgenommen. Aktuell ist Wekeln fast „voll“, das größte laufende Neubaugebiet ist „Am Bruch“ in Neersen mit etwa 80 neuen Häusern.

Wie geht es danach weiter? Haben die Stadtplaner wieder Visionen in der Schublade? „Die Ziele gibt die Politik vor“, entgegnet Thomas Scholemann trocken. Den Spielraum dazu lege der neue Regionalplan fest, der im Augenblick erarbeitet wird. Von der Bezirksregierung kommen dabei Signale, dass Siedlungserweiterungen wie in Wekeln nicht mehr gewünscht sind.

Wachsen soll die Großstadt Düsseldorf — falls sie die dafür erforderlichen Flächen bereitstellen kann. Falls nicht, könnte davon das Umland profitieren — also auch Willich. Der Demografiebericht der Kreisverwaltung scheint eine solche Entwicklung zu berücksichtigen. Er erwartet im Jahr 2025 in Willich 54 200 Einwohner. Aktuell sind es 52 738. Willich würde also weiter wachsen, wenn auch nur sehr langsam.

„Die Verlängerung der Regiobahn von Kaarst bis Venlo könnte dazu beitragen“, glaubt Scholemann. Denn die sei ein wichtiger Standortfaktor, da sie die Anbindung an Düsseldorf verstärke. „Wenn die Trasse kommt, dann wächst die Bevölkerung an ihr entlang ganz von selbst.“

Doch soweit ist es noch nicht. Die Willicher Stadtplaner haben sich deshalb umorientiert. „Ziel ist es nicht mehr, 6000 neue Einwohner anzusiedeln, sondern die Ortskerne zu fördern“, erläutert Thomas Scholemann. Weg vom Siedlungsbau, hin zur Qualitätssteigerung lautet das Motto.

Im Fokus steht dabei Alt-Willich. Während nämlich Schiefbahn und Neersen schon eine gute Entwicklung genommen haben und Anrath gerade in Angriff genommen wird, sieht es im größten Willicher Stadtteil traurig aus: Der Ortskern ist kaum zu finden und wirkt leblos, die Leerstände nehmen zu, das „Mobiliar“ (Bänke, Papierkörbe) ist uneinheitlich, überall stehen Poller. Alles andere als schön ist auch der Kaiserplatz. Und die Einkaufspassage an der Grabenstraße (gegenüber Rewe-Parkplatz) hat Hinterhof-Charakter.

Viele Baustellen also, die angepackt werden müssen. Am Kaiserplatz ist das einfach, denn die Pläne sind fertig entwickelt. Aus Kostengründen sind sie bisher nicht umgesetzt worden. Schwieriger wird es, den alten Traum einer Verbindung des Marktplatzes in Richtung Rewe umzusetzen. „Wir sind mit den Eigentümern im Gespräch“, sagt Scholemann dazu. Mit welchem Ziel? „Wir müssen einen attraktiven Rundlauf entwickeln.“ Die Brauereipassage müsse eingebunden werden, denn im Moment ende sie auf der Peterstraße im Nichts.

Das Einkaufserlebnis werde in Zukunft immer wichtiger werden, um die Kaufkraft im Ort zu halten. Dazu will die Stadtplanung ihren Beitrag leisten. Eine große Bedeutung habe dabei die Entwicklung der Straßengastronomie, wie sie in Schiefbahn schon begonnen wurde.

Etwa um 2025 könnten diese Ziele verwirklicht sein. Von abenteuerlichen Zukunftsvisionen wie in den 70er Jahren hält Thomas Scholemann dagegen nichts: „Die Stadt Willich besteht aus vier Dörfern. Gerade das macht ihren Reiz für mich aus.“

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