WZ-Wahlcheck : Wie steht’s ums Image von Willich?

Was macht Willich aus? Und welche Bedeutung hat die Stadt im Kreis Viersen? Die Antworten von CDU, SPD, Grünen, FDP, „Für Willich“

(Ree/tkl) Der Stadt Willich geht’s gut. Auch wenn man mit dieser Aussage mitten in der Corona-Krise vorsichtig sein muss, ist die Stadt vor allem aus wirtschaftlicher Sicht eine Art Leuchtturm im Kreis Viersen. Doch was verbindet man eigentlich mit Willich. Welches Image hat die Stadt bei den Bürgerinnen und Bürgern? Und wie ist der Blick von außen? Füllt das wirtschafts- und finanzstarke Willich in der Interaktion der Kommunen im Kreis die Rolle aus, die der Stadt zustehen könnte und sollte? Fehlt Willich das Städtische, das man mit Viersen und Kempen verbindet?

Fragen über Fragen, die wir im Rahmen des WZ-Wahlchecks den Parteien gestellt haben, die am 13. September zur Wahl stehen. Das sind die Antworten von CDU, SPD, Grünen, FDP und „Für Willich“.

Die CDU wünscht sich eine
neue Marke für die Stadt Willich

CDU: „Willich hat eine dezentrale Struktur. Alle vier Stadtteile haben ihre eigenen Stärken, ihren eigenen Charme – aber auch viel Verbindendes, Gemeinsamkeiten. So wird in Anrath, Neersen, Schiefbahn und Alt-Willich das Sommer- und Winterbrauchtum mit Herzblut gepflegt und gefeiert. Wir sind Sport-, Fahrrad- und Festspielstadt. Willich gilt als „Perle“ im Kreis Viersen, dennoch wäre eine eigene „Marke“ wünschenswert – diese möchten wir gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern in unserer Stadt entwickeln. Willich genießt heute schon großes Ansehen in der gesamten Region. Mit der neuen Marke sehen wir uns als Teamplayer in einem starken Kreis Viersen.“

SPD: Willich kann und
wird nicht ewig wachsen

SPD: „Unsere Stadt ist immer noch lebenswert. Viele junge und ältere Menschen wollen gern hier leben, aber leider ist das Wohnen in den letzten Jahren immer teurer geworden. Dennoch glauben wir, dass die Willicherinnen und Willicher zurecht stolz auf ihre Heimat sind. Auswärtige unterschätzen unsere Stadt oft und sind dann überrascht von der Vielzahl an kulturellen Angeboten, wie zum Beispiel den Schlossfestspielen, oder unseren wirtschaftsstarken Gewerbegebieten. Damit das so bleibt, müssen wir endlich anpacken. In den letzten Jahren wurde leider schon zu viel Zeit verschwendet. Die Schließung des Krankenhauses hat unsere Bedeutung im Kreis und in der Region nicht gestärkt. Deshalb müssen wir jetzt dafür sorgen, dass wir auch nicht in anderen Bereichen den Anschluss verlieren. Zum Beispiel würde die Verlängerung der S 28 nicht nur das Pendeln erleichtern. Gute Verkehrsanbindungen tragen auch zur Stärkung des Images einer Stadt bei. Die Frage, ob die Stadt Willich ihre örtlichen Strukturen behalten soll oder ob die Lücken zwischen den einzelnen Stadtteilen in den nächsten Jahren mit Wohngebieten und die vom demografischen Wandel unabhängigen Gewerbeflächen geschlossen werden sollen, sollten die Bürgerinnen und Bürger mitbestimmen können. Unsere Stadt kann und wird nicht ewig wachsen.“

Grüne: Weg vom Image
der Wohn- und Schlafstadt

Die Grünen: „Willich ist eine tolle Stadt, was auch von vielen Bürgerinnen und Bürgern so gesehen wird. Von außerhalb werden wir oft wegen „De Bütt“ und der einzigartigen Standortvorteile geschätzt. Gleichzeitig sehen die Bürgerinnen und Bürger Willich oft als Wohn- und Schlafstadt. Von außen betrachtet sind wir nur ein Vorort von Düsseldorf. Dies möchten wir ändern und die Attraktivität der Stadt neue und alte Bürgerinnen und Bürger steigern. Der Kreis profitiert enorm von Willichs Stärken. Zu oft war der Kreis mit sich selbst oder den Westkreiskommunen beschäftigt – das muss sich ändern. Unsere dörflichen Strukturen sind unser Standortvorteil für Familien, die hier leben wollen. Gepaart mit einer erstklassigen sozialen Infrastruktur wollen und können wir gar nicht die historische Entwicklung anderer Städte aufholen.“

FDP: Mehr Einrichtungen des Kreises müssen nach Willich

FDP: „Das Image der Stadt Willich hat in den letzten Jahren stark gelitten. Der fehlende Breitbandausbau und der Anstieg bei den Steuern hat vieles, was wir in der Vergangenheit geschaffen haben, zunichte gemacht. Wir sind für die Wirtschaft nicht mehr der Top-Standort. Fehlender Wohnraum für junge Menschen führt zu Abwanderungen. Junge Bürger, die wir in Willich verloren haben, kommen mangels bezahlbarer Grundstücke und Wohnungen nicht mehr zurück. Hier müssen wir nachbessern, um nicht eine Schieflage bei der Altersstruktur zu bekommen. Die Rolle der Stadt Willich im Kreis muss gestärkt werden. Das Gebot der Solidarität mit den strukturschwachen Gemeinden des Westkreises darf aber nicht dazu führen, dass Willich nur zahlt, aber nichts zurückbekommt. Es müssen mehr Kreiseinrichtungen in Willich untergebracht werden. Willich kann und will zwischen den Großstädten Düsseldorf, Mönchengladbach und Krefeld nicht den Charakter von Viersen oder Kempen haben.“

„Für Willich“: Ein richtiges Zentrum in Alt-Willich täte gut

„Für Willich“: „Ein wirklich städtisches Gefühl kann in Willich aufgrund der fünf Stadtteile derzeit nicht aufkommen. Das macht aber gerade den Charme unserer Stadt aus. Hier ist noch vieles ländlich geprägt und der Erholungsfaktor groß. Das soll nach Ansicht von „Für Willich“ auch so bleiben. Was fehlt ist aber ein richtiges Zentrum. Hier kann die Überplanung des derzeitigen Rewe-Geländes in Alt-Willich mit der Ergänzung des noch fehlenden Einzelhandelsangebots dazu beitragen, etwas Stadtfeeling zu bekommen. Und in Neersen müsste der Minoritenplatz interessanter gestaltet werden, damit er wirklich die Funktion eines örtlichen Zentrums erhält. Von außen betrachtet hat unsere Stadt schon Gewicht aufgrund ihrer wirtschaftlichen Stärke.“