Unwetterchaos in Willich : „Das war eine volle Breitseite“

Willich wurde am Donnerstagabend von einer heftigen Mischung aus Wind und Regen erwischt. Eine Frau wurde verletzt.

Am Abend hat ein kurzes, aber sehr heftiges Unwetter für Stromausfälle, umgestürzte Bäume und eine verletzte Person gesorgt. Wie der Leiter der Willicher Feuerwehr, Thomas Metzer, am Donnerstag abend gegen 22 Uhr der WZ bestätigte, habe der heftige Sturmwind zahlreiche Bäume entwurzelt und Straßen unter Wasser gesetzt. Es seien aber so gut wie keine Keller überflutet worden. Insgesamt gebe es 34 Einsatzstellen. Hauptschwerpunkt sei der Westen der Stadt, und da vor allem das Gewerbegebiet Münchheide gewesen. Neersen und Clörath seien nicht betroffen gewesen.

Eine Frau wurde auf dem Anna-Rütten-Weg am Kopf getroffen und verletzt ins Krankenhaus gebracht. Im Bereich des Anrather Vierkanthofes fiel ein Baum um und riss eine Niederspannungs- und Mittelspannungsleitung herunter. Die Stadtwerke hätten durch Umschaltmaßnahmen dazu beigetragen, Teile von Schiefbahn-Niederheide und Münchheide wieder an das Stromnetz anzudocken.

Insgesamt 75 Feuerwehrleute der Löschzüge Willich, Anrath und Schiefbahn waren im Einsatz, um die Schäden des heftigen Regens und der Winde zu beseitigen. Der Einsatz wird noch bis voraussichtlich zwei Uhr dauern. Danach soll der Bauhof am Morgen den restlichen Schutt beseitigen. Metzer bestätigte, dass an dem Abend innerhalb von zehn Minuten 25 Millimeter Regen auf den Quadratmeter gefallen sind. „Das ist schon eine Hausnummer“, meinte der stellvertretende Kreisbrandmeister.

Die Einsatzkräfte sprechen von einer „Materialschlacht“

„Das war eine Materialschlacht“, bestätige Lars Greiner von der Willicher Feuerwehr am Tag danach. Um 18 Uhr 30 habe der Einsatz begonnen, sei dann um 23 Uhr beendet gewesen, danach habe man noch im Anrtaher Gerätehaus die Kettensägen reinigen müssen. . „Wir haben vom Bauhof mit dem Radlader Unterstützung gehabt.“ Auch Landwirte hätten geholfen. Im Bereich des Hofes Münchheide 105 habe man mit drei Autos und Drehleiter zweieinhalb Stunden gearbeitet. „Es ist schon krass zu sehen, wie lokal das ist und ein paar hundert Meter sieht es so aus, als sei nichts gewesen.“

 Der Willicher Bürgermeister Christian Pakusch, der sich zum Zeitpunkt des Gewitters im Stahlwerk Becker beim Bergfest des Schlossfestspielensemble befand, machte sich an dem Abend vor Ort ein Bild, postete in den sozialen Medien ein Video, dass dicht vom Wind verwehten Regen zeigte. „Das Unwetter hat Willich volle Breitseite getroffen“, kommentierte er die Szene. „Viel Wind und Regen, teils zu viel. Die Feuerwehr ist im gesamten Stadtgebiet unterwegs. Teils ist der Strom und auch die Ampelanlagen ausgefallen. Danke an alle Einsatzkräfte; kommt sicher durch den Abend.“

Gegenüber der WZ zeigte er sich sich beeindruckt von der Wucht des Unwetters. “Das war Wahnsinn, in Münchheide hat es echt gut geknallt“, zeige das Ereignis deutlich, zu welchen partiellen Einschlägen die Natur - siehe das Beispiel Paderborn vor vier Wochen- fähig sei. Es habe aber auch gezeigt, dass man sich auf die Feuerwehr vor Ort verlassen könne.

Die Feuerwehrleute wurden in den sozialen Medien für ihren Einsatz gefeiert. Malte Kottmann kommentierte: „Wahnsinn wie fleißig die Feuerwehr Willich uns in der Münchheide helfen konnte - es sah wüst aus - tolle Arbeit.“ Und Thomas Ahl postete: „Haben im Eschert zwei Bäume selber mit der Kettensäge bearbeitet, um die Strasse zu räumen. Einen hat die Feuerwehr vor meinem Grundstück gefällt. Danke für den tollen und schnellen Einsatz. Jetzt können wir morgen heiraten.“

Als wäre ein Mini-Tornado über die Ortschaft hinweggefegt

Am Folgetag betrachtete Helmut Oellers, Pächter des angrenzenden Ackerlandes und einer der zahlreichen Helfer der Nacht, mit den Besitzern des Hofes Münchheide 105 und Nachbarn die Verwüstungen im Bereich der Straße. „Wie kann man das beschreiben?“, sagte der Willicher Ortslandwirt. „Da ist wahrscheinlich so eine Schneise gezogen worden hier, so eine Art Mini-Tornado.“ Entlang des Münchheider Grabens seien viele Bäume umgekippt oder abgebrochen, so wie an diesem Hof. „Man sieht auch hier faule Eichenbäume, die schon längst hätten weggemacht werden müssen“, war seine Kritik. „Aber durch den Naturschutz wird ja sowas immer behindert. Da muss man sich nicht wundern, wenn dann schon mal Bäume auf die Straße fallen.“ Mit dem Frontlader habe er dann geholfen, alles wegzuräumen. „Ein Stück weiter haben wir auch noch einen Baum weggemacht. Da waren die Feuerwehrleute schon ziemlich erschöpft, weil einiges zu schneiden war.“ 

Er habe an dem Abend auch den Wasser- und Bodenverband angerufen. „Die sind heute morgen erschienen, mit ihrem kleinen Bagger, damit alles aus dem Graben gefischt wird, weil hier ja die Entwässerung von Münchheide und auch teilweise der Stadt Willich ist. Da wurde auch noch ziemlich viel umgepumpt - bevor man wieder hier Überschwemmungen hat.“ Ein Wagen des Bauhofes kam vorbei. „Die haben die Straße sauber gemacht. Da war alles verschmutzt, die waren mit dem Laubbläser und allem da.“ Das Geröll müsse noch eigentlich noch vom Wasser- und Bodenverband abtransportiert werden, meinte Oellers.

Jessica Rührig, Mieterin an dem Hof, stand immer noch unter dem Eindruck des Erlebten. „Das ging ganz schnell. Von einem auf den anderen Moment kam das Wasser gegen die Scheiben geschossen. Das war beängstigend“, meinte die 33-Jährige. „Keiner kam raus, keiner kam rein, war ja alles blockiert. Die Nachbarn haben sich gegenseitig beruhigt.“ Man habe schon ein paar Stürme erlebt. Aber dass soviel kaputtgeht, das hätten wir nicht gedacht.“