St. Tönis: Werbering sucht neues „Personal“

St. Tönis : Werbering sucht neues „Personal“

In St. Tönis wollen Robben und Peeren kürzertreten. Ein moderierter Workshop soll neue Kräfte motivieren. Der Start ist geglückt.

St. Tönis. Nach Hüls, Anrath und Grefrath jetzt St. Tönis: Markus Ottersbach, Geschäftsführer des Einzelhandelsverbands Krefeld-Kempen-Viersen, moderiert nun auch im größeren Apfelstadtteil einen Erneuerungsprozess innerhalb des Werberings. Der habe, so Ottersbach, „eine elementar wichtige Rolle für den Ort“. Personell werden in St. Tönis vorausschauend die Weichen auf Wechsel gestellt. Der jetzige Vorstand plant über kurz oder lang seinen Rückzug.

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Herrenausstatter Stefan Robben als Vorsitzender, Gastronom Rino Caruana (Ravvivi) und Ulrich Peeren, Inhaber des Modefachgeschäfts für Damen und Herren (zuständig für die Finanzen) haben den 120 angeschlossenen Mitgliedern aus Handel, Handwerk, Dienstleistung und Gastronomie angekündigt, dass sie Vorstandsverantwortung in andere, jüngere, vor allem in mehr Hände legen wollen. Die Jahreshauptversammlung im April wäre eine Gelegenheit dafür.

Im Januar erreichte Ottersbach ein Anruf der St. Töniser. Sie hatten von seinem erfolgreichen Engagement im Anrather Werberings gehört und baten ihn um die Durchführung eines entsprechenden Workshops in den eigenen Reihen. Ottersbach sagte zu und sieht nach dem Start beste Chancen.

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„Die Problematik für Werberinge allgemein ist doch die“, so Ottersbach: „Es gibt immer weniger inhabergeführte Geschäfte. Die Zahl der Geschäfte insgesamt geht zurück. Die Zeit für ein Ehrenamt, und das ist die Arbeit im Werbering, wird knapper. Gleichzeitig ist der wirtschaftliche Druck vieler gestiegen.“ Außerdem habe gesellschaftlich das Thema Vereinsleben an „Relevanz verloren“.

Auf der anderen Seite habe ein Werbering, ist Ottersbach überzeugt, nichts an Bedeutung verloren. Er moderiert nun mindestens zwei Workshop-Abende, um herauszufiltern, welche Prioritäten der Werbering St. Tönis im Laufe eines Jahres setzen will, wie man damit verbundene Aufgaben in „kleinen und mittelgroßen Päckchen“ schnüren und delegieren kann. „Das kann man am besten in einer Workshop—Armosphäre herausarbeiten.“ Wenn Aufgaben klar umrissen seien, sich Leute fänden, die sagten „dies oder jenes könnte ich übernehmen“, dann entwickele sich der Prozess von selber weiter.

18 der 120 Mitglieder nahmen am Mittwoch am ersten Workshop-Treffen im Ravvivi teil. Sie erörteten, was in der Innenstadt gut läuft, was weiterentwickelt oder anders gemacht werden sollte. Mit Atmosphäre und Ergebnissen des Abends war Ottersbach sehr zufrieden. Deutlich geworden sei: „St. Tönis hat gute Standortbedingungen. Es gibt kaum leerstehende Lokale. Und mit der Besucherfrequenz sind die meisten zufrieden.“

Am 13. März folgt ein weiterer Workshop. Die Ergebnisse sollen auf der Jahreshauptversammlung präsentiert werden.

Grundsätzlich nicht vorstandsmüde ist Rino Caruana, der Inhaber des Ravvivi. Seit 22 Jahren ist er selbstständig, seit 2016 zweiter Vorsitzender im Werbering. Er unterstützt den Start des von Robben und Peeren angestoßen Erneuerungsprozesses. „Wir wollen Interesse wecken an der Arbeit im Werbering und systematisch in die nächste Runde führen.“ Die Arbeit solle künftig deutlicher aufgeteilt und auf mehrere Schultern verteilt werden.

Mit „großer Motivation“ sei er selbst aus dem Workshop gegangen. „Was da an neuen Ideen und möglichen Synergieeffekten deutlich wurde, war sensationell. Da nehmen wir viel Rückenwind mit.“

Man werde nun andere Interessierte ansprechen, „denn wir sind angewiesen auf ehrenamtliche Mitstreiter“. Er selber habe sich vor zwei Jahren stärker engagiert, um das Beste für Werberingmitglieder herauszuholen. Beispiel: freies Parken in der Innenstadt oder der Kampf gegen Leerstände.

Die spontane Nachfrage der WZ, ob er sich ein Engagement im Werberingvorstand vorstellen könne, beantwort Bäckermeister Stefan Steeg gestern mit Nein. „Dazu habe ich leider keine Zeit. Ich bin mit der Bäckerei und dem Café sehr ausgelastet.“ Er sei länger nicht bei Werbering-Treffen gewesen. „Die finden für mich abends zu spät statt. Ich muss um 2 Uhr schon wieder in der Backstube stehen.“ Steeg betont aber die Bedeutung des Werberinges — ebenso wie Andreas Lessenich von Spielwaren Lessenich. Ein Engagement im Vorstand kann auch Lessenich sich angesichts hoher Beanspruchung durch Geschäft und Ehrenamt zurzeit nicht vorstellen. St. Tönis ohne Werbering wäre aber ein „herber Verlust“.

Auch wenn die Personalsuche kein Selbstläufer wird — Ottersbach setzt zuversichtlich im Erneuerungsprozess auf eine gut besuchte Jahreshauptversammlung. Der Werbering-Vorstand habe sehr vorausschauend agiert. „Um Erfolg im Wettbewerb der Standorte untereinander zu haben, muss man auch etwas tun.“

Stefan Robben, seit 20 Jahren Vorsitzender, teilt den Optimismus. „Wir werfen nicht Knall auf Fall die Brocken hin.“ Er will einen geordneten Übergang einstielen. „Wir haben mehrere Optionen, können die Vorstandswahl auch erst in ein paar Monaten durchführen oder noch eine Weile kommissarisch tätig sein, um Zeit zu gewinnen.“ Fünf Jahre wird Robben sich aber keine Zeit mehr nehmen wollen. Dann denkt er an Rente.

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