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Weihnachtssingen in St. Tönis: Alle Jahre wieder – nur 2020 nicht 

Tradition seit mehr als 20 Jahren : Alle Jahre wieder – nur 2020 nicht

Vor mehr als 20 Jahren initiierte die WZ ein Weihnachtssingen in St. Tönis. Es wurde eine Aktion von 3 auf 300 – so groß war das Interesse in den vergangenen Jahren.

„Alle Jahre wieder...“ Jahrelang, ach, was sage ich, zwei Jahrzehnte lang war und wäre das der ideale Einstieg in die Ankündigung des Weihnachtssingen der WZ gewesen. Sie wissen schon: Donnerstags vor Heiligabend, am Vormittag, meistens zwischen 11 und 12 Uhr, bei jedem Wetter. Erst vor Café Reepen, später Bäckerei Stinges, gegenüber der Parfümerie Platen, immer auf der vorweihnachtlich frequentierten Hochstraße. Es war die redaktionelle Einladung für ein spontanes Singen für jedermann, flankiert von mehr oder weniger vielen Instrumenten, Stimmen und Passanten.

In diesem Jahr ist nichts wie alle Jahre. 2020 fällt das WZ-Weihnachtssingen aus. Das frei heraus gesungene hohe C muss sich dem allgegenwärtigen C, dem Corona-Virus und seinen Beschränkungen des öffentlichen Lebens, unterordnen.

Die Absage, besser gesagt, die Nichtankündigung für diesen Dezember war so alternativlos wie traurig. Keine Shantys aus Linn reisen an, die Herren, die in den vergangenen Jahren so stimmungsvoll antraten und – je nach Lied – für eine schöne, fröhliche und andächtige Stimmung in der gemeinsamen Sing-Stunde gesorgt haben. 

Mit Akkordeon, Posaune, Trompete und Kontrabass

Der im Mai 2019 verstorbene Rolf Schumacher, der das Weihnachtssingen der Redaktion bereits in den Anfangsjahren der Aktion intensiv mit seinem Akkordeonspiel begleitete, hatte den Kontakt zu dem Shantychor Linn geknüpft. Und zu Rolf Jansen (Trompete), Manfred de Haan (Kontrabass) und Christian Beckers (Posaune), mit denen Schumacher als engagierte „Weihnachtsstraßenmusiker“ Lieder, Takt und Noten vorgab.

Wie hatte es eigentlich noch angefangen mit der Aktion? Da müssen wir auf A wie Ahlen, genauer gesagt auf Journalistin Heike Ahlen, zurückkommen. Sie arbeitet heute in der Pressestelle der Kreispolizeibehörde in Viersen und war viele Jahre WZ-Mitarbeiterin. Sie kam im November 1998 mit dem Wunsch in die Redaktion: „Ich möchte am WZ-Bus die Menschen einmal fragen, ob sie eigentlich am Heiligabend noch Weihnachtslieder singen.“ Der Vorschlag kam an. Gesagt, getan. Der erste „Anlauf“ für das Weihnachtssingen in der Fußgängerzone von St. Tönis unternommen. Sehr gut lief es anfänglich noch nicht. „Ab der zweiten Strophe können wir nur noch lalalalala“, sagten viele Befragte. Und niemand wollte mit der WZ-Mitarbeiterin singen.

Aber das Interesse an der Aktion änderte sich, steigerte sich. Sogar bei Schmuddelwetter kamen die Stammsänger, zu denen beispielsweise die St. Töniserin Anne Giesen zählt. Ihr Mann Rolf hatte in der Liederstunde immer eine Sprechrolle. Er brachte selbstverfasste Gedichte zur Weihnachtszeit mit – mahnend, aber vor allem augenzwinkernd vorgetragen.

Mal war Mützen-, Mantel- und Winterstiefelwetter bei Minusgraden. Mal reichte die leichte Übergangsjacke bei 15 Grad. „Leise rieselt der Schnee“ wurde trotzdem immer gesungen. Um mehr als die erste Strophe gemeinsam vortragen zu können, wurden mit den Jahren der Erfahrung und des größer werdenden Interesses Liedhefte verteilt, die dem Spontan-Chor feste Stimmen bis zum letzten Liedton ermöglichten. „O Tannenbaum“, „Kling, Glöckchen, klingelingeling“ bis „O du Fröhliche“ und „Stille Nacht, heilige Nacht“.

Apropos Spontan-Chor – der setzte sich über die Grenzen von St. Tönis hinweg. Vorster kamen und sangen, Anrather, Kempener und schließlich die „Seemannslieder-Männer“ aus Krefeld-Linner Kehlen.

Für 2020 konnten wir uns nicht verabreden. Aber eins können wir uns doch vornehmen: Dass wir mit jedem „Alle Jahre wieder“ an die vielen schönen Stunden auf der Hochstraße denken.