Weihnachtsmarkt-Aus in St.Tönis - Frust und Protest nach Absage

Adventsmarkt-Absage: Wut nach Adventsmarkt-Aus in St.Tönis: Aus Protest sollen die Lichter ausgehen

Nach der Absage des „Adventszaubers“ wird in St. Tönis heiß diskutiert. Viele sind enttäuscht. Der örtliche Werbering plant eine Protestaktion.

Einen Tag nach der kurzfristigen Absage des „Adventszaubers“ in St. Tönis schlagen die Wellen am Mittwoch immer noch hoch. Die Enttäuschung vieler Weihnachtsmarkt-Anhänger entlädt sich unter anderem im sozialen Netzwerk Facebook. Dort wird nicht nur über die mutmaßlich Schuldigen spekuliert, sondern auch bedauert, dass die vorweihnachtliche Stimmung in der Stadt deutlich getrübt ist.

Werbering-Vorsitzender Stefan Robben denkt dabei vor allem an die vielen enttäuschten Kinder. „Wir hatten schon 600 Schokoladen-Nikoläuse gekauft, die am Wochenende an die Kinder verteilt werden sollten“, sagt er. Die werde man jetzt wohl der Tönisvorster Hilfe schenken, damit diese sie an Kinder verteilen kann. Auch die Prämierung der von den Kinder geschriebenen Wunschzettel müsse jetzt ausfallen. Der geplante verkaufsoffene Sonntag wird auch nicht stattfinden. Dieser sei verpflichtend mit dem „Adventszauber“ verbunden gewesen, teilte die Stadt auf WZ-Anfrage mit.

Am Wochenende bleibt die Weihnachtsbeleuchtung aus

Als eine Art Protest soll am Samstag und Sonntag in der Innenstadt die komplette Weihnachtsbeleuchtung abgeschaltet werden. Ab Montag wird sie dann wieder leuchten. Robben weist darauf hin, dass der Werbering die weihnachtliche Dekoration auf eigene Kosten übernehme. „Wir haben erst vor ein paar Jahren rund 30 000 Euro in eine neue Beleuchtung investiert“, sagt Robben. Außerdem stelle man geschmückte Weihnachtsbäume und Weihnachtssäcke in die Fußgängerzone.

Die weihnachtliche Stimmung ist für den Werbering natürlich nur eine Seite der Medaille. Es gehe aber auch um handfeste Kosten, sagt Robben. „Wegen Regressansprüchen sind schon rund 6000 Euro Kosten entstanden.“ Diese Zahl habe Mustafa Baykara von „ByM Veranstaltungen“ genannt, der für den Werbering die Marktbeschicker unter Vertrag nimmt. Baykara mache dann seinerseits einen Vertrag mit dem dem Werbering St. Tönis. Das heißt, dieser bleibe letztlich auf den Kosten sitzen. Wie hoch diese Summe sein wird, sei noch nicht abzusehen. „Wahrscheinlich werden einige Händler die Absage hinnehmen, andere aber nicht“, mutmaßt Robben. Fest stehe, dass insgesamt knapp 50 Händler für den „Adventszauber“ verpflichtet worden seien. Robben fürchtet weiterhin um den Ruf von St. Tönis als Einkaufsstadt. Auch Baykara habe ihm bestätigt, dass die Stadt diesbezüglich „verbrannte Erde“ sein werde.

Viele stellen sich immer noch die Frage, warum die Genehmigung letztlich am fehlenden Sanitätsdienst scheiterte und wie man das hätte verhindern können. Ein Patentrezept gibt es dafür natürlich nicht. „Frühzeitig und viel mit der Verwaltung reden.“ Das empfiehlt grundsätzlich Armin Horst, Vorsitzender des Kempener Werberings, der seine Genehmigungen scheinbar mühelos bekommt.

Das sei aber keineswegs so, sagt Horst. Es gebe ständig neue Forderungen, dazu gehöre in Kempen auch, dass man zuletzt mehr Sanitäter stellen müsse. Horst nennt ein anderes Beispiel: „Zwei Wochen vor dem Weihnachtsmarkt  haben wir erfahren, dass wir an zwei zusätzlichen Straßen Einfahrsperren anbringen müssen.“ Diese mussten dann noch auf die Schnelle organisiert werden.

Wichtig, so Horst, sei in Kempen aber auch die Agentur „xdream events“, die den Weihnachtsmarkt organisiert. „Sie nehmen uns viel Arbeit ab und auch einen Teil der Kosten“, so Horst. Probleme gebe es aber immer wieder. „Da muss man halt durch“, sagt Horst.

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