Weiden-Test an zwei Gewässern

Die neuen Befestigungen von Böschungen sollen Abbrüche vermeiden und langlebiger sein als die bisherige Lösung.

Willich. Sie fallen nicht besonders ins Auge — sind aber unter ökologischen Gesichtspunkten ein interessantes Experiment: Der Wasser- und Bodenverband der Mittleren Niers hat in diesem Frühjahr erstmals versuchsweise in zwei seiner Gewässer im Kreis Viersen selbst hergestellte „Faschinen“ aus Weidenholz zum Befestigen der Böschungsfüße eingebaut.

„Mit der Verwendung von Weidenholz verbinden wir ökologische, landschaftspflegerische und hydraulische Aspekte miteinander“, sagt Verbandsvorsitzender Josef Heyes.

Der Einbau von Flechtmatten oder Faschinen — so nennt der Fachmann walzenförmige Reisig- oder Rutenbündel — verhindert Böschungsabbrüche in den Gräben, die den Wasserablauf stören und auf Dauer zu einer Verlandung der Gräben führen würden. Das würde wiederum eine großflächige Vernässung der Böden und ein höheres Hochwasserrisiko bedeuten.

Die Weidenholzruten für diese neuen Faschinen stammen aus dem Pflegerückschnitt der die niederrheinische Landschaft prägenden Kopfweiden. Zu ihrem Erhalt ist der regelmäßige Rückschnitt erforderlich, damit die Kronen nicht zu schwer werden und auseinanderbrechen.

„Wir gehen davon aus, dass die Weidenholzfaschinen deutlich langlebiger sind, als die zuletzt verwendeten Flechtmatten aus Robinienholz, die regelmäßig bereits nach fünf Jahren ausgetauscht werden mussten“, sagt Christoph Rüber, Geschäftsführer des Wasser und Bodenverbandes der Mittleren Niers.

Die Kosten für den Einbau und die Herstellung der Faschinen, so Rüber weiter, lägen trotz eigener handwerklicher Herstellung zudem deutlich unter den früher verwendenden Flechtmatten: „Zusätzlich erwarten wir, dass der Austrieb der Weidenruten und die damit verbundene flächige Durchwurzelung des Bodens zu einer weiteren stabilen und dauerhaften Befestigung der Böschungen führt — und außerdem zu einer ökologischen Aufwertung der bisher allein wasserwirtschaftliche Zwecken dienenden Gräben führen wird.“

Verlaufen die Versuche weitern so erfolgreich wie bislang, wird der Verband in Zukunft in allen Gewässern auf die Verwendung von Weidenholzfaschinen setzen.

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