Wahlkampf: Rüttgers wählt das Leih-Fahrrad statt des Dienstwagens

Wahlkampf: Rüttgers wählt das Leih-Fahrrad statt des Dienstwagens

NRW-Minister Jürgen Rüttgers radelte durchs Willicher Stadtgebiet.

Willich. Einen Tag, nachdem er eine Bergetappe im Sauerland hinter sich gebracht hatte, radelte NRW-Minister Jürgen Rüttgers am Donnerstag bei seiner neunten Heimat-NRW-Tour durchs Willicher Stadtgebiet. Mit rund 70 Mitfahrern war er morgens mit seinem Leih-Fahrrad in Kaarst gestartet, und nach einigen Zwischenstationen, unter anderem auf dem Kirchplatz in Schiefbahn, beim Begegnungszentrum Krumm, im Wahlkampfcafé Jupp am Markt in Willich machte er schließlich Halt am Malteser-Quartier unweit des Wasserturms auf den Fellerhöfen.

Der Abstecher nach Willich war dem Thema Ehrenamt gewidmet. "Was wäre eine Stadt, wenn es nicht Leute gibt, die auf die schauen, die Hunger haben, die anderen helfen", sagte Rüttgers in einer kurzen Ansprache und bedankte sich bei den Maltesern, denen er seit vielen Jahrzehnten sehr nahe stehe. "Wenn wir keine Ehrenamtler hätten, dann wäre unsere Gesellschaft arm."

Ziel der Reise, das hatte er vor dem Start gesagt, sei, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen. Und so sprach er, besuchte kurz jeden Tisch und unterhielt sich über Senioren, über frühkindliche Bildung und freute sich, als er sich endlich einem Wurstbrötchen widmen konnte. "Es hat nichts mit Wahlkampf zu tun. Ich mache das seit neun Jahren", sagt Rüttgers und setzt nach: "Wenn sie am 30.August richtig wählen, freue ich mich."

Während der Fahrt war Willichs Bürgermeister Josef Heyes seinem Gast nicht von der Seite gewichen - schließlich wollte der Landesvater nicht nur Willicher Luft schnuppern, sondern Erkenntnisse über die Region gewinnen. Die Betriebsstruktur landwirtschaftlicher Unternehmen, das prosperierende Industriegebiet und die gelungene Integration im großen Neubaugebiet Wekeln hätten den Minister besonders interessiert, erzählt Heyes. Und natürlich die lilafarbenen und weißen Möhren von Hans Brocker.

Nach 45 Minuten wartete schon die Dienstlimousine. Zeit, sich eine realistische Notfall-Vorführung der Malteser anzuschauen, blieb Rüttgers nicht. Vielleicht hätte er sich an Josef Heyes halten sollen, zumindest, was das Tempo im Sattel angeht. 17 Stundenkilometer, schätzte Heyes und lachte. "Auf der Hinreise war ich doppelt so schnell."

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