Ukraine-Hilfe von Action Medeor Entsetzen über Angriff auf Kinderkrankenhaus in Kiew

Tönisvorst · Nach dem grausamen Raketenangriff auf ein Kinderkrankenhaus in Kiew hat das Vorster Medikamentenhilfswerk Action Medeor Hilfen ausgeweitet und bittet um Spenden.

 Eine Krankenschwester steht vor dem schwer beschädigten Kinderkrankenhaus in Kiew. Behandlungen mussten auf der Straße fortgeführt werden.

Eine Krankenschwester steht vor dem schwer beschädigten Kinderkrankenhaus in Kiew. Behandlungen mussten auf der Straße fortgeführt werden.

Foto: dpa/-

Es war am Montag, 8. Juli, einer der massivsten russischen landesweiten Angriffe seit Jahresbeginn in der Ukraine. Nach Angaben der ukrainischen Luftwaffe feuerte Russland aus unterschiedlichen Richtungen mindestens 38 verschiedene Raketen ab, auch die besonders schnellen und berüchtigten Kinschal. Unter anderem wurde ein Kinderkrankenhaus in Kiew massiv getroffen, in dem die krankesten Kinder der Ukraine behandelt und während des Angriffs operiert wurden. Zahlreiche Eltern mit ihren kleinen Krebspatienten flüchteten ins Freie. Medizinisches Personal versuchte, Chemotherapien in Parks und auf der Straße fortzuführen. Mehr als 30 Tote und über 130 Verletzte sind nach den jüngsten Angriffen zu beklagen.

Der UN-Weltsicherheitsrat will sich in einer Dringlichkeitssitzung mit den Angriffen befassen. Das mächtigste Gremium der Vereinten Nationen soll in New York zusammenkommen. Frankreich und Ecuador hatten die Dringlichkeitssitzung beantragt. Da Russland im Sicherheitsrat Veto-Recht hat, ist keine einstimmige Verurteilung des Vorgehens der russischen Streitkräfte zu erwarten. Auch die deutsche FDP-Politikerin Marie-Agnes Strack-Zimmermann zeigte sich entsetzt: „Mit dem brutalen Angriff auf eine Kinderklinik zeigt Putin uns erneut seine Grausamkeit“, sagte sie. „Wer immer noch behauptet, Putin wolle verhandeln, ist erschreckend realitätsfern und grenzenlos naiv.“

Das Vorster Medikamentenhilfswerk Aktion Medeor hat schnell reagiert: Die seit Februar 2022 bestehende Medikamentenhilfe für die Ukraine wurde nach den furchtbaren Angriffen vom Montag ausgeweitet.

50 000 Euro Soforthilfe
wurden freigegeben

„Nach den gestrigen Angriffen auf zivile medizinische Einrichtungen in der Ukraine, bei denen unter anderem ein Kinderkrankenhaus in Kiew getroffen wurde, reagiert das Hilfswerk Action Medeor und weitet seine Medikamentenhilfe für die Ukraine aus. Heute hat die ,Notapotheke der Welt’, wie Action Medeor auch genannt wird, 50.000 Euro an Soforthilfe freigegeben, um umliegenden Krankenhäusern in Kiew mit dringend benötigten Medikamenten zu helfen“, sagt Pressesprecher Markus Bremers. Darüber hinaus plane man zusammen mit deutschen und ukrainischen Behörden weitere Unterstützungsleistungen für ukrainische Gesundheitseinrichtungen.

„Wir stehen in Kontakt zu verschiedenen Krankenhäusern in und um Kiew und sondieren gerade deren Bedarfe, also welche Medikamente genau benötigt werden. Gleichzeitig werden wir in Partnerschaft mit dem Auswärtigen Amt unsere Unterstützung für das ukrainische Gesundheitssystem ausweiten“, erläutert Sid Peruvemba, Vorstandssprecher von Action Medeor. „Dazu nehmen wir Kontakt mit der ukrainischen Nothilfekoordination auf, um die weiteren Hilfsmaßnahmen zu planen.“

Gleichzeitig ruft das Hilfswerk zu weiteren Spenden auf. „Unsere Hilfe kann immer nur so umfangreich sein, wie uns Spenden dafür zur Verfügung stehen“, erläutert Peruvemba. In den letzten Monaten seien die Spenden insgesamt jedoch rückläufig. „Wir könnten noch mehr helfen, wenn uns dafür die Mittel zur Verfügung stünden“, gibt Peruvemba zu bedenken, „daher sind wir dankbar für jede einzelne Spende, die uns auch ermöglicht, den Menschen in der Ukraine zu helfen.“

Seit der militärischen Eskalation im Februar 2022 unterstützt das Vorster Medikamentenhilfswerk rund 180 Krankenhäuser und Gesundheitseinrichtungen in der Ukraine mit dringend benötigten Medikamenten, medizinischer Ausrüstung und Medizintechnik. Insgesamt 280 Hilfslieferungen mit über 900 Tonnen Medikamenten und medizinischem Equipment hat das Hilfswerk seither auf den Weg in die Ukraine gebracht.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hatte nach dem Angriff angekündigt, dass Deutschland jederzeit kranke Kinder in Not aufnehme. „Der nächste Rettungsflug startet schon am Mittwoch“, schrieb Lauterbach auf der Plattform X. „Putin hat durch gezielten Angriff auf Kinderkrankenhaus erneut gezeigt: er ist ein Kriegsverbrecher.“

(male)