Vorst: Leben wie in einem Schloss

Vorst: Leben wie in einem Schloss

Viele Geschichten ranken sich um Haus Neersdonk. Familie Recken wohnt dort seit 1942.

Vorst. Der Anblick beim Durchfahren der weißen Eingangspforte, neben der ein Pfau auf dem Rasen sein kunstvolles Rad schlägt, ist gewaltig. Eingerahmt von viel Grün erhebt sich der Herrensitz Haus Neersdonk mit seinem Hauptgebäude und den beiden Türmen mit den Windfedern.

Die weiß getünchten Außenmauern strahlen aus dem Grün hervor, im Wassergraben spiegelt sich das schlossähnliche Gebäude wieder. Eine Zugbrücke gibt es zwar nicht mehr, aber das gemauerte Exemplar, das zur doppelflügeligen Eingangstür führt, ist nicht minder beeindruckend.

"Des öfteren geht bei uns die Klingel und Paare fragen an, ob sie ihre Hochzeitfotos mit Haus Neersdonk als Kulisse machen dürfen", verrät Besitzer Hermann-Josef Recken. Der Landwirt steht solchen Anfragen offen gegenüber und daher ziert Haus Neersdonk so manches Hochzeitsalbum.

Reckens Großeltern waren es, die 1942 die Anlage von einer Erbengemeinschaft kauften, nachdem der eigene Hof in Westfalen einer Fabrik weichen musste. Das gute Land lockte dabei mehr als der desolate Zustand des ehemaligen Herrensitzes.

Dieser Zustand musste erst mit viel Eigenleistung Stück für Stück beseitigt werden. "Man ist bei so einer Anlage eigentlich immer dabei, etwas zu machen", bemerkt Recken. In diesem Jahr sind es die Holzfenster, die an der Westseite erneuert werden müssen.

Beim Renovieren gab es auch schon böse Überraschungen. Als im Mai 1993 der Blitz in den Ostturm einschlug, musste man mit Schrecken feststellen, dass die alten Eichenbalken durchgefault waren. Ein auf solche Dinge spezialisierter Bauschreiner wurde eigens aus Aachen geholt, um den Schaden zu beheben.

"Als wir 1993 das Haus neu gestrichen haben, gingen 2,5 Tonnen mineralische Farbe drauf", plaudert der Hausherr aus dem Nähkästchen. Von den Heizkosten will er am liebsten nicht sprechen. Die Grundfläche beträgt pro Etage 300 Quadratmeter - bei 4,20 Meter Deckenhöhe.

5000 Liter Heizöl im Jahr sind völlig normal. Aber, bedingt durch kalte Winter, gehen auch schon mal 8500 Liter durch. Eine ganze Menge, auch wenn drei Generationen unter einem Dach leben.

Obwohl es viel Geld und Arbeit kostet - Recken, der auf Haus Neersdonk geboren wurde, kann sich nicht vorstellen, irgendwo anders zu leben. "Ich habe einfach eine Beziehung zu dem Haus, es ist etwas Besonders." Dazu gehören auch die schaurig- schönen Geschichten, die sich darum ranken.

Es wird von einem Kerker unter einem der Türme gesprochen, und es soll einen Geheimgang zum Haus Raedt geben. Zudem sollen zwei weiße Feen um den altertümlichen Kamin mit den Kacheln und der motivverzierten, gegossenen Herdplatte im Rittersaal spuken. "Die habe ich allerdings noch nie gesehen", verrät Recken lächelnd.

Es gibt eine Treppe mit kunstvollem Geländer, Turmzimmer, Stuckdecken, alte Türschlösser mit Drehknäufen und gewaltigen Schlüsseln - "mit dem Ellbogen eine Klinke herunter drücken ist nicht", lacht Lebensgefährtin Gertrud. Im Haus Neersdonk ist eben so manches anders. Hier grüßt die Geschichte aus allen Ecken.

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