Vor 100 Jahren wurde der Verein für Rasensport, der Vorläufer des DJK/VfL Willich gegründet.

Jubiläum : Als ein VfL-Fußballer in Wembley auftrumpfte

Der DJK/VfL Willich wird 100 Jahre alt. Ein Rückblick auf die Vereinsjahre von 1945 bis 1967.

„Gesellt euch zu uns und gebt uns unsere Jungen. Sport auf dem Rasen ist besser als das Treiben in rauchgeschwängerter Luft oder Tanztingeltangel...“ – dies war ein Aufruf, mit dem der 1919 gegründete VfL Willich in den Anfängen neue Mitglieder rekrutieren wollte. Es klappte: Immer mehr Leichtathleten, Fußballer und sogar Handballer traten bei, ehe viele junge Leute zum Zweiten Weltkrieg eingezogen wurden. Nur mühsam ging es nach 1945 wieder aufwärts. Anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Vereins blicken wir dieses Mal auf das Klubgeschehen in den Jahren 1945 bis 1967 zurück.

Direkt nach dem Krieg wurde der VfL wieder eigenständig. Nur unter großen Schwierigkeiten – der Sportplatz war zunächst nicht bespielbar, und Fußballschuhe waren nicht zu bekommen – ging es wieder voran. Im Herbst 1947 wurde jedes Mitglied verpflichtet, mindestens 20 Arbeitsstunden auf dem Sportplatz zu leisten. Dennoch wurde das 30. Stiftungsfest 1949 etwas gefeiert – mit einer Sportwoche, bei der es auch einen Wanderpokal für die erfolgreichste Läuferstaffel „Quer durch Willich“ gab. Zum Organisationsstab gehörte Jugendleiter Jakob Frantzen, der ab 1959 viele Jahrzehnte den Verein als Vorsitzender führen sollte.

Durch die Eigenleistungen, Erträge aus dem Fußball-Toto und einen Zuschuss der Gemeinde Willich wurde der alte Sportplatz samt Gebäude auf Vordermann gebracht. Jubeln konnten die Fußballer dann wieder am Ende der Saison 1949/50: Die erste Mannschaft stieg in die Bezirksklasse auf. Auch einige Jugendteams waren erfolgreich. So holte sich 1950/51 die C-Jugend die Kreismeisterschaft, im April 1952 schaffte dies auch die D-Jugend. In der Leichtathletik konnten goldene Sportabzeichen erworben werden.

Die C-Jugend-Fußballer des damaligen VfL Willich wurden in der Saison 1950/51 Kreismeister. Foto: DJK/VfL Willich

Fusionspläne sorgten
zunächst für Entsetzen

An einem November-Tag des Jahres 1955 dann ein weiterer Meilenstein: Als erste Turnhalle in ganz Willich wurde die Halle, vor allem für die damals getrennte katholische Knaben- und Mädchenschule gedacht, an der Schiefbahner Straße eingeweiht. Nun konnte auch in den Wintermonaten trainiert werden.

Sportlich ging es auf und ab. So stieg in der Saison 1957/58 die Erste Mannschaft in die 1. Kreisklasse ab, die Alten Herren wurden hingegen Vizemeister am Niederrhein. Auch wenn der Sportplatz von vielen als „Kuhweide“ und das Sporthaus als „Bruchbude“ bezeichnet wurden, kamen immer mehr Kinder in den Verein. 1961 wurde das Vereinslokal vom Haus nach Krücken verlegt. Einer der jungen Willicher Fußballer kam in die Schlagzeilen: Herbert Weggen spielte für Deutschland im Schüler-Länderspiel gegen England, vor 95 000 Zuschauern im Wembley-Stadion. Die englische Presse, so der „Daily Herald“, lobte nach dem 2:1-Erfolg der Deutschen das Talent des kräftig gebauten Willichers.

1962 wurde mit dem Umbau der neuen Sportanlage an der Ackerstraße begonnen. Dafür waren über 250 000 Mark veranschlagt. Weil weitere zugesagte Zuschüsse vor allem für die Aufrechterhaltung des Jugendbetriebs zunächst ausblieben, stand der Verein kurz vor dem Ruin.

1963 war es dann endlich so weit: Mit Spielen, Pendelstaffeln und Volkstänzen wurde der neue Sportplatz mit dem Gebäude eingeweiht und übergeben. Dabei kam es zu einem Novum: Beim Einweihungsspiel bildeten die Alten Herren des VfL und des SC Schiefbahn ein Team. Es nutzte nichts: Das Spiel gegen Hamborn 07 ging 0:3 verloren.

Dann sorgte eine Pressenotiz bei den älteren VfL-Fußballern für Entsetzen: Der katholische, 1927 gegründete Verein DJK Blau-Gelb Willich wollte eine eigene Fußballabteilung gründen. Gespräche beider Vereine hin zu einer Fusion begannen. Trotz einiger Bedenken gerade der VfL-Veteranen wurde diese Fusion dann 1967 vollzogen. „DJK/VfL Willich 1919“ hieß der neue Verein.

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