Unterbringung von Flüchtlingen: Von der Kooperationsbereitschaft der Vereine überwältigt

Unterbringung von Flüchtlingen: Von der Kooperationsbereitschaft der Vereine überwältigt

Nach der Sperrung der Rosentalhalle: Die Sportclubs nehmen die Maßgabe vom „Zusammenrücken“ richtig ernst.

Tönisvorst. Tönisvorsts oberste Verwaltungskraft war überrascht, völlig überrascht. „Ich hatte gedacht, es gäbe sehr viel Schelte für uns“, sagte Nicole Waßen, die die Stadt beim Gespräch mit den Sportvereinen vertrat. Es ging um die Sperrung der Rosentalhalle und die damit verbundene Umorganisation der Sportvereine (WZ berichtete). Statt emotionaler Ausbrüche gab’s Einlassungen, die überwiegend nur ein Ziel hatten: Probleme zu lösen. Dabei sind die logistischen Probleme, die entstanden sind, durchaus riesig.

Keine Frage, die Angelegenheit ist für den Spielverein St. Tönis, er war vertreten durch Helmut Thomessen, existenzbedrohend. So bekam der Verein als erstes die Zusage, zwei Kabinen in der Rosentalhalle zunächst weiter nutzen zu können. Die Turnerschaft, die 50 Handball-Meisterschaftsspiele in der Rosentalhalle austrägt, wird versuchen, ihren Betrieb in die Halle Corneliusfeld zu verlegen. Für den Verein waren Christian Hülsemann und Christoph Nagels gekommen. Der Club bot zudem an, durch Umbaumaßnahmen einen weiteren Raum seines Vereinsheims für Gymnastikgruppen nutzbar zu machen.

Teutonia, gekommen waren Dirk Schreiber und Klaus Baumanns, könnte sich vorstellen, aus eigener Kraft Möglichkeiten zu schaffen. Hierzu sei es allerdings nötig, dass die Stadt helfe, bürokratische Hemmnisse aus dem Weg zu räumen, beziehungsweise erst nicht zu schaffen. Das sicherte Marcus Beyer für die Stadt zu. „Dadurch würde die Problematik der fehlenden Umkleideräume und sanitären Anlagen auf dem Gelände der Jahn-Sportanlagen deutlich entschärft werden“, hieß es. In den nächsten Tagen soll Näheres erarbeitet werden. Gleichzeitig bietet der Verein an, dass Kindergärten und Krabbelgruppen, im Vereinsheim trainieren könnten.

Beigeordnete Nicole Waßen wurde nicht müde, das Engagement zu loben: „Die Bereitschaft der Vereine, aus der Situation das Beste zu machen, das Zusammenrücken und sich gegenseitig helfen zu wollen, hilft uns als Verwaltung in der zunehmend angespannten Situation sehr.“

Nicht mal vor den Ortsgrenzen macht die Hilfsbereitschaft Halt. Auch der Turnverein Vorstwar gekommen, und zwar in Gestalt von Albert Schuffelen. Auch er ist von den Hallenschließungen betroffen, die Hans-Hümsch-Halle wird für die Unterbringung von Flüchtlingen gebraucht.

Betroffen von der Sperrung ist auch der Schulsport. Die Sekundarschule hatte acht Stunden in der Rosentalhalle, die Corneliusstraße zwei und das Gymnasium 31 Stunden.

Im benachbarten St. Tönis kann die Stadt unterdessen die mittlere Halle im Rosental nicht freimachen. Diese wird künftig genutzt, um Familien mit Kindern unterbringen zu können.

Auch die Vereine zeigten sich offen. „Das Wichtigste ist doch, dass die Hilfesuchenden ein Dach über dem Kopf haben“, erklärt Helmut Thomessen.

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