Kreis Viersen: Volkstrauertag: Katholische Pfarrer haben keine Zeit

Kreis Viersen: Volkstrauertag: Katholische Pfarrer haben keine Zeit

Wie schon im Vorjahr wird die evangelische Emmaus-Gemeinde einen Redner stellen. Ort ist der Friedhof in Schiefbahn.

Willich. Am Volkstrauertag, der in diesem Jahr auf den 13. November fällt, wird der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaft gedacht. Seit vielen Jahren lädt der Bürgermeister der Stadt Willich dazu auf einen der vier Friedhöfe im Stadtgebiet ein. Das hat also Tradition. Immer im Wechsel stellen die katholische und die evangelische Kirche den Redner auf der Gedenkveranstaltung. Auch das hat Tradition. Doch in diesem Jahr wird damit gebrochen: Die Gemeinschaft der Gemeinden der katholischen Kirche sieht sich nicht dazu in der Lage, den Redner zu stellen.

„Schon im Mai haben wir die Gemeinde angeschrieben und angefragt, wer kommen wird. Eine Antwort gab es zunächst nicht“, berichtet Martin Zinnel, Leiter des zuständigen Fachbereichs bei der Stadt Willich, auf Anfrage der WZ. Mehrfach habe die Verwaltung dann per E-Mail und telefonisch nachgefasst — bis dann am 17. Oktober eine knapp formulierte Absage kam. Gesprächspartner sei Pfarrer Jürgen Lenzen gewesen.

„Wenn wir das früher gewusst hätten, dann hätten wir uns auch viel eher um einen Ersatz bemühen können“, sagt Zinnel verärgert. Froh ist er, dass die evangelische Emmaus-Kirchengemeinde kurzfristig für die katholischen Kollegen einspringt und zum zweiten Mal hintereinander die Rede übernimmt. Welcher evangelische Pfarrer am 13. November ab 11 Uhr auf dem Friedhof in Schiefbahn sprechen wird, weiß er aber noch nicht.

Was hat zu der Absage durch die katholischen Gemeinden geführt? Auf Nachfrage erklärte dazu Pastor Jürgen Lenzen, dass beide Willicher Pfarrer an diesem Sonntagmorgen bei Messfeiern im Einsatz sind: Einer um 10, der andere um 11.30 Uhr. Anders als in früheren Jahren stehe kein Subsidiar zur Verfügung, der einspringen könne. Und auch die Gemeindereferenten bzw. Pastoralreferenten seien alle nicht da. Genau dies habe man einem Mitarbeiter der Stadt schon vor sechs bis acht Wochen mitgeteilt — „doch der hat das offenbar nicht geglaubt“. Es habe deshalb noch mehrfache Nachfragen geben, bis schließlich Lenzen selbst nochmal bei der Stadt angerufen habe.

Was lernt Martin Zinnel aus der Angelegenheit? „Möglicherweise ist ein Umdenken notwendig.“ Die Kirchen seien personell heute viel schlechter aufgestellt als früher. Daher müsse man wohl von der Tradition abweichen und künftig auch andere Redner — etwa aus der Politik — beim Volkstrauertag sprechen lassen.