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Volker Stelkens hilft als Reservist während der Corona-Krise

Hilfeleistung : Reservist Volker Stelkens hilft auf Station

Der 59-Jährige macht zurzeit Dienst als Krankenpfleger. Allerdings ist Krankenpfleger nicht sein eigentlicher Beruf. Er ist gerade als Reservist zum Dienst im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz eingesetzt.

„Ich bin gerne ein bisschen Held“, sagt Volker Stelkens mit Blick auf seine aktuelle Tätigkeit. Wer ihn kennt, weiß die Aussage zu nehmen, und hält ihn vielleicht wirklich ein bisschen für einen Helden. Wie es so viele in der aktuellen Zeit der Pandemie in der Pflege sind.

Der 59-Jährige macht zurzeit Dienst als Krankenpfleger. Allerdings ist Krankenpfleger nicht sein eigentlicher Beruf. Er ist gerade als Reservist zum Dienst im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Koblenz eingesetzt.

Vielen St. Tönisern dürfte Volker Stelkens aus seiner aktiven Zeit beim Jugendrotkreuz oder den Anfangszeiten des Jugendkarnevalsvereins noch bekannt sein. Viele Jahre hat der gebürtige Krefelder in St. Tönis verbracht. Er fühlt sich dort immer noch zu Hause. „St. Tönis ist meine Heimat! Dort fühle ich mich immer wieder hingezogen.“

In St. Tönis Mutter besuchen, Karneval feiern, Fleischrolle essen

Dies sagt er, obwohl er vor fast vier Jahren nach Mallorca ausgewandert ist und auch schon vorher die meiste Zeit seines Lebens  nicht in St. Tönis lebte. Er kommt aber immer wieder  zurück. Um Karneval zu feiern, um Freunde zu treffen oder seine Mutter zu besuchen. Dann trifft man ihn bei Robby am Alten Markt auf eine Fleischrolle oder bei „Grillasch“-Törtchen in der Fußgängerzone.

Nach dem Realschulabschluss ging Volker Stelkens für vier Jahre als Zeitsoldat zur Bundeswehr. Er war nach seiner Ausbildung im Sanitätsdienst und nach zahlreichen Schulungen den größten Teil seiner aktiven Zeit Leiter eines Sanitätstrupps  bei einer Flak-Einheit in Schiffdorf bei Bremerhaven.

Er bildete sich fort. Was sich auch in seiner Reservistenzeit nicht änderte. Anerkannt ist er als ausgebildeter Krankenpfleger und als Sanitätsfeldwebel Narkose. Nach dem Abschied vom Bund wurde er oft als Reservist zu kurzen und längeren Einsätzen eingezogen. 1977 unterstützte er  sieben Monate die SFOR in Sarajewo, war mehrmals einen Monat als Pfleger in einem Bundeswehrkrankenhaus im Einsatz.

Nach der Bundeswehrzeit begann Stelkens eine Ausbildung zum Justizvollzugsbeamten im Strafvollzug in Krefeld. Nach seinem Abschluss wurde er hauptamtliche Lehrkraft an der Justizvollzugsschule NRW in Wuppertal. Die Nachwuchsbeamten bildete er unter anderem in Gesundheitslehre und Erster Hilfe aus.

In Israel bildete er sich als Personenschützer weiter

Bis 1997 war er als Beamter bei der Justiz aktiv. Parallel war er bei Sicherheitsunternehmen tätig. Den Job lernte er von der Pike auf – vom Türsteher an der Disko bis in die Leitung des Unternehmens.

In Israel bildete er sich in VIP-Protection als Personenschützer weiter. Er gründete eine eigene Sicherheitsfirma in Steinhagen und Wien. Neben Tätigkeiten als Leiter einer Sicherheitsakademie in der Nähe von Tel Aviv war er auf weiteren Feldern im Sicherheitsdienst aktiv.

Als Reservist bei der Bundeswehr war er allerdings nur noch selten im Einsatz. Seine Sicherheitsunternehmen hat er schon lange aufgegeben, sich in dem Bereich aber schnell als Lehrkraft für den Bereich der Sachkunde für Sicherheitsmitarbeiter eingebracht.

Bei mehreren Bildungsträgern, nicht weit von der alten Heimat, bereitet er als Freiberufler Sicherheitsmitarbeiter für die Sachkundeprüfungen nach Gewerbeordnung vor. Auch nach seiner Auswanderung nach Mallorca.

Dort war er auch, als sich die Lockdowns in Spanien und Deutschland abzuzeichnen begannen. Für Stelkens war schnell klar, dass er seine Erfahrung und seine Fähigkeiten aus dem Pflegebereich einbringen wollte. Eigentlich direkt auf Mallorca, wo er in der Nähe von Cala Ratjada lebt.

Bundeswehr warb um Reservisten als Fachkräfte

Durch die Schließung der Bildungseinrichtungen in Deutschland waren sein Arbeitsbereich, damit seine Einkünfte schlagartig auf Null gefahren worden. Der Einsatz auf Mallorca wäre allerdings schwierig geworden. Stelkens hätte seine Ausbildung erst über einen langwierigen Behördenweg anerkennen lassen müssen.

Parallel fragte die Bundeswehr unter ihren Reservisten nach, ob sie als Fachpersonal wieder in den aktiven Dienst zurück können. Für Stelkens war nach kurzer Beratschlagung mit Ehefrau Tamara klar: Er ist dabei.

Am 25. März kam der Anruf aus Deutschland. Tags darauf sollte er um 8 Uhr in Koblenz zum Dienst erscheinen. Das war wegen der wenigen Flüge fast unmöglich. Er fand einen Platz und meldete sich fast pünktlich am 26. März zum Dienst im Bundeswehrzentralkrankenhaus in Deutschland.

Volker Stelkens’ Einsatzbereich ist bis Ende Juni die Onkologie

Seine Hilfe war willkommen. Schnell waren die „alten“ Fähigkeiten geweckt und Stelkens im aktiven Dienst. Nach Einkleiden und Gesundheitschecks ging an daran, in Ausbildungsparcours die Kenntnisse aufzufrischen. Und besonders bei für Corona-Patienten wichtigen Tätigkeiten der Intubation und Beatmung unterstützen zu können. Gemeinsam mit rund 200 Reservisten ist er nun im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz eingesetzt.

Unter den dort behandelten Patienten sind 70 Prozent Zivilisten, schätzt Stelkens. Sein Arbeitsbereich ist in der Onkologie. Er hat auf der Station viel mit dem Tod zu tun, denn nicht nur an Covid 19 sterben aktuell Menschen, auch an Krebs. Das erlebt er fast täglich.

Dennoch ist er mit Freude bei der Arbeit. „Beim erstem Einsatz waren  Wissen und Können schnell wieder da.“ Er erlebt, angesprochen auf seine Gefühle beim Helfen anderer,  besonders die Dankbarkeit vieler Patienten. Das spricht ihn  an.

Stelkens Einsatz ist bis Ende Juni angesetzt. Worauf er sich für besonders freut, wenn er aus der alten in seine neue Heimat kommt? Auf Ehefrau Tamara ganz besonders. „Sie werde ich erst einmal lange in die Arme nehmen.“

Er wird für den ersten gemeinsamen Abend einkaufen und etwas Gutes kochen. Das  steht fest. Und auf die Zeit mit seinen Hunden und im Garten freut er sich auch schon. Die soll nicht zu kurz kommen.