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Vision und Dimension für Tönisvorst: Rathaus und Schule am Wasserturm

Standort für das neue Verwaltungszentrum von Tönisvorst : Rathaus und Schule am Wasserturm

SPD, Grüne, UWT und GUT haben ihr gemeinsam abgestimmtes Generationenprojekt für die Apfelstadt vorgestellt. Die Verwaltung muss nun einen großen Prüfauftrag stemmen.

SPD, Grüne, UWT 2020 und GUT haben Tönisvorst und seine Bürger und Bürgerinnen wochenlang auf die Folter gespannt. Unbeeindruckt von der Neugier der Öffentlichkeit und den Druck machenden politischen Mitbewerbern CDU und FDP haben die vier Fraktionen über den in ihren Augen geeigneten Standort für das neue Rathaus nachgedacht. Seit Freitag, 15.05 Uhr, ist die Katze aus dem Sack: Der neue Verwaltungssitz soll auf die große grüne Wiese unweit des St. Töniser Wasserturms. „Die neue Ortsmitte abbilden“, nennen die Moderatoren das geografische Näher-Rücken an den Stadtteil Vorst. 

2019 hatte der Standort
keine politische Mehrheit

Das unbebaute Areal war einer der analysierten Standorte der Assmann-Gruppe. Sie hatte die Rathaus-Planungen vor fast zwei Jahren als beauftragtes externes Fachbüro begleitet. Eine politische Mehrheit hatte der Standort „Wasserturm“ unweit des Gewerbegebiets Höhenhöfe Ende 2019 im Stadtrat allerdings nicht bekommen.

Nun liegen die Mehrheitsverhältnisse seit der Kommunalwahl im Jahr 2020 anders. Man muss keinen Blick in die  Glaskugel werfen. Der Standort „Wasserturm“ wird nun aller Voraussicht nach in der Ratssitzung Ende April durchgesetzt. Und bebaut, wenn der Eigentümer verkaufsbereit ist. Die Tönisvorster Stadtverwaltung muss und soll unter anderem das klären. Aber Signale zur Bereitschaft dürften bei den Visionären längst empfangen worden sein.

Michael Horst (SPD) stellte Vision in Online-Pressekonferenz vor

Nun ist also bestätigt, was die WZ in ihrer Ausgabe vom 19. Februar unter der Überschrift „das ganz Große“ einmal spekulativ vorgedacht hatte – die politischen Standort-Absichten vor allem der SPD damals freilich zugrunde gelegt: „Das neue Schulzentrum für MEG und RNG wird am Wasserturm gebaut. Es handelt sich um ein Grundstück in Privateigentum, das in Teilen bereits für einen möglichen Rathaus-Neubau in den Blick genommen worden war. Ein Schulneubau dort würde den Weg für die Entwicklung zweier Innenstadt-naher und Geld-einbringender Neubaugebiete, Corneliusfeld und Kirchenfeld, freimachen. Ein kleines dimensioniertes Rathaus könnte ebenfalls dort (...) gebaut werden. Die Stadtverwaltung an der Bahnstraße würde abgerissen und als Innenstadt-Grundstück für belebende Wohnbebauung genutzt.“

 Michael Horst, Fraktionsvorsitzender der SPD, stellte die Vision des größtenteils bestätigten  Generationenprojektes am gestrigen Freitag in einer Online-Pressekonferenz vor. Er tat dies gemeinsam mit seinen Fraktionskollegen Jürgen Cox (Grüne), Heidrun Sorgalla (UWT 2020) und Aleksaner Weber (GUT). Horst lobte die „äußerst intensive und immer konstruktive und sehr zielführende Zusammenarbeit“ des Vierer-Bündnisses.

Option für Schulzentrum
soll geprüft werden

Die Einigung über den Standort kam in den großen Antrags-Topf des Fraktionen-Quartetts. Und nicht nur er: Die Fraktionen betonen Mut und Bereitschaft, auch die Option eines neuen, gemeinschaftlichen Schulzentrums für Michael-Ende-Gymnasium und Rupert-Neudeck-Gesamtschule durch die Verwaltung prüfen zu lassen. „Wir sehen dafür realistische Chancen“, so Horst. Vor dem Hintergrund der „erheblichen Finanzmittel für Instandhaltungsaufwendungen“ an den beiden weiterführenden Schulen, die Kämmerin Nicole Waßen bei der Vorstellung des Haushaltsplanentwurfs für 2021 in Millionenhöhe prognostiziert hatte,   denkt man auch dieses Projekt laut. Es dürfte den Kostenrahmen von 25 Millionen für ein neues Rathaus um etliche Millionen überragen. Diesen großen Summen für eine klamme Stadt steht der vierfach bekräftigte Gestaltungswille mit diesem „starken Sig-nal“ gegenüber.

Umfangreiche Abstimmungen stehen trotz „intensiver Vor-Überlegungen“ noch aus. So wollen die vier  Fraktionen jetzt einen Kostenrahmen von der Verwaltung beziffert bekommen. Horst und Kollegen setzen auf die Kompetenz von Kämmerin Waßen  und Fachbereichsleiter Jörg Friedenberg. Welche Netto-Erlöse könnten durch die Vermarktung der Flächen erzielt werden, auf denen  noch die Schulen stehen? Ermitteln soll die Verwaltung auch die planungsrechtlichen Realisierungsmöglichkeiten des Neubaus beider Schulzentren in einem Komplex sowie der Verwaltung und einer Multifunktionshalle am Standort Wasserturm.

Haushaltssicherungskonzept
soll vermieden werden

Machbar soll’s sein und werden, ein Abrutschen in ein Haushaltssicherungkonzept unbedingt vermieden werden. Das betonen Horst und Cox.  Sie sind zuversichtlich, die Verwaltung mit einem weiteren Großprojekt in zweistelliger  Millionenhöhe nicht zu überfordern: „Die Verwaltung braucht jemanden, der das Vertrauen in sie hat und den Mut, das anzugehen“, sagt Cox.  

Die Aufbruchstimmung soll sich übertragen. Die hohen Kosten für Instandsetzungsmaßnahmen hätten sie aufgerüttelt, betonen auch Sorgalla und Weber. Sie setzen auf Synergieeffekte durch neues Bauen. Und anschließend auf neues Bauen für neues Wohnen auf frei werdenden, attraktiven Flächen  in St. Tönis.

Die Gemengelage der Chancen, Ansätze und Risiken ist groß. „Alles in einem Riesentopf.“ Was daraus schmecken wird und kann, sollen nun erst einmal die Berechnungen und Vorlagen der Verwaltung zeigen. Und die Diskussionen im Hauptausschuss nächste Woche, in den die vier Fraktionen insgesamt 14 Anträge einbringen werden. Alle unter dem Motto: „Alle für jeden einzelnen.“ (WZ wird weiter berichten)  

 Die CDU-Fraktion bevorzugte als Standort eines neuen zentralen Verwaltungsgebäudes den Bereich Wilhelmplatz unter Einbeziehung des Bereiches Bahnstraße/Willicher Straße/Dammstraße. Sie folgte damit dem Vorschlag des von der Verwaltung 2019 vorgelegten Fachgutachtens. Nach Auffassung der CDU, geäußert bereits Anfang des Jahres, sollte die Verwaltung einen Standort kurzfristig zur Abstimmung bringen. „Damit kann endlich mit den konkreten Planungen für das dringend benötigte Gebäude begonnen und die in Teilen unzumutbare Unterbringung einiger Fachabteilungen unserer Verwaltung kann beendet werden.“