„Ursula“ verschonte die Flieger

Auch ohne viel Sonne: Das Wetter war dem Schiefbahner Club hold.

Schiefbahn. Über den Wolken soll die Freiheit ja grenzenlos sein, um den Klassiker von Reinhard Mey ein weiteres Mal zu bemühen. Aber unter den Regenwolken werden den Mitgliedern des Modellclubs Schiefbahn enge Grenzen gesetzt: Wasser kann die Fernbedienung lahmlegen. Zum Glück verschonte das Tief „Ursula“ den Platz der Modellflieger. Der Wind wehte zwar stark, er kam aber zum Glück aus der richtigen Richtung.

So fiel das traditionelle „Vatertags-Fliegen“ nicht, wie befürchtet, ins Wasser. Aber es kamen schon deutlich weniger Besucher, als dies bei Sonnenschein vermutlich der Fall gewesen wäre. Der Vorsitzende des Vereins, Norbert Winkelmann, war mit der Resonanz jedoch zufrieden — und mit dem Wetter sowieso. Einige wenige Regentropfen einige wenige Minuten lang, das war’s auch schon.

Norbert Rauch hatte ganz andere Probleme: „Eine Turbine kriegt keinen Treibstoff“, klagte der Mathematik- und Physiklehrer aus Willich. Er versuchte, den Fehler zu finden und zu beseitigen. Sein Flugzeug, stolze 3,98 Meter lang, war auch am Boden ein Hingucker. Es fliegt, ganz wie die Großen, mit Kerosin.

Karl-Heinz Grimm aus Kaarst fliegt mit Diesel, viele andere Modellpiloten gingen mit Fluggeräten an den Start, die ihre Power aus Akkus beziehen. Geringe Flugzeit — oft macht der Akku schon nach zehn Minuten schlapp —, und vergleichsweise hohe Kosten stehen einer zunehmenden Verbreitung offenbar nicht im Weg.

Der Modellflug ist, das wurde schnell deutlich, eine Männerdomäne, wenn auch keine reine: Brigitte Brügel war zwar durch ihren Ehemann an das Hobby gekommen, sie fliegt aber völlig eigenständig. Sie ist Mitglied im St. Töniser Modellclub. Was beide Vereinsgelände in den Nachbarstädten unterscheidet: „Hier in Schiefbahn hat man freie Sicht, in St. Tönis fliegen wir über Apfelbäume.“

Björn Broda aus Osterath dachte nicht an#s Fliegen: Wie bereits in den vergangenen Jahren sorgte er auch diesmal für leckere Reibekuchen.

Norbert Winkelmann hatte eine große Auswahl an Fluggeräten mitgebracht, unter anderem einen Elektrosegler mit einer Spannweite von stolzen vier Metern. Es gab Starts und (zumeist weiche) Landungen am laufenden Band und keinen einzigen Absturz.

Der Verein hat 105 Mitglieder, darunter auch etliche junge Leute wie die Söhne von Norbert Rauch: Luis und Frederic sind 16 und 21 Jahre jung. „Wir würden gerne noch mehr junge Leute aufnehmen, aber es fällt schwer, sie von ihren Handys und Tablets wegzulocken“, so der Vorsitzende.

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