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Umweltminister besucht Huverheide - Wenn’s zu früh blüht

Umweltminister besucht Huverheide - Wenn’s zu früh blüht

NRW-Umwelt- und Landwirtschaftsminister Remmel besuchte Obsthof in der Huverheide.

Vorst. Früher war alles später. Jedenfalls wenn es um das Wachstum vieler heimischer Pflanzen geht. Die Obstbauern in der Huverheide kennen das: In den vergangenen 20 Jahren hat sich die Apfelblüte um rund zwölf Tage nach vorne verschoben. Was natürlich für Anbau und Ernte Konsequenzen hat.

Welche, das wollte der nordrhein-westfälische Klima- und Umweltschutzminister Johannes Remmel (Grüne) auf dem Obstgut Tackheide II von Rudolf Schumacher persönlich wissen.

„Vor 14 Tagen hatten wir erstmals richtig Probleme“, erzählte der Obstbauer, der Direktvermarktung betreibt. Es fror, und zwar heftig. Das heißt für die Anbauer: beregnen. Sie spritzen Wasser in feinen Nebeln über ihre Felder, dieses gefriert und sorgt so für ein wenig Wärme. Genug jedenfalls, um die empfindlichen Blüten der Obstbäume zu schützen.

Weil heutzutage eben die Blüte früher beginnt, besteht verstärkt die Gefahr, dass es noch nächtlichen Frost gibt. Aber auch die momentane Wetterlage, die den Klimawandel noch nicht so deutlich ahnen lassen, lässt die Landwirte schlecht schlafen. „Wir waren bis 4 Uhr heute morgen draußen. Erst dann hat mein Mann entschieden, nicht zu beregnen“, sagt Christine Schumacher.

Der Minister erwies sich derweil nicht als Theorie-orientiertes „Greenhorn“. Er hörte sich die Erklärungen des Fachmanns nicht nur an, er hakte nach. Wollte etwa wissen, wo der Unterschied von dem kontrolliert-integriertem Anbau der Schumachers zu „bio“ liege. „So groß ist der nicht mehr“, erklärte Rudolf Schumacher. Und zeigte sich von dem Bio-Gesichtspunkt nicht sonderlich begeistert. Für seine Produkte könne er sagen: „Ich weiß, dass sie absolut gesund sind.“

„Welche Sorten bauen Sie an?“, wollte der Minister wissen. „Darüber entscheidet nicht zuletzt der Verbraucher.“ So werde der Elstar auf konstant hohem Niveau verkauft, der Braeburn sei schon auf dem Rückzug. Und nur noch etwa fünf Prozent macht ein deutscher Klassiker aus: der Boskop.

Hand aufs Herz: „Könnten Sie wirklich alle Apfelsorten unterscheiden, wenn man Sie Ihnen hier auf den Tisch legen würde?“ Das wollte die WZ vom Minister wissen. Die Antwort kommt spontan. „Nein, nur die Hauptsorten.“ Allerdings, so betont der Noch-49-Jährige. Er habe sogar ein Faible gerade für diese Frucht. „Ich habe sogar eine kleine Apfelpresse zu Hause“, sagt Remmel.

Ein weiteres Thema sprach er an: Straußenwirtschaften, eigentlich eine Einrichtung in Weinanbaugebieten, könnten auch in NRW möglich werden. Schumacher, der demnächst in seinen Verkaufsstellen Cafés eröffnen will, hörte es mit Interesse.