Tradition in Tönisvorst: Der Dachdecker früher und heute

Tradition in Tönisvorst: Der Dachdecker früher und heute

Das Werkzeug ist fast gleich geblieben. Ansonsten hat sich vieles geändert, sagt Meister Klaus van Geffen.

Tönisvorst. Man erkennt die Dachdecker — auch heute noch — an der klassischen schwarzen Cordhose. Allerdings nicht die mit Schlag. „Das sind die Zimmerer. Die brauchen den Schlag, damit die Späne nicht in die Schuhe fallen“, sagt Klaus van Geffen, Dachdeckermeister aus Vorst, der in dritter Generation den großväterlichen Betrieb fortführt.

Als Kind in einem Handwerksbetrieb aufgewachsen, hat er den Wandel seiner Zunft miterlebt. Angefangen bei der Kleidung: Die Cordhose hat Kniepolster bekommen. Statt einer Hammerkette gibt es Schlaufen an der Hose. Und es existiert unweigerlich eine Handy-Tasche.

Und war es früher ein Beruf, in dem große körperliche Kraft verlangt wurde, ersetzen heute Kräne oder Hebebühnen die schwere Arbeit. „Und auch die schwarze Cordhose kann man heute gerne problemlos im Sommer durch leichtere Stoffhosen ersetzen beziehungsweise: Gegen das Wetter kann man sich mit moderner Kleidung schützen“, so Klaus van Geffen.

Was fast gleich geblieben ist? „Das Werkzeug“, so das Vorstandsmitglied der Handwerkskammer. „Latthammer, Schieferhammer und Leiter.“ Mit dem Latthammer würden heute im Wesentlichen die Dachlatten fest genagelt. Und der Schieferhammer — der einen Laien nur noch entfernt an einen Hammer erinnert — diene dem Behauen des Schiefers.

Was inzwischen auch zum Repertoire des Dachdeckers gehört, sind sämtliche Metallarbeiten rund um die Klempnerei. „Regenrinnen und Abflussrohre können wir so direkt ohne Abstimmungsverluste in unseren Arbeitsablauf einbauen. Es bedeutet, dass unsere Leute sich aber auch entsprechend im Metallbau fortbilden müssen“, so van Geffen, der Lehrlingswart der Innung ist.

Überhaupt spielten Fortbildungen eine zunehmend wichtige Rolle. „Versicherungen verlangen heutzutage, dass die Dachziegel verklammert werden, wofür eine Klammerberechnung erforderlich ist.“ Das müsse man erst einmal können. Auch der Holzbau — beispielsweise Dachgauben — gehört zum Aufgabenfeld. Oder das Einbauen von Solartechnik.

Im Sauerland hat der waschechte Niederrheiner — der noch im Vorster Krankenhaus geboren wurde — die Lehre gemacht und hier auch die Meisterschule abgeschlossen. Danach übernahm er einen Betrieb in Fischeln und arbeitete beim Vater.

Bis die beiden Betriebe fusionierten und man für den großväterlichen Betrieb in der Hahnenweide ein neues, größeres Zuhause suchte. Das wurde durch die Umnutzung eines landwirtschaftlichen Betriebs aus dem 19. Jahrhundert in unmittelbarer Nachbarschaft möglich. Red