Leben in Gastfamilien Ein Zuhause für Menschen mit Handicap

Serie | Tönisvorst · Beate Stumpe ist gelernte Krankenschwester. Ihre Familie ist Gastfamilie für Menschen mit Handicap.

Beate Stumpe aus Tönisvorst unterstützt Menschen mit Handicap und gibt ihnen einen Familienanschluss.

Beate Stumpe aus Tönisvorst unterstützt Menschen mit Handicap und gibt ihnen einen Familienanschluss.

Foto: Norbert Prümen

Seit 18 Jahren gehört Beate Stumpe dem Team Leben in Gastfamilien (LiGa) der LVR-Klinik Viersen an. Das Leben in Gastfamilien ist ein ambulantes Wohnangebot für Menschen, die aufgrund von Krankheitsfolgen weder alleine noch in einer therapeutischen Einrichtung leben wollen. Dennoch benötigen sie Hilfe im täglichen Leben. Beate Stumpe aus Tönisvorst hat so ihre Familie vergrößert – und ein Zuhause für Menschen mit Handicap geschaffen.

Was ist ihr Lieblingsgetränk?

Beate Stumpe: Ich bin eine richtige Tee-Tante. Am liebsten trinke ich Rooibos-Tee.

Sie bringen sich bei LiGa ein. Um was handelt es sich dabei?

Stumpe: Ich gehöre zum LiGa-Team der LVR-Kliniken Viersen. LiGa steht für Leben in Gastfamilien. In meiner Familie leben zwei Menschen mit Handicap. Es sind zwei Menschen, die ich ein stückweit bei der Bewältigung des Alltags begleite. Eine Unterstützung mit Familienanschluss.

Wie kam es dazu?

Stumpe: Ich bin gelernte Krankenschwester und habe in unserem Haus meine Schwiegermutter und dann auch noch meinte Tante gepflegt, die in der oberen Wohnung lebte. In der Zeitung las ich einen Artikel über LiGa und habe mir gedacht, das wäre etwas für mich und meine Familie. Ich sprach mit meinem Mann darüber und es fiel der Entschluss, sich zu bewerben. Der Bewerbung folgte ein erstes Vorstellungsgespräch. Dann zog eine erste Dame bei uns ein. Es hat wunderbar funktioniert. Sie hat zur Familie gehört, und die Nachbarn haben sie sehr gemocht. Sie hat bis zu ihrem Tod im Jahr 2018 bei uns gelebt. 2011 kam ein zweiter Klient hinzu, der immer noch bei uns lebt. Er hat damals zur Weihnachtszeit bei uns probegewohnt. Ihm gefiel es und uns auch. Ein weiterer Klient hat zwischenzeitlich ebenfalls zwei Jahre bei uns gelebt. Er ist in dieser Zeit so selbstständig geworden, dass er anschließend in eine eigene Wohnung umziehen konnte. Seit Dezember vergangenen Jahres ist ein neuer Klient eingezogen. Damit wohnen jetzt wieder zwei Menschen mit Handicap bei uns.

Wie läuft der Alltag ab?

Stumpe: Ganz normal. Wir leben wie in einer großen Familie, bei der man viel zusammen macht, aber auch seine Rückzugsmöglichkeiten hat. Ich erledige den Haushalt, wobei unser Familienzuwachs für die Sauberkeit in seinen eigenen Räumen zuständig ist. Sie haben jeder ein eigenes Zimmer und teilen sich ein Bad und eine Küche. Dort schaue ich natürlich auch nach dem Rechten, aber generell ist der eigene Wohnbereich ihr Part. In der Woche bereite ich das Frühstück vor. Wir essen gemeinsam, dann gehen beide zur Arbeit ins Heilpädagogische Zentrum (HPZ). Wenn sie abends nach Hause kommen, wird vom Tag erzählt und gegessen. Am Wochenende mache ich das Frühstück ebenfalls fertig, esse aber alleine. Ich bin Frühaufsteher, aber die beiden schlafen gerne länger und frühstücken dann später. Feste, angefangen von Weihnachten bis Geburtstag, werden zusammen gefeiert, und wir haben auch schon gemeinsame Urlaube verbracht. Halt ein ganz normales Familienleben.

Ist es nicht mutig, völlig fremde Menschen in die eigene Familie aufzunehmen?

Stumpe: Nein, überhaupt nicht. Man sollte eigentlich einfach nur aufgeschlossen sein. Es sind ja Menschen, die nur ein wenig an die Hand genommen werden müssen. Außerdem lernt man sich beim Probewohnen erst einmal kennen. Da merkt man schnell, ob die Chemie stimmt oder nicht. Außerdem steht einem das Liga-Team immer zur Seite, und das 24 Stunden an sieben Tage die Woche. Wenn es wirklich mal Fragen oder eine unklare Situation gibt, ist immer ein Ansprechpartner vorhanden. Ich könnte mir mein Leben ohne den Familienzuwachs gar nicht mehr vorstellen. Mir macht es Spaß, und meine Familie trägt es mit. Mein Sohn wohnt auch bei uns im Haus, und wenn er mich fragt, ob ich nicht mal in Rente gehen will, dann sage ich immer, dass ich ja schon in Rente bin und das Familienleben genieße. Ich komme selber aus einer großen Familie und habe nach wie vor einen engen Kontakt zu meinen Schwestern. Mich freut es, anderen Menschen ein stückweit eine Familie und damit Rückhalt zu geben.

Fällt Ihnen spontan jemand für die nächste Folge ein?

Stumpe: Mein Nachbar Mattias Pfefferkorn arbeitet in der JVA in Anrath. Den Beruf finde ich total spannend und interessant. Da wünsche ich mir, dass Sie mit einem Justizvollzugsbeamten aus der JVA Willich II mal eine Tasse Kaffee trinken.

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