Hilfe für Bedürftige : Ein großer Dienst für den Nächsten

Vor zehn Jahren gründeten engagierte Bürger die "Tönisvorster Hilfe". Mit dem Sammeln und Verteilen von Lebensmitteln unterstützen sie über 200 bedürftige Menschen.

Am 12. Oktober 2011 gründeten Jürgen Beyer und seine Mitstreiter den Verein „Tönisvorster Hilfe“. „Das war ganz seltsam und hört sich komisch an: Ich hatte mit Reinhard Bissmanns einen Glaubensgenossen, der wie ich überzeugt war, etwas tun zu müssen. Wir wussten um Bedürftige in der Stadt“, sagt der mittlerweile 81-jährige, der lange Bürgerbusfahrer und Vorsitzender des Bürgerbusvereins war. Dabei schöpfte man aus dem eigenen Erleben. „Die Alten konnten erst mit Geldscheinen bezahlen, und am Monatsende wurden es Centstücke.“

Im Jahr 2009 fingen die Männer an, mit Kirchen und Institutionen wie der Caritas zu diskutieren, „wo wir wussten, die haben das Wissen für Bedürftige.“ Für die Organisation des Angebots kam Beyer die logistische Erfahrung als früherer Mitarbeiter im mittleren Management der Mineralölbranche zugute, als er für die Betankung von Flugzeugen im deutschsprachigen Raum sorgen musste.

Der Bedarf wurde vor Ort
erst nicht gesehen

Damals gab man sich bewußt den den Namen „Tönisvorster Hilfe“ und war ganz bewusst kein Tafelverein, der dem Tafelverband angeschlossen ist. „Wir nannten uns Hilfe, weil, als wir anfingen, auf Schwierigkeiten stießen.“ Was er damit durch die Blume sagen will: Tafel heißt Bedürftigkeit – und die sah damals nicht jeder in der Ortschaft als gegeben an. Das ist heute anders.

Ganz zu Beginn führte man die Lebensmittelausgabe im Marienheim  durch, wo man mit „offenen Armen aufgenommen wurden“, sagt Beyer rückblickend. Wie es der Zufall wollte, kannte sein Freund einen ehemaligen Bankberater, der zufällig Vorsitzender der Krefelder Tafel war. Und ein Handballkumpel war zufällig der zweite Vorsitzende der Tafel. „Die haben uns anfänglich komplett versorgt. Und danach haben wir in Tönisvorst eigene Quellen gesucht und gefunden.“ Bei Bäckern und Landwirten erhielten sie viel Unterstützung, rannten offene Türen ein. Mit der Krefelder Tafel kooperiere man aber bis heute. „Die beliefern uns morgens mit Ware, wir packen unsere dazu. Und wenn wir mit der Ausgabe fertig sind, dann nehmen sie unsere verderbliche Ware mit nach Krefeld.“ So wird nie etwas weggeworfen.

Als die Besucherzahlen aber stiegen, fehlte am Marienheim ein eigenständiges Lager, musste man ständig pendeln. Seit dem November 2019 erfolgt die Ausgabe in einer Containeranlage an der Gelderner Straße 73 am Jahn-Sportplatz zwischen Tennisclub und Spielverein. Die Stadt überließ dem Verein ein 200 Quadratmeter großes Grundstück hinter der Rosentalhalle. Das Grundstück ist für 25 Jahre gepachtet. Dort stehen neun Container, auch mit der Option einer Kühlung und vernünftiger Lagerung. „Ein Containerhersteller hat uns zwei gebrauchte Container überlassen. Dazu kam noch die spendenfreudige Besitzerin, Helfer des Spielvereins und die Tönisvorster Bürger, die das mitfinanziert haben.“ Und wann immer Hilfe benötigt wird, ist der Spielverein zur Stelle.

Der Verein versorgt mit seinen 46 Helfern nach Beyers Schätzung aktuell zwischen 220 und 250 Bedürftige. „In Spitzenzeiten hatten wir auch schon mehr.“ Dabei sind Rentner, Arbeitslose, Asylbewerber und Flüchtlinge. „Keine fremde Sprache oder Hautfarbe hat uns abgeschreckt.“ Diejenigen, die zu ihnen kommen, erhalten Hilfe. Wobei man sich intern auf eine Faustregel verständigt hat. „Wer nur bis zu 900 Euro frei verfügbares Einkommen hat, der braucht unsere Unterstützung. Wer darüber hinaus Geld hat, den wollen wir nicht gerne unterstützen, da gibt es sicher andere Möglichkeiten.“

Der Vorsitzende ist stolz darauf, dass man in der Coronazeit ohne Unterbrechung weiter die Lebensmittel an die Bedürftigen verteilen konnte. „Weil die Lebensmittelhilfe natürlich nicht so war wie sonst, haben wir zugekauft, auch wenn einiges knapp war. Und wir haben viel mit Eigeninitiative gemacht.“ Dazu gehörten auch die hygienischen Vorkehrungen. Man lege Wert auf Händedesinfektion und Abstände. „Dafür haben man Einkaufswagen beschafft. „Wir suchen aber noch fünf Stück.“ Alle verhielten sich vor Ort aber verantwortungsvoll.

Mit reduzierter Mannschaft und den vorgesehenen Ausgabezeiten war die Hilfe aber nicht leicht zu leisten. „Wir konnten ja nur vier Menschen in den Container lassen. Das hat es in die Länge gezogen.“ In den Ferien half spontan eine Facebook-Gruppe junger Menschen tatkräftig aus. „Das hat mit Schule und Uni aufgehört, hat uns aber entlastet.“ Und mit den Impfungen kamen auch die zuvor weggebliebenen Helfer wieder zurück.

Mittlerweile sind alle bei der Ausgabe alle durchgeimpft. Und was die Besucher angeht, ist Beyer relativ sicher, dass 95 Prozent von ihnen ebenfalls geimpft sind. Zweimal war ein mobiles Ärzteteam bei der Tönisvorster Hilfe. „Bei uns besteht Maskenpflicht, da achten wir drauf.“ Man gebe alle vierzehn Tage Lebensmittel aus, Mittwochs ab 11.30 Uhr. „Wir spüren den Druck, sowas auch in Vorst zu machen.“ Man habe einige Besucher aus Vorst, die das Hilfsangebot in Anspruch nehmen. „Im Moment können wir das aber nicht leisten“, sagt Beyer.

Was sich der 81-Jährige wünschen würde, wäre, dass sein Verein aufgrund besserer Lebensumstände gar nicht mehr notwendig wäre. Dass sich das mal ändert, da ist er eher skeptisch. „Der Verein mit dieser Aufgabe und dem Ziel, Bedürftigen zu helfen, das wird noch lange notwendig sein.“