Tönisvorst: Wetterkapriolen lassen Bauern noch kalt

Landwirtschaft : Wetterkapriolen lassen Bauern kalt

Der Sturm hat bei den Landwirten kaum Schäden angerichtet. Dort wartet man schon gespannt auf den Frühling.

Das Wetter schlägt in diesen Tagen wieder einige Kapriolen. Sturm, Regen, Hagel – da war einiges dabei. Die gute Nachricht zum Beispiel für die Obstbauern in Tönisvorst: Aus Sicht der Landwirtschaft kam das Unwetter zum richtigen Zeitpunkt. Noch ist Winter. Auf den Feldern und an den Bäumen passiert noch nicht so viel. Da konnte auch der Sturm „Sabine“ noch kaum Schaden anrichten.

Noch keine Folienbahnen auf den Kirschen, keine Blüten an den Bäumen – es ist alles im grünen Bereich im Apfelparadies Tönisvorst von Bernd Schumacher. Ihn freut, dass es in letzter Zeit einigen Regen gegeben hat: „So können wir gestärkt in den Sommer gehen“, so Schumacher. Die letzten beiden sehr trockenen Sommer hatten die Reserven im Boden doch arg aufgezehrt.

Beim Regen darf es gerne noch ein bisschen mehr sein

„Im Wäldchen ist der eine oder andere Baum umgekippt, der schon im Vorfeld unter der Trockenheit gelitten hatten“, berichtet der Vorster Landwirt Peter Joppen. Alles im allem sei es aber glimpflich abgelaufen, er habe mit mehr Schäden gerechnet. Die obere Bodenschicht sei nun durch den Regen der vergangenen Wochen gut versorgt. Damit die unteren Schichten allerdings wieder genug Wasser bekommen, dürfte es im Februar aber gerne noch mal rund 100 Millimeter, also Liter pro Quadratmeter, regnen. Außerdem habe man einen sehr milden Winter. Eine Frost-Periode von unter null Grad für acht bis 14 Tagen wäre auch nicht schlecht, so Joppen.

Den milden Winter bestätigt auch der Vorsitzende der Kreisbauernschaft, Paul-Christian Küskens. „Richtiger Frost wäre gut gewesen.“ Dieser sorgt für die sogenannte Frostgare. Die Eiskristalle brechen den Boden auf, machen ihn locker. Ein Zustand, den man auch mit Maschinen nicht herstellen könne, so Küskens. Auch Schädlinge, wie zum Beispiel Mäuse, würden durch den Frost zurückgedrängt. Das fällt durch einen milden Winter aus.

Andererseits sorgen die milden Temperaturen dafür, dass die Natur stellenweise schon früher erwacht. „Die Aprikosen fangen schon an zu treiben“, stellt Bernd Schumacher in seinem Betrieb fest. Bei den Äpfeln ist dagegen noch alles ruhig. Auf Frost würde Schumacher daher gerne verzichten. Denn Blüten oder kleinen Früchten könnte dieser durchaus noch schaden. Ganz hilflos sind die Landwirte dagegen zwar nicht. Mit Beregnung und Windrädern könne man gegen die Eiseskälte aktiv werden. Aber lieber wäre es dem Landwirt, wenn das nicht notwendig wird. Auch biete das milde Wetter die Gelegenheit, mit allen vorbereitenden Arbeiten schon voranzukommen, so Schumacher.

Auch Paul-Christian Küskens würde sich nun wünschen, dass der Frühling beginnt und gerne genug Sonne und Regen mitbringt. Wenn Ende Februar das erste Gemüse auf den Feldern gepflanzt werde, wenn Folien ausgelegt werden, dann könne man Unwetter – besonders mit Hagel – nicht gebrauchen.

Sorten mit Resistenz gegen Trockenheit

Mit Blick auf die heißen und trockenen Sommer der vergangenen Jahre reagieren die Landwirte bereits mit anderen Sorten, so Küskens. Für den Mais stünden bereits verschiedene Sorten zur Verfügung. Und auch für Getreide erhoffen sich die Landwirte durch Veränderungen bei den Sorten eine bessere Resistenz bei Trockenheit und Krankheiten. So hätten die Landwirte bei Gerste gute Erträge zu verzeichnen gehabt, wohingegen für den Weizen, der drei bis vier Wochen später reift, die Trockenheit zur falschen Zeit kam. „Da gibt es die Möglichkeit, Sorten zu sähen, die früher reif werden. So verschenkt man vielleicht ein wenig Masse, weil sie nicht so lange reifen, dafür verhindert man aber einen Totalausfall“, erklärt Küskens.

Im März wird es in Sachen Feldarbeit wieder spannend für die Landwirte. Zurzeit laufen eher vorbereitende Arbeiten. Auch erste Bodendünungen mit Gülle finden schon wieder statt.