Freiwillige Feuerwehr Tönisvorst „Der Hilferuf ist angekommen“

Tönisvorst · Vor gut vier Jahren stand die Feuerwehr Tönisvorst vor großen Herausforderungen: Es gab interne Querelen, Wehr- und Löschzugführung wurden getrennt, dann kam die Corona-Pandemie. Was sich laut Feuerwehrchef Griese seitdem getan hat.

Jens Griese, hauptamtlicher Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Tönisvorst, vor dem neuen Drehleiterwagen. Er fühlt sich und die Feuerwehr von Politik und Verwaltung gehört.

Jens Griese, hauptamtlicher Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Tönisvorst, vor dem neuen Drehleiterwagen. Er fühlt sich und die Feuerwehr von Politik und Verwaltung gehört.

Foto: Norbert Prümen

Nach knapp dreieinhalb Jahren im Amt hat Feuerwehrchef Jens Griese keinen Plan B mehr. Das elterliche Abbruchunternehmen, das er vor seinem Start als hauptamtlicher Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Tönisvorst Mitte 2020 geleitet und dann zunächst an seinen Vater zurückgegeben hatte, wird verkauft. „Ich möchte diese Option nicht mehr ziehen“, sagt der 44-Jährige. Er ist in seiner neuen Position angekommen, und „es läuft wirklich gut“.

Dabei war die Aufgabe, vor der der Stadtbrandinspektor damals stand, alles andere als klein. Probleme innerhalb der Feuerwehr bestanden damals bereits seit längerem, aber erst als Ende 2019 der stellvertretende Wehrführer und Löschzugführer Vorst sowie mehrere Ehrenamtler aus der Führungsriege des Vorster Löschzugs zurücktraten, wurden sie öffentlich. Zur Ursache des Konflikts hält sich die Feuerwehr bedeckt. Die Einsatzfähigkeit habe aber nie gelitten, so Griese. Als Folge aber wurden Wehr- und Löschzugführung getrennt. Danach galt es, die beiden Löschzüge Vorst und St. Tönis einander wieder näher zu führen, ein Wir-Gefühl zu erzeugen.

Das sei inzwischen in weiten Teilen gelungen, sagt Griese, etwa dadurch, dass es nun gemeinsame E-Mailadressen gibt und regelmäßige Übungen nicht mehr getrennt, sondern zusammen durchgeführt werden. Ehrungen langjähriger Mitglieder werden nicht mehr auf den jeweiligen Jahreshauptversammlungen der Löschzüge, sondern bei gemeinsamen Treffen vorgenommen. Derzeit arbeite die Wehr an weiteren gemeinschaftlichen Ausbildungskonzepten. „Wir sind so klein“, sagt Griese, „da müssen wir uns gegenseitig unterstützen.“

Zum Vorster Löschzug, der 1883 gegründet wurde, gehören aktuell 41 Kräfte, darunter zwei Frauen. Der Löschzug St. Tönis, 1809 als Rettungsdienst gestartet, hat 63 Mitglieder (drei Frauen). Seit der kommunalen Neugliederung 1970 bilden sie die Feuerwehr Tönisvorst. 334 Einsätze haben sie 2023 absolviert (St. Tönis: 231, Vorst: 103).

Jeder Löschzug hat einen eigenen Schwerpunkt, erläutert Griese. Die Vorster Wehr besitzt ein Messfahrzeug für den ABC-Einsatz, ist also Spezialist für die Umwelt, zur Bekämpfung von atomaren, biologischen und chemischen Gefahren und in dieser Funktion Teil des ABC-Erkunders des Kreises Viersen. Bei den St. Tönisern geht es vor allem um die technische Hilfeleistung.

Als Griese startete, steckte die Welt gerade in der Corona-Krise, mit all ihren Auswirkungen. Unter anderem war bei Feuerwehren deswegen der Übungsbetrieb komplett eingestellt worden – für das Zusammenbringen der Tönisvorster Löschzüge eigentlich genau das Falsche. Aber die Mitglieder hätten gezeigt, dass sie zusammenwachsen wollen, berichtet Griese: „Jeder hat mitgezogen.“ Statt weiter zu spalten, hätten Ersatzmaßnahmen wie gemeinsame Online-Schulungen und später Übungen mit verkleinerten Gruppen für mehr Zusammenhalt gesorgt.

Langfristig sei bei den Mitgliedern durch Corona allerdings, wie bei anderen Feuerwehren auch, die persönliche Motivation gesunken, erläutert der Wehrleiter: „Man hat sich ein bisschen an die viele Freizeit gewöhnt.“ Nun gelte es, die Wehrkräfte wieder zurückzugewinnen. Es sei schwierig, immer alle Personen unter einen Hut zu bringen, bei jedem den passenden Zugang zu finden, sagt Griese, „aber auch sehr spannend“.

Die Unterstützung durch
die Stadt wird gelobt

Der Stadtbrandinspektor selbst haderte anfangs mit seinen neuen Verwaltungsaufgaben. „Vieles dauert“, sagt er. Dabei ist er es gewöhnt, anzupacken, im Notfall zügig zu agieren. So war der St. Töniser beispielsweise zeitweise auch Mitglied der Einsatzleitung nach der Flutkatastrophe im Ahrtal 2021.

Der 44-jährige beschreibt die Zusammenarbeit mit der Tönisvorster Stadtverwaltung und der Politik dennoch als sehr gut, „wir haben gute Unterstützung“. Damit meint er etwa das rund 850 000 Euro teure Drehleiterfahrzeug, das Ende 2023 angeschafft wurde, oder zwei neue Einsatzleitfahrzeuge, zwei neue Löschfahrzeuge sowie einen neuen Kommandowagen und einen zweiten Satz technische Ausrüstung – alles unter anderem im rund zwei Millionen Euro schweren Haushaltspaket der Jahre 2024 bis 2027 für die Feuerwehr enthalten.

Am wichtigsten dabei aber ist: Griese fühlt sich und die Feuerwehr gehört. Inmitten der damaligen Querelen und nach einem öffentlichen Hilferuf der Feuerwehr wurden Strukturen verändert, Posten neu besetzt. Die Politik reagierte mit diesen Maßnahmen auf einen Wunsch aus den Reihen der Feuerwehr. Nun eben kommt noch die technische Aufstockung hinzu. Griese ist glücklich: „Der Hilferuf von damals ist angekommen.“

Als Wehrleiter ist Griese für sechs Jahre bestellt, also bis Mitte 2026. Er agierte die ersten neun Monate seiner neuen Tätigkeit als Ehrenamtler, um für sich den beruflichen Übergang fließender zu gestalten; seit April 2021 ist er hauptamtlicher Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Tönisvorst. Und mit dem Verkauf seines Betriebs steht jetzt endgültig fest: Er möchte es gerne bleiben. „Auf jeden Fall“, sagt er.

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