Wirtschaftsförderung in Tönisvorst Politik kritisiert die Stadtverwaltung

Tönisvorst · Der Ausschuss für Mobilität, Digitalisierung und Wirtschaftsförderung tagte im neuen Firmensitz von Noffz Technologies. Um die Stadt selbst für die Zukunft fit zu machen, fehlen in Tönisvorst die Ideen.

Was die Wirtschaftsförderung betrifft, soll sich die Stadt beraten lassen, fordert die Politik.

Was die Wirtschaftsförderung betrifft, soll sich die Stadt beraten lassen, fordert die Politik.

Foto: Andreas Baum

Himmelhoch jauchzend, zutiefst betrübt. Die Sitzung des Ausschusses für Mobilität, Digitalisierung und Wirtschaftsförderung war ein Wechselbad der Gefühle: Für ihr Zusammenkommen waren die Ausschussmitglieder zu Gast im neuen Firmensitz der Noffz Technologies GmbH an der Vorster Straße 238. Vom Einmann-Unternehmen 1989 über die Stationen Tackweg und Tempelsweg arbeiten jetzt 150 Mitarbeiter im riesigen Neubau, der nach nur zehn Monaten Bauzeit im Oktober 2023 bezogen werden konnte. Elf Millionen Euro hat das Familienunternehmen investiert.

Tobias Noffz führte die Ausschussmitglieder persönlich durch die Fertigungshalle des High-Tech-Unternehmens, das vor allem Prüfgeräte für elektronische Bauteile der Automobil- und Telekommunikationsindustrie entwickelt. Bei der Prüfung von Radarsensoren spielt Noffz in der Weltliga. Entsprechend beeindruckt zeigten sich die Kommunalpolitiker.

Grüne fordern Rückkehr
zum verschlüsselten WLAN

Doch bei der anschließenden Sitzung im Pausenraum machte die Euphorie sofort wieder Pause. Die vielen Hürden der Digitalisierung im Alltag holte den Ausschuss schnell wieder ein. Mit einem Antrag forderten die Grünen die Stadtverwaltung auf, im Ratssaal wieder auf verschlüsseltes WLAN zurückzugreifen und die iPads der Politiker über das Mobile Device Management (MDM) anzubinden. Seit einiger Zeit liefen die den Stadtverordneten zur Verfügung gestellten iPads zwar über eine städtische WLAN-Verbindung, aber unverschlüsselt. Für die SPD-Fraktion schloss sich Heinz Michael Horst „voll und ganz“ an und kritisierte, „was die Verwaltung uns zumutet“. Und Alexander Decher (CDU) befand, „es wäre schön, wenn es so eines Antrags nicht mehr bedarf.“ Der Grünen-Antrag ging einstimmig durch.

Verwirrender war die Diskussion zu einem UWT-Antrag mit dem Thema Wirtschaftsförderung. Beim Rundgang durch das neue Firmengebäude hatte Tobias Noffz die städtische Wirtschaftsförderung noch in den höchsten Tönen gelobt, jetzt stand sie auf dem Prüfstand – ohne dass der Wirtschaftsförderer direkt angegangen wurde. Dabei hat es der Text der Antragsbegründung in sich: „Der bisherige Stillstand muss ein Ende finden.“ Oder noch direkter: „Der Wirtschaftsförderer sieht sich aus zeitlichen Gründen nicht in der Lage, konzeptionelle Ideen zu einer veränderten Wirtschaftsförderung in der Stadt zu entwickeln.“ Mit freundlichen Grüßen unterschrieben von Jörg Frick, Geschäftsführer der Fraktion UWT 2020. Wie Heidrun Sorgalla für die UWT im Ausschuss erklärte, solle die Verwaltung drei Fachunternehmen kontaktieren und sich für ein Konzept der Wirtschaftsförderung beraten lassen. Die konkreten Angebote sollten auch Standortentwicklung und -marketing enthalten sowie strategische Ziele formulieren.

Von der Verwaltung kam als Alternative zu einer „kostenintensiven“ Beratung der Vorschlag, ein konkretes Thema im Rahmen einer Bachelor-Abschlussarbeit von einem Studenten ausarbeiten zu lassen. Erste Kontakte zur Hochschule Niederrhein wurden aufgenommen. Dass eine Bachelor-Arbeit nicht ausreicht, war schnell klar. Die Verwaltung wurde jetzt einstimmig aufgefordert, auf Grundlage der Diskussion im Ausschuss eine neue Vorlage zu erstellen. Der Ausschuss tendiert dazu, beide Wege zu gehen: sich beraten lassen und Hochschulen einbinden. Philipp Janßen (GUT) brachte es am Ende auf den Punkt: „Wir brauchen neue Ideen“.

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