Feldahorn, Stieleiche, Holunder Erster Miniwald nach Miyawaki-Methode in St. Tönis gepflanzt

St. Tönis · Rund 40 Helfer haben am Samstag den ersten Miniwald in der Apfelstadt gepflanzt. Dabei werden Bäume und Sträucher auf engstem Raum gesetzt. Organisiert wurde die Aktion von den Grünen.

 Viele fleißige Helfer pflanzten am Samstag 500 Bäume und Sträucher, damit ein Miniwald entsteht.

Viele fleißige Helfer pflanzten am Samstag 500 Bäume und Sträucher, damit ein Miniwald entsteht.

Foto: Norbert Prümen

Auf der mehrere Hundert Quadratmeter großen gepflasterten Einfahrt von Familie Herzberg-Schaub in St. Tönis trudeln nach und nach immer mehr Menschen unterschiedlichen Alters ein. Sie tragen Arbeitskleidung und feste Schuhe, viele haben einen Spaten dabei. Neugierige Blicke fallen zu dem Rasenstück, wo eine rund 160 Quadratmeter große Fläche ohne Bewuchs und mit einem Mulchhaufen zu sehen ist. Drumherum liegen ganze Bündel von wurzelnackten Jungpflanzen.

„Wir freuen uns, dass so viele Helfer gekommen sind und wir heute gemeinsam den ersten Miyawaki-Miniwald pflanzen“, begrüßt Ralph Thoms, Stadtverordneter der Grünen in Tönisvorst, die rund 40 Personen. 500 Setzlinge – unterschiedlichste Sträucher, angefangen von Hartriegel über Holunder bis Pfaffenhütchen sowie Bäume wie Feldahorn, Roterle und Stieleiche – warten darauf, in die Erde gebracht zu werden.

Und das in einer besonderen Form: Bei der Methode, die auf den inzwischen japanischen Pflanzensoziologen Akira Miyawaki (1928-2021) zurückgeht, geht es darum, dass Pflanzen auf kleinem Raum dicht an dicht gesetzt werden. So soll eine Konkurrenz um das Licht entstehen, die Bäume sollen entsprechend schneller wachsen. Dabei soll eine Art Miniwald entstehen, der dem Klima gut tut und für Artenvielfalt sorgt.

Die Grünen in Tönisvorst wollten diese Idee umsetzen und starteten einen Aufruf, bei dem sie Privatflächen für die Anlage eines solchen Miniwaldes in Tönisvorst suchten. „Vier private Eigentümer meldeten sich, wobei sich die Fläche bei der Familie Herzberg-Schaub als die geeignetste herausstellte. Es muss nämlich eine breite rechteckige Fläche sein, damit die Methode funktioniert. Lange schmale Flächen sind nicht geeignet“, sagt Thoms. Zusammen mit dem Verein Citizens Forests wurde das Projekt geplant und über Crowdfunding finanziert. Die Pflanzen, die über die Forstbaumschule Selders aus Hünxe geordert wurden, haben laut Thoms einen Wert von 800 Euro.

Dass die Wurzeln nach unten kämen, bräuchte er ja keinem zu erzählen, bemerkt der Stadtverordnete bei seiner kurzen Einführung lächelnd. Nichtsdestotrotz erinnert er daran, dass es gerade bei Pflanzen mit langen Wurzeln darauf ankommt, mit dem Spaten tief genug in die Erde zu gehen, um der Wurzel Platz zu geben und sie nicht als Wurzelknäuel einzupflanzen.

Dann geht es los. Zweier-Teams greifen zu den Bündeln, die jeweils aus sechs Sträuchern und einem Baum bestehen. Zu den Helfern gehört auch Tabea von der Rupert-Neudeck-Gesamtschule in St. Tönis. „Wir sind über die Schule angesprochen worden. Ich finde es wichtig, etwas für das Klima zu tun“, sagt die Sechstklässlerin, die mit ihrem Vater gekommen ist, der „eigentlich nur das Taxi spielen wollte“, wie er verrät, aber jetzt auch zu den Helfern gehört. „In Sachen Wald sind wir immer dabei“, bemerkt Sven Schröder, der mit seinem Sohn Titus ebenfalls mitpflanzt. Der Fünftklässler der Gesamtschule, der auch in der Streuobstwiesen-AG aktiv ist, kennt sich schon gut aus. Nach und nach finden Bäume und Sträucher ihren Platz in der Erde. Danach wird die Fläche großzügig gemulcht.

In der großen Doppelgarage haben Natalie Herberg-Schaub und Axel Schaub Bierzeltgarnituren aufgebaut, laden zu warmen Getränken und Selbstgebackenem ein. Eine Stärkung müsse sein, bemerkt Herzberg-Schaub. „Wir haben über die Zeitung von der Aktion erfahren. Viel Wald hilft viel. Wir haben Platz auf unserem Grundstück und wollen gerne etwas für den Klimaschutz tun“, erklärt Schaub.

Zehn Jahre ist die Familie verpflichtet, den Miniwald auf ihrem Grundstück zu belassen. Laut Thoms ist keine Pflege nötig. Der Miniwald solle einfach wachsen. „Wir wollen den Miniwald aber auch nach den zehn Jahren stehen lassen“, blickt Herzberg-Schaub in die Zukunft. „Es ist ein kleiner Beitrag, aber viele kleine Beiträge zusammen können etwas bewirken“, betont Thoms. Er hofft nun, dass dem ersten Miniwald der Apfelstadt weitere folgen werden.

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