Tönisvorst: Der Versuchs-Supermarkt

Tönisvorst: Der Versuchs-Supermarkt

Seit einem Jahr gibt es den Real Future Store in Tönisvorst. Die eigene Bilanz fällt sehr gut aus.

Tönisvorst. Er gilt als die Ideenschmiede von Real: der Future Store zwischen St. Tönis und Vorst. Dort wird alles ausprobiert, was die Marketing-Strategen und Verkaufs-Experten sich so ausdenken. Damit aber eine Neuerung funktioniert, muss vor allem eine Voraussetzung erfüllt sein, die Unternehmens-Sprecher Albrecht von Truchseß treffend beschreibt: "Bei allen Selbstzahlerkassen und toller Technologie darf nicht vergessen werden, dass Handel vor allem über Menschen funktioniert." Weshalb zum kleinen Jubiläum - der Future Store existiert nun seit einem Jahr - es viel Lob für das Personal im Markt gibt.

Aber auch die Zahlen sprächen für sich, betont von Truchseß. Der Tönisvorster Markt verzeichnete im abgelaufenen Jahr ein Umsatz-Plus von 15 Prozent. Zusätzlich registrierte man 20Prozent Neukunden und eine fast unglaubliche Kundenzufriedenheit von 98 Prozent.

"Wir wollen den Einkauf zum Erlebnis machen", ist das Credo der Real-Leute. Das bedeutet: Vor der Fischtheke wird eine Projektion auf den Boden geworfen, in der sich Fische tummeln, im Hintergrund läuft Meeresrauschen aus dem Lautsprecher, zudem riecht die Luft hier dezent nach Zitronen-Aroma. Dieser Teil des Geschäfts wurde im vergangenen Jahr als bundesweit beste Fischtheke ausgezeichnet.

Beim Meistermetzger ist das Fleischer-Handwerk hautnah zu beobachten und im Sportbereich haben die Kunden viel Platz, um die Geräte beispielsweise zu testen. Im letzteren Fall geschieht das mit einigem Verkaufserfolg. Der Tönisvorster Laden verkaufte 45 Prozent mehr Sportgeräte als im Vorjahreszeitraum.

Ein Flaggschiff in dem Geschäft seien die Bedientheken, die extrem gut angenommen und von der Kundschaft exzellent bewertet würden. So kann’s nicht verwundern, dass eine ganze Reihe Veränderungen bereits in andere Märkte übernommen wurden. Das gilt auch für den Drogeriebereich. Dort kann Kundin sich z.B. fotografieren lassen, anschließend kann sie an ihrem Foto austesten, welches Make-Up oder welche Wimperntusche am besten aussieht.

Neu seit Donnerstag ist eine Abteilung mit Feinkost-Spezialitäten. Die Kunden müssten nicht mehr unbedingt in exotische Läden gehen, um bestimmte Artikel zu bekommen. Sollte dieses Konzept in andere Geschäfte übertragen werden, könnte man das Spezialitäten-Sortiment je nach Region variieren.

Was gut angenommen wird: die Selbstzahler-Kassen. Die sind ebenfalls an anderen Stellen schon in Betrieb, neu sind die Schnell-Selbstbedienungskassen. Die würden von rund 20 Prozent der Kunden genutzt. Und in diesem Bereich hat auch die Zukunft bereits begonnen, was die Art und Weise des Bezahlens angeht. Neben der herkömmlichen Weise - mit EC- oder Kreditkarte - funktioniert das auch per Fingerabdruck oder mit dem Handy. Ach ja: Zur Not funktioniert das natürlich auch mit Bargeld.

Zurück zum Handy: Ab sofort können Kunden deutschlandweit elektronische Einkaufszettel erstellen und auf ihr Mobiltelefon übertragen. Zusätzlich kann man Produktinformationen übertragen. Das haben 100 Testkunden bereits erprobt. Das klingt abgefahren: Künftig soll es möglich sein, dass der Kunde direkt beim Einkauf die Waren, die er in den Wagen legt, mit dem Handy scannt. Wenn er fertig ist, klickt er auf "fertig" und geht zum Bezahl-Terminal und löhnt z.B. per Fingerabdruck.

"Wir sind eine lebendige Testplattform", freute sich Gerd Wolfram, "Vater" des Future Store. Er setzt darauf, dass das Handy künftig weiter als Allzweckwaffe gebraucht werde und die Möglichkeit nochmal deutlich ausgeweitet werden.

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