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Textn von Marcell Feldberg und Linolschnitte von Nicolas Poignon

Marcell Feldberg : Kirchenmusiker textet zu Linolschnitten

Der Schiefbahner Marcell Feldberg schrieb Poesie zu Arbeiten von Nicolas Poignon.

Der heutige Samstag, 14. März, ist ein besonderer Tag für Marcell Feldberg: Heute stellt der Londoner Galerist Emanuel van Baeyer anlässlich der Kunstmesse TEFAF in Maastricht in der Andrieskapelle der Öffentlichkeit ein neues Portfolio von Marcell Feldberg, Kirchenmusiker aus Schiefbahn, vor. In der Kassette, die in einer Auflage von zehn Stück erscheint, liegen je zehn Textseiten von Feldberg und Linolschnitte des französischen Künstlers Nicolas Poignon.

Van Baeyer war es, der Wort- und Bildkünstler zusammenbrachte. Doch die zarten und gleichzeitig ausdrucksstarken Linolschnitte von Poignon kannte Feldberg schon vorher. 2018 begann eine Art künstlerischer Korrespondenz: Feldberg formulierte Texte, die von den Drucken des Franzosen angeregt waren. Doch auch die Umgebung Feldbergs ist in sie eingeflossen. „Was genau daraus werden sollte, war lange unklar“, erklärt Feldberg. Eine Publikation aber war immer geplant, die von van Baeyer herausgegeben werden würde.

„Ephemeriden“ lautet der Titel der Texte von Feldberg. Ephemeriden, das ist ein Begriff aus der Astronomie und bezeichnet die Positionswerte sich bewegender astronomischer Objekte bezogen auf ein Koordinatensystem. Die Positionsangaben werden jeweils für einen Tag gemacht.

Die Texte Feldbergs haben einen fragmentarischen Charakter

Das Ephemere ist also das Entlegene. Und aus dem Entlegenen kommen die Ideen für die Aufzeichnungen von Feldberg. Ihn beschäftigt das Gegensatzpaar Stadt und Land. „Wer auf dem Land ist, soll nicht mehr in die Stadt gehen.“ „Landschaft auf Löschpapier.“ „Über der ausgeleerten Landschaft hebt sich eine Wolkenwand – graue Schiefertafel, unbeschrieben“, so klingen einige Zeilen aus Feldbergs Gedichten. „Mich interessieren die Nahtstellen, Übergänge und Widersprüche zwischen Stadt und Land“, erklärt Feldberg. Stadt und Land gehen ineinander über. Es gibt Parallelen, doch es gibt auch Gegensätze.

Ein kleines Heft hat der Musiker gefüllt mit seinen Beobachtungen und Ideen. Aus ihnen entstanden die Gedichte. „Ein Haus am Weg. Kleine Eingangstür/Demutspforte. Kleines Fenster in die Natur.“ „Wartet im Bahnhof – Zelt aus Glas und Eisen“ heißen andere Zeilen von Feldberg. Keine klassischen Reime sind das, sondern disparate, fragmentarische Texte. Einfach zu lesen sind sie nicht: Die Satzfragmente werden auseinandergezogen, man bekommt keinen Fließtext zu sehen – im äußersten Fall setzt der Leser die Texte auf eigene Weise zusammen. In ihnen finden sich Dinge, die Feldberg mal gehört hat, auch Bibelzitate, viele eigene Gedanken, alle hervorgerufen durch Entdeckungen auf dem Land oder in Städten.

Marcell Feldberg wurde 1968 in Willich geboren. Er studierte Kirchenmusik, Germanistik und Philosophie. Nicht nur arbeitet er als Kirchenmusiker in der Gemeinschaft der Gemeinden Willich, sondern auch als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Forschungsstelle für Sepulkralmusik an der Robert-Schumann-Hochschule in Düsseldorf. Als Lyriker ist Feldberg schon seit vielen Jahren tätig, er hat auch bereits mehrere Gedichtbände mit seinen Werken veröffentlicht.