Tennis und Badminton: Saiten statt Wolle in St. Tönis

Lokale Wirtschaft : Saiten statt Wolle in St. Tönis

Wo es bei Familie Ziegler früher um Zubehör zur Handarbeit ging, ist nun Michael Harzer als Experte für Tennis und Badminton aktiv.

Es ist, zugegeben, eine schon recht abgegriffene Formulierung. Doch auf Michael Harzer, das wird bereits nach wenigen Gesprächsminuten klar, passt sie perfekt: Der 59-Jährige hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Am vergangenen Samstag eröffnete er sein Racket-Sport-Geschäft an der Krefelder Straße 3 in St. Tönis. Badminton- und Tennis-Fans finden dort ab sofort eine Auswahl an Spielgeräten. Einen Schwerpunkt bildet die Bespannung: Insgesamt stehen sechs verschiedene Saiten für Tennis- und Badminton-Schläger zur Auswahl.

Im Alter von neun Jahren habe ihn das Badminton-Fieber gepackt, erzählt Michael Harzer, der aus dem Rhein-Sieg-Kreis stammt. Seitdem habe er praktisch ununterbrochen im Verein gespielt, „sogar während der Bundeswehrzeit“. Unzählige Wochenenden hat er in Sporthallen in NRW verbracht. Der Neu-Niederrheiner, seit Oktober wohnt er über dem Ladenlokal, ist bereits Mitglied bei der ortsansässigen Teutonia. An Turnieren nimmt er allerdings nicht mehr teil. „Es war eine schöne Zeit, aber sie ist vorbei“, sagt er.

In einer kühlen Halle sei ein kopflastiger Schläger angebracht

Nun möchte er seine Kunden von seinem reichen Erfahrungsschatz im Badminton-Bereich profitieren lassen. Er selbst hat immer fünf bis sechs verschiedene Schläger dabei, um auf alle Gegebenheiten vorbereitet zu sein. „Für eine warme Halle braucht man beispielsweise einen Schläger, der nicht soviel ,Wums’ hat. Ist es kühl in der Halle, ist ein kopflastiger Schläger angebracht, um den Ball überhaupt übers Netz zu bekommen.“

Mit dem Einzug des Sportgeschäfts ging ein mehrmonatiger Leerstand zu Ende. Und damit auch das große Rätselraten in St. Tönis, welches Sortiment künftig an dieser prominenten Stelle zu finden sein wird. Am Ladengeschäft in der „abknickenden Vorfahrt“, in unmittelbarer Nähe zu Fußgängerzone und Rewe-Markt und direkt gegenüber der Sparkasse, kommen Tag für Tag viele Menschen vorbei.

Das Interesse ist auch deswegen groß, weil sich dort vormals das Traditionsgeschäft Ziegler befand. Gegründet vor mehr als 85 Jahren von Agnes Ziegler am Alten Markt, war es seit Ende der 50er Jahre an der Krefelder Straße beheimatet und eine feste Adresse in Sachen Handarbeit. Ziegler stand für Stricken, Sticken, Patchwork etc.; 1969 hatte Doris Technau begonnen, ihrer Mutter im Geschäft zu helfen. 1978 übernahm sie den Laden offiziell. Doch mit Mitte 70 und nach 40 Jahren Selbstständigkeit ging sie im vergangenen Jahr in den Ruhestand. Ursprünglich sollte Tochter Andrea Haase-Technau das Geschäft fortführen. Diese Nachfolgeregelung zerschlug sich jedoch kurzfristig.

Stattdessen hat mit Michael Harzer der Lebensgefährte von Andrea Haase-Technau den Standort übernommen – auch wenn es bei nicht mehr um Garn und Wolle, sondern um Schläger, Bälle und Saiten geht. Der Fokus liegt auf den Marken Oliver, Victor und Babolat. Die Bespannung ist Chefsache, Angestellte gibt es noch nicht. Der gelernte Einzelhandelskaufmann hat sich gründlich auf die Geschäftseröffnung vorbereitet. So hat er beispielsweise 16 Vereine mit Badminton-Abteilung im Umkreis gezählt. Auch die Tennis-Szene am Niederrhein sei groß. Am vergangenen Wochenende hat er bereits die ersten Schläger bespannt.

Nun freue er sich, mit weiteren Kunden ins Gespräch zu kommen, um ihre ganz konkreten Wünsche zu erfahren. „Diese Arbeit macht mir großen Spaß. Ich kann mir gut vorstellen, das Geschäft zehn Jahre und länger zu betreiben.“ Und auch wenn demnächst ein privater Umzug nach Oedt ansteht – „Racket-Sport-Harzer bleibt in St. Tönis“.

racket-sport-harzer.de