„Taubenzucht ist keine Quälerei“

Die Brieftaubenfreunde wehren sich gegen Vorwürfe von Tierschützern.

Anrath. Sind Brieftaubenliebhaber Tierquäler? Die Tierrechtsorganisation Peta sieht das so. Sie übt heftige Kritik am Regionalverband Rhein-Ruhr-Grenzland und nennt in diesem Zusammenhang auch die Reisevereinigung Viersen-Anrath. Die fürchtet radikale Sympathisanten, Fälle von Vandalismus habe es bereits gegeben.

Die Züchter möchten deshalb nicht namentlich genannt werden. Ungeachtet dessen nehmen sie gegenüber der WZ zu den Vorwürfen Stellung, weisen sie größtenteils zurück, relativieren aber auch gelegentlich.

Peta fordert ein Verbot der Taubenwettflüge, bezeichnet den Brieftaubensport als tierschutzwidrig. Was unter anderem beklagt wird: „In der Regel werden die Tauben bewusst von ihren Partnern oder ihrer Brut getrennt — damit ist für die treuen Tiere nicht Ehrgeiz die Motivation zur Heimkehr, sondern die Sehnsucht nach ihrem Heimatschlag.“

Die Willicher Brieftaubenzüchter bestätigen, dass früher so vorgegangen wurde. „Die Flugtauben sind Singles, viele von ihnen sind noch gar nicht geschlechtsreif“, erklären sie gegenüber der WZ. Räumen aber ein: „Sie beeilen sich natürlich, um so schnell wie möglich ihren Heimatschlag zu erreichen.“

Die Spezialfahrzeuge, mit denen die Tauben zu den Auflassorten gebracht werden, seien auf das Wohlbefinden der Tiere ausgerichtet: Es gebe frisches Wasser und wenn das Wetter bedrohlich schlecht sei, werde der Flug abgesagt. Jungtauben könnten locker 30 bis 280 Kilometer zurücklegen. Erwachsenen Tauben ist es durchaus möglich, bis 600 zu Kilometer zu fliegen. Sie erreichen maximalen Geschwindigkeiten von 140 Stundenkilometern.

„Ein Züchter sieht, wenn eine Taube müde ist, sich nicht wohlfühlt — er lässt sie dann zu Hause“, erklärt ein Brieftaubenzüchter. Peta kritisiert unter anderem, dass viele Taube nicht zu ihrem Schlag zurückkehren. Ein Züchter nennt seine Zahlen: „In der vergangenen Saison habe ich fünf von 28 Tieren verloren.“ Die Gründe seien nicht nachvollziehbar. Fest stehe aber, dass verstärkt Raubvögel ausgewildert würden — unter diesem Aspekt könne man auch den Nabu der Tierquälerei beschuldigen. Raubvögel gebe es auch hier. Selbst wenn die Wettkämpfe aufgegeben würden, würden Tauben ihnen zum Opfer fallen.

Peta wirft den Züchtern zudem vor, für die Zucht ungeeignete Tiere „ohne Betäubung mittels Langziehen des Halses und Umdrehen des Kopfes“ zu töten. „Zur Tierzucht gehört auch das Schlachten von Tieren“, erklärt ein Willicher Züchter. Taubensuppe sei lecker und gesund. Tiere würden auch als Nahrung für Zootiere verkauft, unter anderem an den Krefelder Zoo. Die Art der Tötung sei nicht wie von Peta beschrieben, sondern kurz und schmerzlos.