Tanzbienen, ein Therapeut — und kölsche Tön

Tanzbienen, ein Therapeut — und kölsche Tön

Das Prinzenpaar aus Tönisvorst sagte im Neersener Wahlefreldsaal „juten Tach“ — und erlebte eine tolle Sitzung.

Neersen. „Ja, juten Tach zusammen“: Im Neersener Wahlefeldsaal war jetzt ein Tönisvorster der „Eisbrecher“ auf der Sitzung der KG Schlossgeister: Karnevalsprinz Christian I. Klupsch sorgte mit großen Gefolge für Stimmung, mit dabei waren Prinzessin Nici I., Tanzmariechen Saskia Lebeau, die Treuen Husaren der Prinzengarde sowie die „Nachtfalter“. Und dass der Prinz „juten Tach“ sagte, war kein Versprecher: In Neersen fängt die Sitzung ja seit einigen Jahren nicht um 20.11 Uhr, sondern bereits um 18.11 Uhr statt.

Sitzungspräsident Detlef Nicola konnte erleichtert aufatmen: Der Wahlefeldsaal war so gut wie ausverkauft, rund 220 Närrinnen und Narren hatten sich für die unterschiedlichsten Kostüme entschieden. Anne Vogd aus Aachen war ganz in Rot erschienen. Das Thema der blonden Büttenrednerin war die Beziehung zwischen Mann und Frau. Sie wunderte sich, dass sich etliche Besucher als Singles outeten: „Jetzt gibt es doch die Ehe für alle.“ Und die Zuschauer erfuhren unter anderem, was eine „Blumenhochzeit“ ist: „Wenn sie verwelkt ist und er sich verduftet hat.“

Als eine gut vier Meter hohe Laterne auf der Bühne aufgebaut wurde, stand der Auftritt Joy Burgers unmittelbar bevor. Der Mann in der orangefarbenen Arbeitskleidung kletterte den Mast hoch wie ein Eichhörnchen, gab sich bewusst tölpelhaft bei dem Versuch, die Laterne zum Leuchten zu bringen.

Das Prinzenpaar hatte aus Tönisvorst importiert werden müssen, weil es in Willich mal wieder keins gibt. Dafür hatte die Willicher Kinderprinzessin Leonie II. Bommels einen tollen Auftritt, flankiert von Ministerin Isabella und Minister Maurice. Da wurde gereimt, da wurden Orden verliehen und das Publikum zündete die erste Rakete des Abends und spendete einen Riesenbeifall.

Von wegen „Bienensterben“: Die „Tanzbienen“ aus Neunkirchen-Seelscheid legten eine tolle Show aufs Parkett und die zehn jungen Männer hatten mehr mitgebracht als nur ihre Bienenkostüme. In den roten transparenten Röcken und den weißen Tops bewegten sie sich zum Wiener Walzer, ansonsten tanzten sie zu Karnevals-Evergreens. Detlef Nicola hatte auf die Uhr geschaut: „Ihr habt 22 Minuten am Stück getanzt, das wird euch so schnell niemand nachmachen.“ Und dann kam noch die Zugabe — und die zweite „Rakete“.

Im weißen Kittel trat Harald Siemens als „der Therapeut“ auf, als Paartherapeut. Von ihm lernten die Zuschauer, dass man drei Arten von Menschen im Leben begegne: Die einen sind ein Test, die anderen eine Bestrafung - und dann gibt es noch die, die ein Geschenk bedeuten. Wie sich die Zeiten geändert haben, machte der Therapeut an folgendem Beispiel deutlich: „Früher hatten die Eltern vier Kinder, heute haben die Kinder vier Eltern.“

Kölsche Tön erfüllten den Saal, als „Ne Kölsche Jung“ seinen Auftritt hatte. Dahinter verbarg sich Alex Radigk. „Den haben wir auf Mallorca im Swimmingpool kennengelernt“, sagte Sabine Leipertz. Es gab aber auch Akteure, die nicht von weit her kamen, sondern aus Neersen wie die Prinzengarde der KG Schlossgeister und die Tänzerinnen von Las Tropicals. Deren Thema war „Lebensretter“ — also Leute wie Polizisten, Ärzte, Feuerwehrleute. Ehrensache, dass zu den tollen Tänzen wieder ebenso tolle Kostüme gehörten.

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