Willich : Ein besonderer Dienst an der Gesellschaft

Auch in Willich gibt es seit Jahren Bedürftige, die auf Lebensmittelhilfen angewiesen sind. Die Willicher Tafel unterstützt seit 15 Jahren diese Menschen mit ihrer Arbeit.

Zügig packen die Mitarbeiter die Lebensmittel aus dem Wagen, tragen sie in die Räumlichkeiten der Jakob-Frantzen-Halle. Dort werden sie von den fleißigen Helfern für die Ausgabe sortiert. Die ersten „Kunden“ warten bereits schon. 

Seit gut einem Jahr ist Andreas Stumpf jetzt bei der Tafel mit dabei.  Der Ehrenamtler ist im „engagierten Vorruhestand“, wie er selbst betont – und seit dem 1. Juli auch neuer Vorsitzender der Willicher Tafel. „Der Laden läuft super, aber es gibt Sachen, die man sicher optimieren kann“, sagt er. Während der Pandemie habe man bis auf eine ganz kurze Zeit die Ausgabe an Lebensmitteln wahrgenommen. "Wir haben die Fahrer mit Masken versorgt, auch unsere Kunden, Schutzwände aufgestellt und die 1 Meter 50 Abstand gewahrt.“ In der Zeit sind bis heute prozentual in verschwindend geringer Zahl Helfer gegangen, sagt Stumpf. „Eigentlich sind alle bei der Stange geblieben.“

Im Moment sind es knapp 80 bis 90 Personen, die für die Tafel ehrenamtlich tätig sind – die Ältesten sind 85 Jahre alt. Insgesamt 22 Fahrer stehen zur Verfugung. 15 Ehrenamtler sind pro Tag eingeteilt für das Einsammeln der Lebensmittel, dem Sortieren und dem Fahren zu den vier Ausgabestellen: Am Montag erfolgt die Ausgabe am Neersener Pfarrheim, am Dienstag an der Kulturhalle Schiefbahn, am Donnerstag an der Josef-Frantzen-Halle in Willich und am Freitag an der Josefshalle Anrath, immer zwischen 14.30 Uhr und 16 Uhr.

Die Kundschaft sei in Pandemiezeiten stabil geblieben. Das Coronakonzept habe dazu beigetragen, „dass wir die Leute gut abgeholt haben.“ Zu der Tafel  komme das „klasssische Kleintel“, sagt Stumpf: „Es sind Menschen, wo die Rente nicht reicht oder die arbeitslos geworden sind.“ Wer Hilfe benötige, müsse die Bedürftigkeit nachweisen. Ihre Anzahl bewege sich "im mittleren dreistelligen Bereich“, schätzt Stumpf.

Man achte sorgsam darauf, dass die Menschen mit vernünftigen Lebensmitteln versorgt werden, umschreibt er die Palette der Spenden. „Wir bekommen reichlich an Obst und Gemüse, weil der Niederrhein uns eine Menge zur Verfügung stellt. Es kommt vieles nicht nur von den Supermärkten, sondern auch von den landwirtschaftlichen Betrieben – sowas wie Kartoffeln und Salate.“

Kühlprodukte wie Milch, Butter oder Aufschnitt seien im Vergleich zum vergangenen Jahr allerdings weniger geworden. „Das ist ein bundesweites Problem. Durch die Optimierung der Abläufe bei den Supermärkten bleibt weniger für uns übrig.“ Stumpf hofft persönlich, dass sich das nicht zu einem langfristigen Phänomen entwickelt.

Für die Helfer soll es Freitag abend in Neersen eine kleine interne Feier mit einem leckeren Abendessen geben – die 15 Jahre Tafel sind da aber nur ein Anlass. „Coronabedingt ist das letztes Jahr komplett ausgefallen.So wollen wir uns wenigstens für den täglichen Einsatz bedanken."

Am liebsten wäre es Stumpf natürlich, dass solche Institutionen wie die Willicher Tafel schlicht nicht nötig wären. „Eigentlich ist es für so ein reiches Land wie uns nicht so schön, wenn wir Tafeln benötigen.“ Aber man könne die Augen vor der Not von Menschen nicht verschließen. “Und das Engagement, dass die Helfer tagtäglich hier zeigen, das ist außergewöhnlich.“