St.Töniser gehört zum deutschen WM-Team in der Slowakei

Eishockey : Marcel Noebels im Viertelfinale der WM: Daumen drücken in St. Tönis

Der 27-jährige Eishockeyspieler tritt am Donnerstag mit Deutschland gegen Tschechien an. Ab 20.15 Uhr wird in Tönisvorst und Umgebung mitgefiebert.

Vermutlich ist es gar nicht messbar, aber in Tönisvorst wird der Spartensender „Sport 1“ am heutigen Donnerstag ab 20.15 Uhr besonders hohe Einschaltquoten verzeichnen. Dann tritt die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft im WM-Viertelfinale gegen Tschechien an. Und mittendrin statt nur dabei ist der in St. Tönis geborene Marcel Noebels. Während der 27-Jährige in Bratislava mit der Nummer 92 übers Eis flitzt, werden neben seinen Eltern Sabine und Jörg Noebels wieder zahlreiche Tönisvorster Fernsehen schauen und die Daumen drücken. Und im Hause Noebels wird wieder eine Kerze brennen. Denn die brennt immer, wenn Marcel irgendwo in der Welt auf dem Eis steht, wie Mutter Sabine Noebels anlässlich der Olympischen Spiele 2018 der WZ verriet.

Damals fieberte ganz Deutschland mit Noebels und seinen Teamkollegen. Nur wenige Minuten fehlten in einem packenden Olympia-Finale gegen Russland zu Gold. Am Ende feierte das Team von Trainer Marco Sturm aus deutscher Sicht die Eishockey-Sensation des Jahrhunderts: Silber bei Olympischen Spielen.

Inzwischen heißt der Trainer Toni Söderholm und es scheint, als hätte der Finne die deutsche Mannschaft taktisch und läuferisch noch einmal einen großen Schritt weitergebracht. Mit vier Siegen zum Auftakt gegen Großbritannien, Dänemark, Frankreich und WM-Gastgeber Slowakei ging das Turnier los. Nach einer deftigen 1:8-Klatsche gegen Kanada und einem 1:3 gegen die USA folgte am Dienstag ein Sensationssieg gegen Finnland (4:2). Nach diesen Resultaten und mit NHL-Star Leon Draisaitl in seinen Reihen gehört Deutschland nicht mehr zu den Underdogs, sondern völlig zurecht in die Top 8 der Welt – ins Viertelfinale.

Die Meinung, dass Deutschland sich in der Weltspitze etabliert hat, vertrat Noebels selbst zum WM-Start in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“: „Wir haben durch die letzten zwei, drei Jahre an Stellenwert gewonnen. Wir sind keine Mannschaft mehr, die die anderen auf die leichte Schulter nehmen. Den Respekt haben wir uns verdient und den wollen wir uns auch weiter erarbeiten.“

Noebels, der sein Geld als Stürmer der Eisbären Berlin verdient, hat das Eishockeyspielen beim Krefelder EV gelernt. Mit 14 Jahren ging es aber schon ins Eishockey-Internat nach Berlin. Seine erste Profistation in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) waren dann die Krefeld Pinguine, bevor er 2010 den großen Schritt in die USA wagte. Den Durchbruch in der besten Liga der Welt, der NHL, schaffte der Tönisvorster aber damals nicht. Seit 2014 spielt er in Berlin – und regelmäßig um die Deutsche Meisterschaft.

Der nordamerikanische Traum lebt im Wahl-Berliner indes weiter. Im vergangenen Jahr war Noebels zu Gast im Trainingscamp der Boston Bruins. Es reichte jedoch nicht für eine Verpflichtung durch den NHL-Club. In der Szene wird aber gemunkelt, dass der 27-Jährige in diesem Jahr einen neuen Anlauf wagen will. Zumindest berichtet die „Berliner Zeitung“, dass die Nummer 92 bei der WM erneut unter Beobachtung von Experten aus Boston steht.

Hilfreich wäre da sicher ein Erfolg gegen Tschechien, das seit Jahrzehnten eine Macht in der Eishockey-Welt und gegen Deutschland ohne Frage favorisiert ist. Doch Favoritenstürze sind ja seit Olympia 2018 eine Spezialität der Deutschen. Schweden (mit einem Noebels-Tor) und Kanada wurden in Südkorea auf dem Weg ins Finale aus dem Weg geräumt. Und die Siege gegen die Slowakei und Finnland beim aktuellen WM-Turnier haben erneut bewiesen, dass sich im deutschen Eishockey eine Menge getan hat.

Also, liebe Tönisvorster und alle weiteren Sportfreunde aus der Region: Donnerstag, 20.15 Uhr, „Sport 1“ einschalten und feste die Daumen drücken. Wer mag, kann auch gerne eine Kerze anzünden. Schaden kann das sicher nicht.

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