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Strick-Kunst: Diese Zigaretten qualmen nicht

Strick-Kunst: Diese Zigaretten qualmen nicht

Schüler haben volle Aschenbecher gestrickt. Ihnen ist der Schulhof zu dreckig.

Willich. Zigarettenkippen liegen auf dem Boden, volle Aschenbecher stehen auf den Tischen im Erdgeschoss des Oberstufengebäudes der Robert-Schuman-Gesamtschule. Die Schüler könnten sogar darüber stolpern, denn einige der Glimmstängel sind bis zu 60 Zentimeter lang — und aus Wolle.

Ein gestrickter Feuerlöscher und ein Notausgangsschild vervollständigen das Bild eines Raucherraums. 29 Schüler eines Kunstkurses der zehnten Klasse haben an dem Ausstellungsprojekt „Tricotin“ mitgearbeitet. Die ersten drei Buchstaben des Titels kommen aus dem Wort Stricken, die zweite Silbe ist der Hinweis auf Nikotin. Allerdings legt der Kurs Wert darauf, dass es sich um keine Kampagne gegen Raucher handelt.

Mit der Strickliesel haben die Schüler Wollschläuche gefertigt, die sie dann in den Kunstwerken miteinander verhäkelt haben. In den Hohlräumen ist Füllwatte, das macht die Stücke kuschelig weich. „Wir wollten die Schüler verblüffen, indem wir eine Dimension und Materialien gewählt haben, die augenscheinlich nicht zum Thema passen“, sagt Kunstlehrerin Judith Behrens.

In erster Linie geht es bei der Ausstellung darum, dass der Schulhof zu dreckig ist. „Jeder kann die Kunst natürlich so interpretieren, wie er möchte, aber wir wollen nicht den Zeigefinger gegen Raucher heben, auch wenn viele Schüler das so verstehen“, sagt Behrens.

Anstoß für das Projekt war ein Wochenende im Frühling, als die Schule montags völlig zugemüllt war. Konzentriert haben sich die Jugendlichen auf das Problem der Zigarettenschachteln und Kippen. „Es fehlen Mülleimer“, sagt der 16-jährige Marius. Ein weiterer Missstand seien fehlende Kontrollen. „Es gibt zwar eine Raucherecke, aber alle Schüler, die heimlich in den Gebüschen rauchen, lassen ihren Abfall dort liegen“, sagt der 15-jährige Fabian. Bilder an den Wänden des Oberstufengebäudes zeigen, dass es in den Beeten im Sommer mehr Kippen als Blumen gab.

Die überdimensionierten Zigaretten sollen das Problem ins Blickfeld rücken. „Die Austellung vergrößert die Schwierigkeiten wie eine Lupe, das soll die Schüler sensibilisieren, deshalb stellen wir die Werke auch zuerst bei den Schülern auf, die schon rauchen dürfen“, erklärt Behrens. Die Künstler selbst sehen das nicht so optimistisch. „Ich glaube nicht, dass die Raucher sich ändern“, sagt Fabian. Die Ausstellungsstücke wurden am Freitag in das Gebäude der Sekundarstufe eins gebracht. Ausstellungen für die Öffentlichkeit sind erst mal nicht geplant.