Mord an Rentner Johannes W.: Stotterstart in den Prozess

Mord an Rentner Johannes W. : Stotterstart in den Prozess

Fünf junge Menschen müssen sich für die Tötung eines 81-Jährigen in St.Tönis verantworten.

St. Tönis. Mit einem Elektroschocker und kaum vorstellbarer Brutalität sollen die jungen Täter vorgegangen sein, als sie den 81-jährigen Rentner Johannes W. in seiner Wohnung an der Grenzstraße in St. Tönis angegriffen und anschließend beraubt haben sollen. Das Verbrechen ereignete sich am 1. Oktober 2014. Am Montag war Prozessauftakt vor der 1. Großen Strafkammer des Landgerichts Krefeld. Um es vorweg zu nehmen: Weit kam das Gericht nicht. Nicht mal die Anklage konnte verlesen werden.

Der Andrang vor dem größten Saal des Gerichts war so groß, dass Beobachter draußen bleiben mussten: Angehörige des getöteten Rentners, aber auch der Angeklagten wollten das Verfahren erleben. Zeitweise war die Stimmung im Vorraum fühlbar aggressiv. „Du kein Anwalt. Kannst Dich hinten anstellen“ — mit solchen Sätzen sahen sich nicht nur die Medienvertreter konfrontiert.

Im Saal sieht sich das Gericht zehn Verteidigern gegenüber — jedenfalls wenn alle anwesend sind. Fast schon eine Garantie, dass sich der Prozess gehörig in die Länge ziehen wird und dass sich das Gericht mit Anträgen verschiedenster Art auseinandersetzen muss. Und so kam es: Die Verhandlung war Minuten alt, als sich ein Verteidiger zu Wort meldete und die Sitzordnung monierte: „So kann man nicht verteidigen.“ Die Folge: Beratungspause zu der Frage: Soll die Bestuhlung vor oder nach der Anklageverlesung umgestellt werden?

Dann stand ein Befangenheitsantrag auf dem Programm. Folge: Pause. Nach eineinhalb Stunden erneutes Zusammentreten. Keine Anklageverlesung. Morgen wird weiterverhandelt. Geschehen ist bisher nichts.

Die Enttäuschung ist in den Gesichtern der Angehörigen des Getöteten zu lesen. Drei von fünf Geschwistern waren gekommen, außerdem zwei Enkel. Eine Schwester tritt als Nebenklägerin auf. Vertreten wird sie durch den Essener Anwalt Hans-Peter Kuhlhoff. Der so gut wie möglich versuchte, diese erneute Pause zu erklären. Und sich auch sicher ist: „Die angesetzten Termine reichen nicht.“

Die Ermittlungsarbeit in diesem Fall hatte die Mönchengladbacher Polizei übernommen, die Leitung der Sonderkommission hatte Star-Ermittler Ingo Thiel, bekannt durch den Mord an den Grefrather Jungen Mirco. Thiel hatte betont, der Rentner habe in der Öffentlichkeit mit einem angeblich hohen Lebensstil geprahlt. Das habe die späteren Täter auf den Plan gerufen.

Entsetzt hatten sich die Beamten über das Ausmaß der Brutalität gezeigt, das die Täter an den Tag gelegt hatten. Sie hatten von ihrem Opfer den Schlüssel zum Tresor gefordert. Verhaftet wurden die jetzigen Angeklagten in einer Aktion, die zeitgleich in drei Städten lief und an der 200 Einsatzkräfte beteiligt waren. Eine DNA-Spur hatte zu einem der fünf Beteiligten geführt. Regelrecht verdeckt hatten die Ermittler das Umfeld der Verdächtigen über mehr als zwei Wochen ausgeleuchtet, bevor sie am 28. Januar zugriffen.

„Er hatte sich gerade etwas von dem Tod seiner Frau erholt“, sagte eine Nichte des Getöteten am Montag gegenüber der WZ. Johannes W. stammte aus Duisburg, war aber wegen seiner Frau vor mehr als 30 Jahren nach St. Tönis gezogen. Vor ihrem Tod hatte er sie über einen längeren Zeitraum gepflegt.