Stadtgeflüster: Neues aus Willich und Tönisvorst

Stadtgeflüster aus Willich und Tönisvorst : Es gibt ein Leben nach dem Rathaus

Der Flüsterer durfte Ex-Beigeordnete Martina Stall in ihrem Atelier besuchen. Außerdem geht’s um Vergleiche und Campino.

Der Tag des offenen Denkmals, liebe Leser, ist so ein Tag, der neue Perspektiven schafft. Meistens die, dass man als Vorbeischauender nicht von draußen durchs Fenster rein, sondern von drinnen durchs Fenster raus schaut. Und wenn man schon mal drin ist, dann schaut man sich auch um. Dieser Tag ist jedes Jahr im September. Besonders schön ist es, die Bewohner, Mieter oder Architekten anzutreffen, die etwas über die Räume, das Haus erzählen können. Warum das ausgerechnet jetzt und auf der Schwelle zum Dezember Überleitung ist? Nun, der Stadtflüsterer hat genau diesen überraschenden Einblick bei einer kurzen Stippvisite erlebt. In Willich wurde in der vergangenen Woche ja der „goldene Kunstbaum“ als Weihnachtsbaum auf dem Markt geschmückt. Eine, die auch zwei (rot bemalte) Kugeln beigesteuert hat, ist Martina Stall, die ehemalige Technische  Beigeordnete der Stadt Willich. Sie ist bekanntlich nicht mehr im Dienst, sondern in  Rente und hat nun mehr Zeit, sich um eines ihrer Lieblingshobbys zu kümmern: das Malen.

Maler-Marionette sitzt am Fenster

„Wollen Sie mal einen kurzen Blick rein werfen?“ fragte Martina Stall also spontan und führte links am Café Kleeberg vorbei erst in einen Hinterhof und dann in ihr Atelier, das sie seit März nutzt. Der Raum, in dem früher einmal eine Schmiede untergebracht war,  entfaltet eine wunderbare Wirkung, wenn man ihn, wie diesmal, menschenleer vorfindet. Ein Raum für die Kunst. Ein Raum wie Kunst, wie eine Kulisse schön mit Farben, Pinseln, kleinen Gegenständen, der Staffelei, den Bildern an der Wand. Ein persönliches Refugium für Martina Stall. Zu den persönlichen Gegenständen gehören auch von ihrer Mutter kunstvoll gestaltete Marionetten. Ein Maler am Fenster schaut dabei ins Atelier. In der Ruhe liegt die Kreativität.

Live-Besuch bei den Toten Hosen

Kreativität kann man den Toten Hosen nachsagen. Ruhe nicht. Selbst wenn ihr Punk unplugged daherkommt. „Das wird für alle ein unvergessliches Erlebnis sein“, meinte Andreas Frege, vielen besser bekannt als Campino, Frontmann der Toten Hosen, in der vergangenen Woche gegenüber WDR 2. Und mit „Das“ war ein spannendes Projekt gemeint, das am gestrigen Sonntag, dem ersten Advent, im Großen Sendesaal des WDR in Köln stattfand. „Musik und Talk, live“. Kein Fan konnte Eintrittskarten kaufen. In den Saal kam nur, wer auf der Gästeliste stand. Die Band reiste mit einer Pianistin, einem Cellisten und einem Akkordeonspieler an. „Punk mit Power und mit Cello“ versprach Campino für seine Band.  Warum darüber im Stadtgeflüster berichtet wird? Ganz einfach. Auf der Gästeliste stand auch eine St.Töniserin. Silvia Schacks, vielen auch bekannt als Vorsitzende des Tönisvorster Karnevals-Komitees (TKK). Live im Gespräch mit WDR 2-Moderatorin Sabine Heinrich wurde ihr die tolle Neuigkeit verkündet. „Boah. Klasse. Ich freu’ mich so tierisch darüber“, so  Schacks’ Reaktion. Sie schmiss ihre kompletten Pläne für den 1. Advent um. Und fuhr mit Tochter Alina nach Köln. Wer also heute eine besonders glückliche Silvia Schacks oder deren Tochter im Ort trifft, weiß jetzt warum.

Singen im Papperlapapp

„Weihnachtslieder zum Mitsingen“ – so heißt eine Veranstaltung am Sonntag 15. Dezember, ab 16 Uhr im Kulturcafé Papperlapapp in Vorst. Im festlich geschmückten Innenhof des Kulturcafés präsentiert der Vorster Chor „Sing In 73“ eine Auswahl der schönsten Weihnachtslieder. Das Mitsingen ist ausdrücklich erwünscht. Und das hat den Gästen schon in den vergangenen Jahren viel Freude bereitet. Der Eintritt ist frei.

Bürgerbus zum Weihnachtsmarkt

Service gehört auch zum Stadtgeflüster. Daher hier ein Hinweis auf das kommende Wochenende, den zweiten Advent. Der Bürgerbus wird anlässlich des St. Töniser Weihnachtsmarktes  seine Fahrzeiten am 7. Dezember verlängern. Zusätzlich bietet er am 8. Dezember einen Shuttle-Dienst für die Fahrgäste an. Auf Wunsch der Stadt Tönisvorst und des Werberings „St. Tönis erleben“ wird die innerhalb von St. Tönis übliche Route am Samstag bis 17.40 Uhr und zusätzlich am Sonntag von 11.40 bis 17.40 Uhr gefahren. Appell der Bürgerbusfahrer: „Bitte fahren Sie mit uns, genießen Sie den Weihnachtsmarkt alleine oder mit Ihrer Familie ohne lange Parkplatzsuche.“

„Vorher-nachher“ in Neersen

„Vorher-Nachher“ – wenn Frauen in Zeitschriften eine Wandlung durch Make up und Mode mitmachen, ist dieser Vergleich fast immer ein „Oho-Effekt“. Das gilt übrigens nicht nur für Gesichter, sondern auch für Fassaden. An einem Beispiel fährt der Stadtflüsterer regelmäßig vorbei. Die ehemalige Gaststätte „Am schwarzen Pfuhl“. Die Grundstücksgesellschaft hat sich der Immobilie angenommen, sie innen und außen saniert und umgestaltet. Im Erdgeschoss ist bekanntlich die Vollstreckungsstelle der Stadt untergebracht, im ersten Stock und im Anbau Richtung Autobahn entsteht Wohnraum. Das Dach ist neu, die Fenster, Türen und Fassadenfarbe auch. Da ist ein „Vorher-Nachher“ doch angebracht, oder?

Schüler beim Bürgermeister

Alles fing an mit Briefen, die die damalige 7d des St.-Bernhard-Gymnasiums im Rahmen des Projekts „Willich meine Heimat“ im Politikunterricht an Bürgermeister Josef Heyes schrieben. Im Projekt thematisierten sie mit ihrer Politiklehrerin Wünsche und Gedanken rund um die Stadt Willich und gestalteten dazu mehrere Briefe, die den Weg ins Rathaus fanden. Heyes war beeindruckt von den kreativen, detaillierten und vielfältigen Ideen der Kinder und lud die jetzige 8d in den großen Ratssaal im Schloss Neersen ein. Eine Stunde lang diskutierte er mit den Schülerinnen und Schülern über ihre Ideen und gemeinsam wurde weitergedacht. So wurde über ein Krankenhaus für Willich, bessere Verkehrsanbindung durch den ÖPNV nach Düsseldorf, Krefeld und Venlo, die Instandsetzung von Fahrradwegen, die Einrichtung von Treffpunkten für Jugendliche ab zwölf Jahren, überdachte Fahrradständer an Schulen und auch die Anwerbung von trendigen Bekleidungs- und Sportgeschäften, die das Bestellen im Internet oder den Weg in die nächste größere Stadt überflüssig machen könnten, ausführlich gesprochen. Die Schülerinnen und Schüler erfuhren, dass viele ihrer Wünsche schon auf der Tagesordnung des Stadtrates standen. Sie erhielten aber auch Informationen dazu, wie langwierig, aufwändig oder gar unmöglich deren Umsetzung sein kann.  Die Schüler bekamen so einen privaten Einblick in die Kommunalpolitik und erhielten im Anschluss eine altersgerechte Schlossführung, die mit der Ausgabe von Bastelbögen zum Schloss Neersen, auf die man auch in ihrem jugendlichem Alter auf keinen Fall verzichten wollte, endete.