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Stadtbücherei in Schiefbahn: 300 Neuanmeldungen seit September

Leseangebot in der Stadt Willich : Die Stadtbücherei ist ein Bestseller

Katrin Hufschmidt hat mehr als 300 Neuanmeldungen seit September. Nächste Woche startet Marianne Kock den Buchclub.

Sie hat eine der schönsten beruflichen Aufgaben in der Stadt Willich zu erfüllen. Und würde es Katrin Hufschmidt nicht schon wissen, wäre Marianne Kock die Erste, die es ihr sagen würde.

Seit September leitet Katrin Hufschmidt die Stadtbibliothek in den sanierten Räumen der ehemaligen Brauerei Stammen an der Hochstraße in Schiefbahn. Seither nimmt sie jeden Tag begeisterte Kommentare auf: „Oh, wie schön.“ „Ihr habt es toll, hell und so groß.“ „Und dass man hier auch einen Kaffee trinken kann...“ Durch die Bank sind die Kunden, Stammleser und Passanten, die sich einfach einmal umsehen möchten, begeistert. Die Euphorie um den herausgeputzten „dritten Ort“, der neben dem eigenen Zuhause und der Arbeitsstätte ein Treffpunkt sein soll, ist belegbar: „Seit der Neueröffnung haben wir mehr als 300 Neuanmeldungen“, sagt Hufschmidt. Neue Ausweise für Leser  aus allen Willicher Stadtteilen.

Bücherei als „dritter Ort“ neben Zuhause und Arbeitsstätte

Den „dritten Ort“ für sich entdeckt hat  Marianne Kock. Sie ist Vielleserin. Eine, die jede Woche mindestens ein Buch schafft. Bisher allerdings unter Umgehung der Stadtbücherei. Denn bis September wäre sie nicht auf die Idee gekommen, sich dort Bücher auszuleihen. „Ich fand es in der Tat nicht attraktiv. Aber jetzt bin ich so begeistert von Räumen und Lage, dass ich mir gleich  einen Leseausweis habe ausstellen lassen.“

Und sie hinterließ auf der Wunschwand, die Katrin Hufschmidt zur Eröffnung vorbereitet hatte, einen Zettel: Das Stichwort „Buchclub“ stand darauf und die Bereitschaft, sich engagieren zu wollen.

Katrin Hufschmidt zögerte nicht lange und sprach Kock an. Nun freuen sich die beiden Frauen auf den kommenden Mittwoch. Am 15. Januar, 16 Uhr, erwartet beide weitere Leseinteressierte, die nicht nur nach einem Buch greifen, um gleich wieder weg zu sein, sondern darüber reden und mehr über den Autor erfahren wollen.

„Die Räume bieten sich doch zu  diesem Austausch bestens an“, schwärmt Kock. Privat habe sie die Idee schon längst einmal umsetzen wollen. „Bisher habe ich es noch nicht getan.“ Eine Freundin lade regelmäßig andere ein, um über englischsprachige Bücher zu sprechen. „Dann stellt einer aus dem Kreis einen Autor und sein Buch vor, liest vielleicht etwas vor und beim nächsten Mal tauschen sich alle gemeinsam darüber aus.“

So oder ähnlich könnten die Treffen des neuen, monatlich angedachten Buchclubs aussehen. Kock: „Wir wissen ja noch nicht, wie viele Menschen kommen. Es soll zwanglos starten.“ Tage und Zeiten könnten  angepasst oder Gruppen aufgeteilt werden, wenn die Resonanz größer sein sollte als erhofft. Denkbar ist auch ein Buchclub-Treffen vormittags, ein anderes Mal nachmittags, um möglichst vielen die Beteiligung zu ermöglichen. Kock und Hufschmidt sind gelassen: „Das muss und wird sich einstellen.“

Das Programm-Angebot über die Ausleihe hinaus ist ausbaufähig. So könnte sich Marianne Kock beispielsweise auch vorstellen, in den Bibliotheksräumen für Kinder vorzulesen. Das ist ein Wunsch von den Zetteln, der schon zur Vorweihnachtszeit  mehrfach geäußert wurde.

Das Interesse daran ist bei der Leiterin der Stadtbücherei angekommen. Die Umsetzung benötigt laut Hufschmidt aber mehr Vorlaufzeit, weil ehrenamtliche Vorleser ein polizeiliches Führungszeugnis benötigen.

Marianne Kock hat sich als Moderatorin des ersten Buchclub-Treffens vorbereitet. Aus Begeisterung für eine Geschichte, die sie über Weihnachten gelesen hat: „Ich stelle von Peter Prange ,Eine Familie in Deutschland’ vor.“ Es ist der Lektüre-Start in das neue Angebot der Stadtbücherei, das auch zeitlich in einer kulturellen Tradition steht. Katrin Hufschmidt weiß, warum: „Im Jahr 1720 ist die erste Lesegesellschaft in Deutschland gegründet worden.“ Vor 300 Jahren.