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Stadt Tönisvorst sieht keinen Bedarf für ein neues Regenrückhaltebecken

Starkregenereignisse in Tönisvorst : Kein neues Regenrückhaltebecken

Der städtische Abwasserbetrieb setzt auf die Zusammenarbeit mit dem Kreis Viersen und verspricht sich Verbesserungen von der Beteiligung am Klimafolgenanpassungsgesetz des Kreises.

(barni) Beherrschendes Thema in der jüngsten Sitzung des Tönisvorster Betriebsausschusses war der künftige Umgang mit Starkregenereignissen, die zuletzt im Juni und Juli zu so manch vollgelaufenem Keller geführt hatten. Der städtische Abwasserbetrieb warnte allerdings vor zu hohen Erwartungen. Er setzt auf die Zusammenarbeit mit dem Kreis Viersen, verspricht sich Verbesserungen von der Beteiligung am Klimafolgenanpassungsgesetz des Kreises. Ziel ist ein kreisweites Konzept, an dem neben den Städten auch die Wasser- und Bodenverbände, die Landwirtschaft, die Wasserversorger, die Forstwirtschaft und die Gewerbebetriebe beteiligt werden sollen.

Bis zu 80 Liter Regenwasser pro Quadratmeter waren bei den beiden Starkregenereignissen in kurzer Zeit gefallen – zu viel für das derzeitige Kanalnetz. Marcus Thienenkamp (FDP) gab zu bedenken: „In meiner Zeit als Ausschussmitglied gab es schon zwei Regenfälle, wie es sie nur einmal alle 100 Jahre geben soll.“ Seine Frage: „Müssen wir als Stadt nicht mehr dagegen unternehmen?“

Jörg Friedenberg, Technischer Leiter des städtischen Abwasserbetriebs, kennt bereits Fragen, warum der Durchmesser der Abwasserrohre nicht größer gemessen wird. „Wir haben die gesetzlichen Verpflichtungen eingehalten“, sagt er. Durch die jetzige Situation könne es „an einigen ganz wenigen Stellen“ zu einer unzulässigen Einstau-Situation kommen. Aber es komme nicht zu einer flächendeckenden Überflutung. Die Kosten für den Austausch von Kanälen müssten über die Abwassergebühren auf die Bürger umgelegt werden.

Friedenberg sieht keinen Bedarf für ein neues großes Regenrückhaltebecken. Bei der Planung von Neubaugebieten müsse das Problem „Starkregen“ aber von Anfang an mitgedacht werden. Die Stadt Tönisvorst hat in den vergangenen 20 Jahren im Rahmen der Planung neuer Baugebiete Maßnahmen zur Rückhaltung von Niederschlagswasser getroffen. Grundsätzlich ging es um die Versickerung des Niederschlagswassers der öffentlichen Verkehrsflächen, um das Kanalnetz zu entlasten. Dies ist unter anderem in den Baugebieten im Bereich Corneliusweg, Theo-Mülders-Straße, Rebhuhnweg und Gerkeswiese geschehen.

Das Oberflächenwasser wird hier über ein Rinnensystem in einzelne Versickerungsmulden geleitet. Das Niederschlagswasser der privaten Grundstücke versickert ebenfalls vor Ort. Weitere Maßnahmen dieser Art müssen künftig erfolgen. Volker König (Die Grünen) fragte, ob Rasengittersteine eine Alternative zu normalen Pflastersteinen sein könnten. „Das Sickerpflaster funktioniert bei normalen Regenfällen, aber nicht bei Starkregen“, erklärte Friedenberg. Der einzelne Bürger könne aber Flächen entsiegeln und Grünflächen so anlegen, dass sie bei Starkregen überflutet werden können. Das Klimafolgenanpassungsgesetz soll möglicherweise schon Ende des Jahres vorliegen.