ST. Tönis: MEG zeigt Ausstellung der Kriegsgräberfürsorge

St. Tönis: MEG-Schüler beschäftigen sich mit dem Thema Krieg : Der Versuch, die Grauen des Krieges zu begreifen

Schüler des MEG haben sich in einer Ausstellung mit den Wendungen rund um den Ersten Weltkrieg befasst.

In vielen Kommunen wird 2018 dem 100-jährigen Bestehen der Kriegsopferfürsorge gedacht. Dazu hat der Verein eine Wanderausstellung konzipiert, die zurzeit im Michael-Ende-Gymnasium (MEG) zu sehen ist. Lehrer Peter Bergau hat sie an die Schule geholt. Die Ausstellung trägt den Titel „14/18 – mitten in Europa“. Der Untertitel „Die Urkatastrophe des Ersten Weltkrieges und ihre Folgen für das 21. Jahrhundert“ soll „den Bogen in unsere heutige Zeit zu schlagen. Denn die Folgen dieses ersten großen Krieges sind bis heute spürbar: ohne den Einblick in die Zusammenhänge und die Ergebnisse des Ersten Weltkrieges sind aktuelle Konflikte, beispielsweise im Nahen Osten und in der Ukraine, nicht in ihrer ganzen Bandbreite zu verstehen“, so die Kriegsopferfürsorge.

Mit diesen Zusammenhängen haben sich im Rahmen des Unterrichts – besonders in Geschichte – Schüler der 8. bis 12. Jahrgangsstufen (8-Q2) beschäftigt. Und zwar mit den sechs Themen:  „Der Krieg“, „Staaten im Krieg“, „Deutschland im Krieg“, „Menschen im Krieg“, „Nach dem Krieg“ und „Nie wieder Krieg?“.  Michael Wirth ist Geschichtslehrer und unterrichtet einige der 14- bis 19-Jährigen. Er nennt die Ausstellung eine „Herausforderung“ für die Schüler. Da sie eine Unmenge an Informationen enthält. Dazu gibt es  weiteres Material wie Arbeitsblätter sowie ein Heft mit Karten und weiteren vertiefenden Unterlagen, das „der Volksbund hervorragend mit den wissenschaftlichen Begleitern“  gestaltet hat, so Wirth. Aber auch die Beschäftigung mit Europa, demokratischen Systemen, Nationalstolz und nationalistischen Bewegungen sowie dem Herstellen von Bezügen zu heute sei eine Herausforderung. Auf die jeder Schüler anders reagiere. Auch für die Lehrer sei es eine Herausforderung, „Themen der Vergangenheit für die Jugendlichen zugänglich zu machen und die geschichts-politischen Probleme nachvollziehbar zu machen“, so Wirth.

Schüler konnten eine andere Perspektive einnehmen

„Die Aha-Erlebnisse waren unterschiedlich“, sagt Wirth im Gespräch mit der WZ. Beispielsweise die Fragen danach, wieso sich neue politische Systeme nach 1918 nicht durchsetzen konnten oder wie nationalsozialistisches Denken entstehen konnte. Das ließ sich aber unter anderem durch den Versailler Vertrag erklären, so der Pädagoge. Die Beschäftigung mit dem Thema hätte aber auch persönliche Fragen aufgeworfen: Wie hätte ich mich selbst verhalten? Welches System hätte ich favorisiert? Eine andere Perspektive zu übernehmen und die Problematik von einer anderen Position aus zu betrachten, sei eine wichtige Erfahrung für die Schüler gewesen, sagt Wirth.

Aber auch unmittelbares Erstaunen, Entsetzen und Irritation hätte sich bei den Jugendlichen gezeigt: über die neue Art der Kriegsführung. Wirth: „Der Einsatz von Gas als Kampfmittel, die Überschreitung von Grenzen und die Vernichtung von Menschenmaterial in Schlachten wie in Verdun, an der Sommes oder Marne. Grenzen wurden überschritten und Kriegskonventionen missachtet.“ Und ein weiteres Beispiel hätte manchen der Gymnasiasten irritiert und verständnislos zurückgelassen. „Das war der Bericht über die Feuerpause an Weihnachten 1914, wo die Kriegsparteien sich zu einem Fußballspiel zwischen den Gräben zusammen fanden. Und als die Feuerpause vorbei war, wieder aufeinander geschossen haben“, berichtet Wirth. Auch die Begeisterung, mit der in den Krieg gezogen wurde, mussten die Schüler erst verstehen lernen. In diesem Themenbereich hätten sie gelernt, dass erstmalig Fotos als Medium für Propaganda eingesetzt worden waren.

Das Bewusstsein zu bekommen, zu ahnen, wie zerbrechlich moderne, demokratische Systeme sind, und sich zu überlegen, wie Staaten Europa gestalten wollen und könnten, das sind für David Wirth wichtige Erkenntnisse, die die Michael-Ende-Schüler durch die Ausstellung gewinnen können.

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