St. Tönis: Ex-Karnevalsprinz Thorsten Engler sorgt sich ums Brauchtum

Karnevalisten setzen sich für ihr Brauchtum ein : Thorsten Engler sorgt sich um den Karneval

Er adressiert Kritik an die, die mit ihrem Verhalten das Brauchtum ruinieren könnten.

In diesem Jahr war Thorsten Engler ausnahmsweise einmal nicht während der närrischen Hochzeit in seiner niederrheinischen Heimat: Der St. Töniser Malermeiser und Ex-Karnevalsprinz feierte tausende Kilometer entfernt beim größten Karneval der Welt mit – in Rio. Doch nach seiner Rückkehr aus Brasilien verging dem Vorstandsmitglied der Prinzengarde die Feierlaune.

Unter anderem durch Gespräche mit befreundeten Karnevalisten ergab sich für ihn ein unschönes Bild von den Zuständen rund um den Tulpensonntag. „Es war schlimmer als sonst“, so sein Kommentar gegenüber der WZ.Gemeint sind vor allem Jugendliche, die sich – unter Einfluss von Alkohol – daneben benommen haben.

Seinem Unmut machte Engler auf seinem Facebook-Profil Luft. „Hoffentlich besinnen sich die ,etwas anderen Feiernden‘ mal langsam auf den Sinn des Umzuges und unterstützen das Brauchtum, anstatt es zu ruinieren und zu beerdigen“, so seine eindringlichen Worte.

Vielleicht dürften die Menschen dann auch in zwei Jahren noch Karneval feiern und erleben. Ob die Jugendlichen wüssten, dass es Bürger gebe, die sich auf Karneval freuten und sogar extra ihren Urlaub dafür nähmen, um Karneval zu leben. „Es geht den aktiven Karnevalisten auch langsam auf den Geist, Jahr für Jahr nicht die Presse nach fröhlichen Neuigkeiten zu durchsuchen, sondern immer wieder nur die Steigerungen von Störungen und Auffälligkeiten zu lesen“, so der Post weiter.

„Ob man es glaubt oder nicht, aber es kümmern sich hunderte Personen darum, ein Brauchtum wie den Karneval aufrecht zu erhalten. Egal ob Uniformträger, Uniformfarbe oder Privatpersonen, die alle den Karneval bereichern möchten. Und das nicht nur am Tulpensonntag, sondern in ganz vielen vereinsinternen vorbildlichen Feiern.“

Sanitätsdienst: Einsatzzahlen vom Jahr 2017 auf 2019 verdoppelt

Auch in der Politik bestimmt derzeit der Rückblick auf die närrischen Tage die Diskussionen. Im Hauptausschuss am vergangenen Donnerstag, die WZ berichtete, wurde unter anderem bekannt, dass sich die Einsatzzahlen von Sanitätsdiensten und Rettungstransporten von 2017 auf 2019 verdoppelt haben. Standen vor zwei Jahren vor allem die Überwachung des Glasverbots und die Ermahnung von „Wildpinklern“ im Fokus, ging es zuletzt auch um Körperverletzung und Nötigung. Im Ausschuss wurde nun sogar ein Alkoholverbot während des Zuges in den Raum gestellt. Weitere Debatten um das Sicherheitskonzept von Stadt und Karnevalskomitee (TKK) werden sehr wahrscheinlich folgen.

Thorsten Engler fragt rhetorisch in seinem Post: „Was für ein Vorbild seid ihr ,anderen‘ für die vielen jungen Zugbegleiter der hiesigen Schulen? Was für einen Eindruck sollen die bekommen?“ Er würde sich an ihrer Stelle „schämen“. Angesprochen fühlen sollen sich „Glasanfänger“, die meinten, dass sie mit den Erwachsenen mithalten könnten.

Engler, Mitglied der Prinzengarde, erlebte in der Session 2011/12 als Thorsten I. mit Melanie I. als Tönisvorster Prinzenpaar tolle 99 Sessions-Tage. Als Paar gab es einen doppelten Startschuss am Elften im Elften: Um 11.11 Uhr haben sich Thorsten Engler und Melanie Vitovec im St. Töniser Rathaus das Ja-Wort gegeben, abends wurden beide als Prinzenpaar proklamiert.

Ihr Sessions-Motto lautete 2011: „Der Tönisvorster singt und lacht, jetzt regiert die Farbenpracht.“ Das wäre ein schöner Ausblick auf zukünftige Sessionen – als frustfreie, friedlich-fröhliche Feiern.

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